Vom Regendebüt zum 11.500-Menschen-Karneval: 20 Jahre Firmenlauf Chemnitz

Wie aus einer Berliner Marketingidee zwei Jahrzehnte Chemnitzer Stadtgeschichte wurden. Ein Rückblick auf den Jubiläumsauftakt.

Chemnitz

Ein alter Werbespot flimmert über die Leinwand: „Spaß, Gesundheit & Geselligkeit“. Die Sequenz markierte am vergangenen Donnerstagabend den Einstieg in einen Rückblick, der im Veranstaltungscenter der Sparkasse Chemnitz die Entwicklung einer lokalen Großveranstaltung beleuchtete. Die Gründer Conrad Kebelmann und Michael Rieß blickten dabei auf die Anfänge eines Projekts, das als studentische Idee begann und heute die regionale Wirtschaft bewegt.

Auftakt im Zeichen der Partnerschaft

Zur Auftaktveranstaltung anlässlich des 20-jährigen Jubiläums hatten die Initiatoren gemeinsam mit ihren langjährigen Partnern, der AOK Plus und der Sparkasse Chemnitz, geladen. Unter den Gästen befand sich neben den Sparkassen-Vorständen Torsten Wetzel und Michael Kreuzkamp sowie der AOK-Regionalcenter-Leiterin Doreen Leopold auch der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze. Letzterer ist der Veranstaltung seit Jahren nicht nur als Schirmherr, sondern auch als aktiver Läufer verbunden.

Eine Marketingidee als Start-up-Zündung

Die Historie des Firmenlaufs ist eng mit der Biografie der beiden Gründer verknüpft. Kebelmann, ein Sportökonom, und Rieß, ein Sportphilosoph, kamen ursprünglich aus Berlin zum Studium an die TU Chemnitz. Nach dem Abschluss stand der Entschluss fest, sich im Bereich der Firmenfitness selbstständig zu machen. Der Chemnitzer Firmenlauf war dabei anfangs als reine Marketingmaßnahme gedacht.

Die Premiere am 1. Mai 2006 verlief allerdings unter schwierigen Bedingungen. Bei schlechtem Wetter und maßgeblicher Unterstützung durch das private Umfeld („Family & Friends“) gingen gerade einmal 243 Läuferinnen und Läufer an den Start. Dass die Teilnehmerzahl bis zum Jahr 2025, trotz eines spürbaren Rückgangs während der Corona-Pandemie, auf rund 11.550 Personen ansteigen würde, war damals nicht abzusehen.

Zwischen Teambuilding und Karnevalscharakter

Als wesentlichen Erfolgsfaktor für den Standort Chemnitz nennen Kebelmann und Rieß die hohe Identifikation der Teilnehmenden mit ihren Arbeitgebern. Die Kreativität bei den Laufoutfits und den mitgeführten Konstruktionen habe im Laufe der Jahre eine Eigendynamik entwickelt, die phasenweise an Karnevalsumzüge erinnert. Das traditionelle, augenzwinkernde Motto lautet dabei: „Mal wieder den Chef beeindrucken“.

Für Oberbürgermeister Sven Schulze hat das Event zudem eine feste rituelle Komponente: Sein persönliches Highlight sei jedes Jahr der Blick vom Rathaus auf die wartenden Startwellen sowie das Erteilen des Startpfiffs.

Logistische Herausforderungen im Stadtgebiet

Das kontinuierliche Wachstum spiegelte sich über die zwei Jahrzehnte auch in einer logistischen Odyssee durch das Chemnitzer Stadtgebiet wider. Die steigenden Teilnehmerzahlen zwangen die Organisatoren zu wiederholten Standortwechseln:

  • 2006: Der erste Lauf startete auf dem Chemnitzer Neumarkt
  • 2010: Die Fläche wurde um den Hauptmarkt erweitert.
  • Zwischenstationen: Es folgten Austragungen auf der Brückenstraße vor dem Karl-Marx-Monument, auf dem Richard-Hartmann-Platz sowie eine temporäre Ausweichung auf die Küchwaldwiese während der Covid-19-Pandemie
  • Seit 2022: Die Veranstaltung ist fest in den Innenstadtkern zurückgekehrt.

Die Challenge für den guten Zweck

Ein fester Bestandteil des Programms ist die sportliche Dreier-Challenge zwischen der AOK Plus, dem Klinikum Chemnitz und der Sparkasse Chemnitz. Die Challenge verbindet den sportlichen Ehrgeiz mit dem guten Zweck, ist jedoch umgekehrt gestaffelt: Das erstplatzierte Team übernimmt den geringsten Spendenanteil, während der Drittplatzierte die höchste Summe beisteuern muss.

Doreen Leopold von der AOK Plus hob zudem hervor, dass vor allem die Stärkung des Wir-Gefühls im Vordergrund stehe. Das gemeinsame Erlebnis wirke als langfristiger Motivationsfaktor, der die Belegschaften auch abseits des Arbeitsalltags zusammenschweiße.

Strukturierte Neuerungen für den 2. September

Für die anstehende Austragung am 2. September kündigten die Veranstalter mehrere organisatorische Anpassungen an, die den Ablauf optimieren sollen:

  • Einführung von Couponbögen: Um die Wartezeiten an den Verpflegungsständen zu verkürzen, ersetzen künftig zusammenhängende Couponbögen die bisherigen Einzelwertmarken.
  • Beibehaltung des Startwellen-Systems: Das im Vorjahr erprobte System der Startwellen im 15-Minuten-Takt wird fortgeführt, um eine Entzerrung auf der Strecke zu gewährleisten. Für den 2. September sind sechs Startwellen geplant.
  • Flächenerweiterung: Das Veranstaltungsgelände wird um den Stadthallenpark ergänzt. Das Areal soll als zusätzlicher Meetingpoint dienen und den Innenstadtzirkel räumlich entlasten.

Nach zwei Jahrzehnten hat sich der Firmenlauf von einer improvisierten Werbeaktion zu einer festen Institution im Chemnitzer Festkalender entwickelt, die Wirtschaft und Stadtgesellschaft einmal im Jahr sichtbar zusammenbringt.

Weitere Infos zum Firmenlauf gibt es auf der Homepage. Hier ein Link für weitere Infos.

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