Von Lebenserfahrung profitieren

Senior Experten Ruheständler unterstützen ehrenamtlich Azubis

Nach dem Eintritt ins Rentenalter alle Fünfe gerade sein lassen - das ist nicht im Sinne der Senior Experten, die bundesweit ihre Erfahrungen ehrenamtlich weitergeben. Im Projekt VerA - Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen - der Senior Expert Service Bonn (SES) profitieren seit zwei Jahren vor allem Azubis von der langjährigen Berufserfahrung der Senioren. "Es geht jedoch in den seltensten Fällen um die Weitergabe von fachlichen Kenntnissen. Vielmehr stehen wir den Jugendlichen bei sozialen und persönlichen Defiziten zur Seite", sagt Wieland Zeidler, einer von derzeit mehr als 20 Senior Experten im Kammerbezirk Chemnitz. "Ich fühlte mich geistig und körperlich fit und wollte meine Freizeit in eine sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeit investieren", erzählt der 67-Jährige. So begleitete Wieland Zeidler bislang zwei Jugendliche auf ihrem Weg durch den Ausbildungsalltag. Die Regelmäßigkeit der Treffen sei beiden Parteien selbst überlassen. Zeidler: "Ich habe zum Beispiel einen Lehrling mit extremer Prüfungsangst begleitet. Einmal pro Woche konnte ich ihm als Außenstehender ein paar nützliche Tipps mitgeben und ihn bei der Prüfungsvorbereitung zur Seite stehen." Der Blick von Außen spiele eine entscheidende Rolle: "Dadurch konnte ich die Situation objektiv einschätzen ohne Druck aufzubauen. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, habe ich mich auch mit dem Umfeld wie der überbetrieblichen Bildungseinrichtung ausgetauscht. So war es möglich, eine Brücke zu bauen und gegebenenfalls auch zu vermitteln." Psychisches Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand seien dabei mehr Wert als ein "pädagogischer Rucksack", sagt Stephan Ittner. Der Regionalkoordinator der Initiative VerA organisiert regelmäßig Einstiegsseminare, um Interessierte an die ehrenamtliche Tätigkeit heranzuführen. "Angesichts der Abbrecherquote von 25 Prozent sehen wir noch jede Menge Potenzial für künftige Senior Experten."