Verlassene Orte neu entdecken

Festival "Begehungen" locken Künstler in alten Kulturpalast nach Rabenstein

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Noch liegt der Kulturpalast im Dornröschenschlaf. Doch im Sommer werden dort Künstler aus aller Welt kreativ sein. Foto: Steffi Hofmann

Verlassene Chemnitzer Plätze und Orte durch Kunst neu entdecken - dafür steht das Kulturfestival "Begehungen". Unter dem frei interpretierbaren Titel "Institut Potemkin" werden vom 17. bis 20. August erstmals im alten Kulturpalast Rabenstein sämtliche künstlerische Ausdrucksformen von internationalen Malern, Gestaltern und Musikern zu sehen, hören und zu erleben sein. Ein vielfältiges Rahmenprogramm aus Musik, Lesungen und Workshops begleitet die Ausstellung.

Kulturpalast Rabenstein vor dem Verfall schützen

Auf den Namensgeber einer Forschungseinrichtung geht die Redewendung "Potemkinsche Dörfer" zurück. Der Sitz des Institut Potemkin ist im Sommer nun der Kulturpalast Rabenstein, ein Monument des sozialistischen Klassizismus in Chemnitz. 1950 als Erholungszentrum für schwer arbeitende Bergleute eröffnet, wurde er 1968 in ein Fernsehstudio umfunktioniert, in dem bis 2002 noch gedreht wurde.

Seitdem ist diese Kulisse für Kulissen verlassen und dem inneren Verfall preisgegeben. "Ich erinnere mich noch genau, wie es darin aussieht", sagt eine Anwohnerin aus Rabenstein, die Anfang der 1990er Jahre für eine Fernsehproduktion in den Zuschauerreihen des Kulturpalasts saß. Dass das Gebäude nun in die Hände von Künstlern kommt, findet sie gut. Es sei schade um das schöne Haus, das Jahr für Jahr dem Verfall ausgesetzt ist.

"Begehungen" haben bereits Tradition

Das Chemnitzer Festival "Begehungen" gibt es seit 14 Jahren. "Wir spielen mit verlassenen Ecken und Gebäuden der Stadt, die seit Jahren für viele Leute in Vergessenheit geraten sind. (Un)Glücklicherweise sind solche Orte in Chemnitz zahlreich", so die Macher. Leerstand ist für sie nicht nur ein Problem der Stadt, sondern auch eine große Chance. "Eine Chance nachzudenken, eine Chance mit Leerstand zu spielen und Stadtraum umzudenken!"