Von der grauen Maus zur Kulturhauptstadt - Rückblick auf 35 Jahre Chemnitzer Geschichte

BLICK feiert 35 Jahre Printausgabe - im Zuge unseres Jubiläums schauen wir zurück, was sich in den letzten 35 Jahren in der Region getan hat

Chemnitz

Unsere Printausgabe feiert in dieser Woche ihr 35. Jubiläum, was der perfekte Anlass ist, um einmal zurückzuschauen, was sich in den letzten 35 Jahren in unserer Region Südwest-Sachsen getan hat.

Eine Stadt verändert ihr Gesicht

35 Jahre - eine Zeitspanne, die manchmal wie ein kurzer Moment erscheint, manchmal wie eine kleine Ewigkeit. Mehr zum letzteren tendiert man, wenn man sich die enormen Veränderungen im Stadtbild von Chemnitz vor Augen führt, die seit Anfang der 1990er-Jahre vonstatten gegangen sind.

In 90ern werden Grundlagen für einen bis dahin ungeahnten Bauboom gelegt

Aus den weiten Freiflächen und dem mehr oder weniger Einheitsgrau, die bis zur Wende nicht nur das Bild der Innenstadt prägten, ist ein vitales Stadtzentrum geworden mit vielfältigen Angeboten an Handel und Gewerbe, Freizeit und Kultur. In den 1990er-Jahren wurden auch in Chemnitz die Grundlagen für einen bis dahin ungeahnten Bauboom gelegt, der das Gesicht der Stadt nachhaltig bis heute veränderte.

Nachfolgend einige der prägenden Bauvorhaben, die die ganze Stadt und das Stadtzentrum heute prägen:

  • 1992: Wiedereröffnung des Opernhauses nach vierjähriger Rekonstruktion. Inbetriebnahme der ersten kommunal betriebenen Tiefgarage in den neuen Bundesländern unter dem Theaterplatz. Teileröffnung des größten sächsischen Einkaufsmarktes, des "Chemnitz Centers" Röhrsdorf.
  • 1994 Eröffnung des Einkaufszentrums Neefe-Park.
  • 1996: Grundlegender Beschluss des Stadtrates zur Bebauung der Innenstadt.
  • 1998: Offizieller Baubeginn für das innerstädtische Galerie-Projekt. Einweihung des Sparkassengebäudes Moritzhof.
  • 2000: Eröffnung des Einkaufszentrum Galerie Roter Turm.
  • 2001; Eröffnung der Galeria Kaufhof
  • 2002: Inbetriebnahme eines neuen Figürlichen Glockenspiels im Turm des Alten Rathauses.
  • 2003: Einweihung des 1. Abschnittes der Rathauspassage und des Kaufhauses Peek & Cloppenburg.
  • 2004: Übergabe des zweiten Abschnittes der Rathauspassage.

2018 rückt Stadt international in den Fokus

2018 musste Chemnitz ein schweres Jahr durchmachen, als ein tragischer Mord auf dem Stadtfest eine Welle auslöste, mit der niemand gerechnet hatte. Die Stadt ging weltweit durch rechtsextreme Aufmärsche vorm Karl-Marx-Kopf durch die Medien. Die Band Kraftklub versuchte das Bild mit ihrem #wirsindmehr Konzert zu kitten, was zeigen sollte, dass Chemnitz ein bunter, toleranter Ort ist.

Schwere Jahre für Chemnitz

Chemnitz hatte einige schwere Jahre zu bewältigen, wie viele andere Städte auch, da noch dazu die Pandemie erst einmal 2020 das soziale Leben runterfahren ließ. Leere Straßen, Angst und das Ungewisse, was die Zukunft bringt, lagen vor uns.

Ein Titel, der alles veränderte

Und dann begann ein Weg, von dem viele nicht gedacht hätten, dass er eines Tages wieder Licht ins graue Chemnitz bringen würde: die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Chemnitz und Kultur? Damals rümpften noch viele Menschen die Nase, als es um das Bewerbungsbuch zum Titel ging, welches auf sensationeller Radsportmanier seinen Weg nach Berlin machte.

Am 28. Oktober 2020 hieß es dann Zittern vor den Bildschirmen. Mitten in der Pandemie wurde online verkündet, wer die neue Kulturhauptstadt im Jahr 2025 werden würde. In der Endauswahl standen neben Chemnitz noch Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Dresden, Zittau und Gera war in der Vorrunde bereits ausgeschieden. Und es gelang! So wurde Chemnitz die vierte deutsche Kulturhauptstadt. Zuletzt waren es Essen (2010), Weimar (1999) und Westberlin (1988).

C the Unseen

Unter dem Motto "C the Unseen" begann die aufregende Reise, die neben Fördergeldern auch hohe Kosten mit sich brachte. Insgesamt umfasste das Budget für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Kulturhauptstadtjahres 116 Millionen Euro. Davon kam nur ein geringer Teil von der EU, der als Melina-Mercouri Preis zur Eröffnung am 18. Januar 2025 in Höhe von 1,5 Millionen Euro dotiert wurde. Der Bund und Freistaat hatten jeweils eine Förderung von 25 Millionen zugesagt. Die Stadt Chemnitz hatte einem Eigenanteil von 35 Millionen Euro. 7,5 Millionen musste die Kulturhauptstadt gGmbH selbst akquirieren und weitere 22 Millionen kamen durch externe Förderprogramme.

Ein Highlight jagte 2025 das nächste

Was war das für ein Jahr? Ein Highlight jagte das nächste, auch wenn einige Events für die breite Bevölkerung mitunter schwer greifbar waren. Insgesamt hat Chemnitz mit den 38 Partnerkommunen 2025 über 2.000 Veranstaltungen und 260 Projekte durchgeführt.

Diese reichten von eigenen Theaterproduktionen wie der ausgezeichneten Oper "Rummelplatz" über Ausstellungen wie "Tales of Transformation" bis zum Garagenfestival. Auch zeigten sich die Chemnitzer sportlich beim 1. Marathon, dem Firmenlauf, dem Festival "Tanz Moderne Tanz" oder der European Peace Ride. Die Kunst durfte auch nicht zu kurz kommen, so zeigten die Kunstsammlungen "Edvard Munch. Angst", die Innenstadt wurde zur Projektionsfläche des Lichtkunstfestivals "Light Our Vision" und auch die Begehungen im Braunkohlekraftwerk oder die iBug im stillgelegten Krankenhaus zogen tausende Interessierte an.

Vor allem der Kunstskulpturenpfad durch die Kulturregion, der Purple Path, verbindet seit 2025 Chemnitz mit den Gemeinden. Musikalisch war das Kosmos-Festival eines der Highlights im Kalender, aber auch Stars wie Bryan Adams oder Sido machten Halt in der Stadt. Auch Events, die es sonst nicht in Chemnitz gibt, wie das Schokoladenfestival "Eurobean Chocolate Festival" waren neben bekannten Veranstaltungen, wie z.B. dem Hutfest, ein Highlight im Veranstaltungskalender.

Während Chemnitz 2018 noch als braun und grau wahrgenommen wurde, entfaltete die Stadt 2025 ihr wahres Gesicht: Chemnitz ist bunt, quirlig und liebenswert. Es hat mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick erkennen mag, man muss Chemnitz nur eine Chance geben. Deshalb wurde das Kulturhauptstadtmotto zum Mantra für immer: C the Unseen.

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