Verliert Chemnitz einen Hoffnungsträger? Verein, der Bedürftige unterstützt, steht vor ungewisser Zukunft

Seit über sieben Jahren hilft der Chemnitzer Verein Bedürftigen, Obdachlosen und sozial Schwachen. Doch nach dem Auslaufen des Mietvertrags Ende 2025 kämpft das Team nun selbst ums Überleben.

Chemnitz

Manchmal sind es nicht die großen Schlagzeilen, sondern die kleinen Gesten der Nächstenliebe, die eine Stadt ausmachen. In der Dresdner Straße 6 in Chemnitz gibt es so einen Ort: den Verein „Hoffnung Stern e.V.“.

Gegründet am 1. November 2018 von Gudrun Srednicki, seit dem 1. Juni 2021 offiziell eingetragener Verein, ist „Hoffnung Stern“ heute für viele Menschen mehr als nur eine Adresse. Es ist ein Zufluchtsort. Ein Treffpunkt. Ein Stück Zuhause.

Sechs ehrenamtliche Mitarbeiter stemmen hier Tag für Tag, was andernorts oft an Bürokratie oder knappen Kassen scheitert: Menschlichkeit ohne Vorbehalt.

Essen, Wärme, ein offenes Ohr

Montag bis Freitag zwischen 11 und 14 Uhr gibt es drei frisch zubereitete Gerichte – für 4,50 bis 10 Euro. Getränke ab einem Euro. Jeder darf kommen. Jeder ist willkommen.

Doch es geht um mehr als nur Essen.

Montags wird zwischen 16 und 18 Uhr ein spezielles Obdachlosenessen angeboten – für nur einen Euro, inklusive Getränk und Nachtisch. Gerade in den Wintermonaten werden zusätzlich Spenden ausgegeben. Wenn es draußen kalt ist, zählt jeder warme Teller doppelt.

Dazu kommen:

  • Bürgerfrühstück und Kaffeeklatsch
  • Skatrunden für Jung und Alt
  • Unterstützung bei Behördengängen
  • Hilfe bei bürokratischen Fragen
  • Lebensmittel- und Kleiderspenden
  • Vermittlung an andere soziale Einrichtungen
  • Tagesausflüge für kleines Geld
  • Die Möbelbörse „Stöberstübl“ mit Second-Hand-Waren

„Hoffnung Stern“ bringt Menschen zusammen – unabhängig von Herkunft, Geldbeutel oder Lebensgeschichte.

4.535 Menschen in Not – und ein Verein mittendrin

Laut Stand vom 31. Januar 2024 leben in Chemnitz 4.535 Menschen in Notunterkünften oder Heimen. Viele von ihnen brauchen Unterstützung. Und viele landen früher oder später in der Dresdner Straße.

Obwohl der Verein keine staatliche Förderung erhält und nicht als gemeinnützig anerkannt ist, werden Menschen vom Sozialamt dorthin geschickt. Finanziert wird alles fast ausschließlich über Spenden, Einnahmen aus dem Mittagstisch und Sachspenden von Privatpersonen.

Seit dem 9. Januar 2023 engagiert sich der Verein am aktuellen Standort. Die Resonanz: überwältigend positiv.

Die Ehrenamtlichen sind oft länger da, als es Öffnungszeiten vorsehen. Sie hören zu, wenn andere längst geschlossen haben. Sie bleiben, wenn es schwierig wird.

Dieser Ort der Nächtenliebe steht auf der Kippe

Jetzt droht der Verlust der Räume
Doch genau dieser Ort steht nun auf der Kippe.

Der Mietvertrag lief Ende 2025 aus. Eine Verlängerung wurde von Vermieterseite nicht akzeptiert. Hinzu kommen gestiegene Mieten und hohe Nebenkosten, die derzeit juristisch geprüft werden.

Die Realität ist bitter: Ohne neue Räume kann „Hoffnung Stern e.V.“ seine Arbeit nicht fortsetzen.

Und ohne Unterstützung wird ein Umzug kaum möglich sein.

Die Spendenkampagne: 3.000 Euro für einen Neuanfang

Um weiterhelfen zu können, hat der Verein eine GoFundMe-Aktion gestartet.

Ziel: 3.000 Euro. Aktueller Stand: 300 Euro.

Das Geld wird benötigt für:

  • die Mietkaution eines neuen Objekts
  • Umzugskosten
  • Lebensmittel für Bedürftige

Die Aktion läuft, bis das Ziel erreicht ist.

Es geht nicht um Luxus. Es geht um einen Schlüssel für eine neue Tür. Um einen Herd, der weiter warmes Essen ausgibt. Um Tische, an denen Menschen nicht allein sitzen müssen.

Dringend gesucht: Neue Räume für „Hoffnung Stern“

Bislang hat der Verein trotz intensiver Bemühungen keine neue Gewerbefläche finden können. Gesucht wird ein Objekt mit etwa 100 Quadratmetern, idealerweise mit nutzbarer Küche, damit der tägliche Mittagstisch weiterhin angeboten werden kann.

Die monatliche Bruttomiete sollte sich im Bereich von rund 1.000 Euro bewegen – mehr lässt die ausschließlich spendenbasierte Finanzierung kaum zu.

Wer in Chemnitz eine passende Fläche anbieten kann oder einen Hinweis hat, könnte entscheidend dazu beitragen, dass „Hoffnung Stern e.V.“ seine Arbeit fortsetzen kann.

Ehrenamt, das die Stadt Chemnitz trägt

Sechs Ehrenamtliche halten hier ein Angebot aufrecht, das für viele unbezahlbar ist – obwohl es kaum Geld kostet.

In einer Zeit, in der soziale Spannungen wachsen und Einsamkeit zunimmt, ist „Hoffnung Stern“ ein Gegenentwurf: offen, niedrigschwellig, menschlich.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, an dem wir als Stadt zeigen können, was Zusammenhalt bedeutet.

Denn manchmal braucht es nicht viel.

Vielleicht nur fünf Euro. Oder zehn. Oder das Teilen einer Geschichte.

Damit in Chemnitz ein Stern der Hoffnung nicht erlischt. Hier spenden.

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