Vom Fahrtrainer bis zum Spülmittel

Ausstellung Ab Juni gibt es eine neue Schau im Chemnitzer Industriemuseum

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Kurator Jürgen Kabus an einem Fahrtrainer - eines der neuen Ausstellungsstücke im Chemnitzer Industriemuseum. Foto: Industriemuseum

Wer ab Anfang der 1970er Jahre in der DDR den Führerschein machen wollte, wird sich noch ganz genau daran erinnern: Die Praxis hinterm Steuer wurde auf einem sogenannten Fahrtrainer absolviert. "Hier konnten die Fahrschüler das Wechselspiel zwischen Kupplung, Gas und Bremse üben", erzählt Jürgen Kabus.

Er ist der Kurator der neuen Sonderausstellung im Industriemuseum Chemnitz, die am 1. Juni unter dem Titel "Das Herz von Chemnitz" eröffnet wird. Die Geschichte um den Fahrtrainer ist eine von insgesamt 13, die im Museum erzählt werden. "Der Besucher durchläuft 220 Jahre Industriegeschichte und begegnet zum Beispiel auch dem Erfinder des Geschirrspülmittels Fit oder dem des Deutschen Patentgesetzes. Allesamt waren Chemnitzer", berichtet Jürgen Kabus.

Fahrtrainer war in aller Welt berühmt

Die Ausstellung informiert zudem im Rahmen des diesjährigen Stadtjubiläums darüber, wie Chemnitz zur führenden sächsischen Industriestadt wurde und wie die industrielle Entwicklung den Ort formte und bis heute prägt. Der Fahrtrainer made in Karl-Marx-Stadt stammt von Reiner Schalling. "Der erste Prototyp entstand in einem Eigenbau Wartburgfond 1964. Später gelang es, die Barkas Lehrwerkstatt für die Produktion von Fahrtrainerattrappen zu gewinnen", sagte der Erfinder zu Lebzeiten.

Insgesamt sind über 3.000 Modelle gebaut und unter anderem in die Volksrepubliken Ungarn oder Bulgarien sowie nach Algerien, Äthiopien, Angola und in den Irak exportiert worden. Es gab sowohl stationäre als auch mobile Anlagen.

Aber warum kam ein derartiger Trainer überhaupt zum Einsatz? Weil die Produktion von Autos in der DDR bekanntlich deutlich länger dauerte als heute und eine Diskrepanz zwischen dem theoretischen und dem praktischen Können der Fahrschüler bestand. "Durch den Einsatz eines Fahrtrainer gab es einfach weniger Verschleiß an den Autos auf der Straße", so Jürgen Kabus.