Verwirrspiel in Blech

Premiere Jan Mixsas "Was ihr wollt" fällt aus dem Rahmen

Viola liebt Orsino, liebt Olivia, liebt Cesario, der Viola ist und einen Zwillingsbruder hat. Malvolio liebt Olivia ebenfalls, wird aber von deren Onkel genarrt und landet hinter Gittern. Wer die verwicklungs- und rollenreiche Shakespeare-Komödie kennt, mochte sich wundern. Das Chemnitzer Figurentheater zeigte am Freitag eine Premiere von "Was ihr wollt" als Inszenierung mit nur drei Spielern. Doch dabei hatte das Figurenspiel ganz klar einen Vorteil und die Akteure auf der Bühne wortwörtlich alle Hände voll zu tun. Das trieb Regisseur Jan Mixsa stellenweise auf die Spitze und ließ seine vielseitigen Darsteller bis zu drei Gestalten gleichzeitig übernehmen. Doch auch das Spiel mit dem Spiel war nur eine Rolle. Denn Mixsa verfrachtete seine trashige Komödie in eine Rahmenhandlung auf einer einsamen Insel. Hier spielen die drei Gestrandeten seit sieben Jahren tagtäglich dasselbe Stück. Die Figuren dazu bauten sie aus den Resten des Wracks (und in der Realität Mixsa aus allerlei Blechteilen). Vollgestopft mit teils klugen, teils witzigen Inszenierungsideen entstand ein Stück von fast drei Stunden Länge. Kleinere Schwächen in der Dramaturgie und die ein oder andere verfehlte Pointe spielten Michael Schmidt, Claudia Friedemann und eine großartige Gerlinde Tschersich einfach weg. Mixsas stark bearbeitete Fassung wollte sichtbar aus dem Rahmen fallen, doch das Stück dabei nicht aus den Augen verlieren. Der Versuch ist geglückt. Am Ende dürfte der Zuschauer das Gefühl gehabt haben, die Muppets auf Koks in fünf Akten zu sehen, aber es war trotz allem ein Shakespeare.