Vom Gärtner zum Rezeptionisten

Vorgestellt Miklos Bodnar ist der letzte Ungar im "Paprikaturm"

Das Hochhaus am Bernsbachplatz war zu DDR-Zeiten als Wohnheim für Gastarbeiter aus Ungarn bekannt - der Name "Paprikaturm" für das 15-stöckige Gebäude hält sich noch immer hartnäckig in der Chemnitzer Umgangssprache. An die einstigen Bewohner freilich erinnert heute so gut wie nichts mehr in dem Haus, das seit 20 Jahren einen Ableger der Hotelkette Seaside beherbergt. Mit einer Ausnahme: Diese heißt Miklos Bodnár und ist Rezeptionist in eben jenem Hotel - der letzte Ungar im "Paprikaturm". "Als das Hotel 1992 eröffnet hat, habe auch ich hier angefangen", erinnert sich der 53-Jährige. Gelebt habe er in dem Wohnheim zwar selbst nie, mit dessen Vergangenheit sei er aber schon durch seinen Beruf vertraut. "Mich erstaunt, wie oft hier Leute anrufen, die einfach nur etwas über den Paprikaturm wissen wollen", sagt er. Aufgewachsen im östlichen Teil Ungarns, kam Bodnár 1977 in die DDR, per Zug und mit einem Dreijahresvertrag in der Tasche. "Ich war jung und wollte die Welt entdecken", erzählt er. Seine Arbeit als Fräser beim VEB Großdrehmaschinen 8. Mai an der Zwickauer Straße sei für ihn Neuland gewesen. "Ich hatte zuvor in Ungarn eine Ausbildung zum Gärtner abgeschlossen. Aber das war hier nicht gefragt." Nach seinem Vertragsende habe er wegen seines Wehrdienstes zunächst wieder zurückziehen müssen. Doch schon eineinhalb Jahre später kam er wieder und diesmal dauerhaft. "Das ging, weil ich in der DDR geheiratet hatte." Den Wechsel in die Hotelbranche wagte er dann nach der Wende. "Erfahrungen hatte ich da schon während meines Wehrdienstes gesammelt." Den Draht in seine alte Heimat hat Miklos Bodnár indes nie verloren. Zweimal pro Jahr besucht er seine Eltern, nimmt dafür eine Reise von hin und zurück rund 1.800 Kilometern in Kauf. "Direkt nach dem Mauerfall hatte ich sogar überlegt, wieder ganz nach Ungarn zu ziehen und mir ein Häuschen am Balaton zu kaufen", schildert er. Doch diesen Plan habe er verworfen, die aufgebaute, eigene Existenz in Chemnitz sei letztlich wichtiger gewesen. An Kontakten zu Landsleuten fehlt es ihm jedenfalls nicht: Bodnár ist Mitglied in einem Ungarischen Kulturverein Chemnitz, der etwa 100 Mitglieder zählt. "Wir treffen uns einmal im Monat. Dann wird nur ungarisch gesprochen", sagt er.