Warum für einen zweifachen Europameister aus Chemnitz die Tour de France kein Ziel ist

Radsportler vom Bundesstützpunkt überzeugen bei Heim-EM

Chemnitz

Die Nachwuchs-Radsportler vom Bundesstützpunkt Chemnitz hätten bei ihrer Rückreise von der Bahn-Europameisterschaft durchaus einen Werttransporter mieten können. Denn die Aktiven vom Trainerteam um Ralph Müller schürften auf der Radrennbahn in Cottbus reichlich Edelmetall.

Dieses erfolgreiche Auftreten führte zu positiven Konsequenzen. Denn Leonidas Rekowski (RSV Chemnitz), Matyas Malina (Dresdner SC), Mira Rosinski (Chemnitzer PSV) sowie die U 23-Aktive Anastasia „Tasse“ Kuniß (RSV Speiche Leipzig) wurden vom Bundestrainer für die Weltmeisterschaft nominiert, die im August in Belgien stattfindet.

Titel nach verpatztem Start

Während Mira Rosinski Gold im Teamsprint holte, stand Anastasia Kuniß im 1000 Meter Zeitfahren auf dem Podest ganz oben. Zudem holte sie im Teamsprint Silber.

Matyas Malina wurde Vizejunioreneuropameister im Keirin und erkämpfte sich gemeinsam mit Til Krüger (RSC Cottbus) und Leonidas Rekowski vom RSV Chemnitz den Titel im Teamsprint, wobei Malina den Start verpatzte.

Doch seine Mannschaftskollegen holten in einem regelrechten Krimi gegen England die Kohlen aus dem Feuer. Im Gegensatz zu den Kontrahenten hatte das deutsche Team den Wettbewerb ohne Ersatzmann bestritten.

Erfolgreiche Titelverteidigung

Leonidas Rekowski schaffte es darüber hinaus, sich gegen 25 Konkurrenten durchzusetzen und seinen Titel im 1000 Meter Zeitfahren zu verteidigen. „Es ist ein unfassbares Gefühl, in der Heimat zweimal Gold geholt zu haben“, sagt der 18-Jährige.

Fast wäre noch eine Medaille dazu gekommen. Im Sprint schaffte Rekowski den Einzug ins kleine Finale, musste sich dort aber mit dem 4. Platz begnügen.

Nach den erfolgreichen kontinentalen Titelkämpfen fahre er nun optimistisch zur Weltmeisterschaft. „Dort möchte ich persönliche Bestleistungen aufstellen und möglichst eine Einzelmedaille erkämpfen“, blickt der 1,81 Meter große und 75 Kilogramm schwere Pedaleur zuversichtlich nach vorn.

Die „Tour“ ist kein Ziel

Trotz seiner Erfolge habe er nicht den Traum, später einmal bei der Tour de France an den Start zu gehen. „ich bleibe lieber auf meinen Holz- und Betonbahnen. Beim Sprint fühle ich mich wohl. Auf der Straße fehlt mir die Ausdauer“, lächelt der Athlet, der in seiner Freizeit gern zeichnet.

Der Schüler, der seit 2018 im Sattel sitzt, nennt die beiden niederländischen Bahnradsportler Harrie Lavreysen und Jeffrey Hoogland als sportliche Vorbilder.

Rekowski ist es sicherlich zuzutrauen, nach dem leider schon verstorbenen Michael Hübner sowie Jens Fiedler und Stefan Bötticher in der Chemnitzer Radsporttradition ein neues Kapitel zu schreiben.

Auf jeden Fall haben die Aktiven vom Bundestützpunkt Chemnitz es jetzt geschafft, die Medaillen- und Titelsammlung im Büro der Radrennbahn im Sportforum deutlich zu erweitern.

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