Warum gibt es den Chemnitzer Friedenstag?

Gedenken Zeichen für Demokratie und gegen den Rechtsextremismus

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So sah es am Karl-Marx-Monument zum Friedenstag 2017 aus. Foto: Steffi Hofmann/Archiv

Der Jahrestag der Bombardierung der Stadt Chemnitz (5. März 1945) wurde im Jahr 2002 von den Bürgerinnen und Bürgern zum Friedenstag ausgerufen. Schon zum 17. Mal wird an diesem Tag der Opfer der Zerstörung und des Krieges gedacht und ein Zeichen für Demokratie und gegen Hass und Rechtsextremismus gesetzt.

Zu den Hintergründen

Die Stadt Chemnitz war, ausgehend von der letzten Volkszählung im 17. Mai 1939, auf Rang 20 der größten Städte des damaligen "Großdeutschen Reiches". Als "Sächsisches Manchester" wurde sie bezeichnet - ein Industriezentrum, das vor allem im Bereich des Maschinen- und Fahrzeugbaus unter anderem internationale Aufmerksamkeit erregte. Die Stadt mit ihren zahlreichen Fabriken und Gießereien und demnach dicht besiedelten Arbeitergebieten wurde bereits im Jahr 1941 als ein strategisches Ziel für schwere Luftangriffe vorgesehen.

Zahlreiche dieser Bombardierungen musste Chemnitz durch die 8. US-Luftflotte und dem Bomber Command der britischen RAF ertragen. Insgesamt sind nach Schätzungen etwa 3600 bis 4000 Menschen ums Leben gekommen. Allein über 2100 Opfer gab es durch den schwersten Angriff in der Nacht vom 5. auf den 6. März 1945. Die Stadt, die durch sogenannte "Christbäume" gut ausgeleuchtet wurde, versank durch den Abwurf von 413 Luftminen, 859 Tonnen Brandbomben und 1.112 Tonnen Sprengbomben im Flammenmeer. 80 Prozent der Innenstadt wurden damals zerstört.

Frieden und Toleranz

Auch heute noch kann man Spuren der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sehen - so beispielsweise in der Turnstraße, an der künftig eine Infomationsstele an das Schicksal der Kinder im Krieg erinnern soll. Doch um dem rechten Gedankengut und den Folgen entgegenzuwirken, wird weit mehr getan. Der Friedenstag steht für Toleranz, Weltoffenheit und für ein friedliches Miteinander. Das breit aufgestellte Veranstaltungsprogramm steht im Zeichen der Erinnerung und Besinnung. Neben der Verleihung des Friedenspreises werden Lesungen und Vorträge gehalten und Podiumsgespräche geführt, Konzerte gegeben - auch ein Rundgang zu den Tatorten nationalsozialistischer Verbrechen in Chemnitz ist geplant.

Denn in Zeiten, in denen das rechte Gedankengut wieder an Stärke gewinnt, findet der erstmalige Aufruf vom 16. Januar 2002 noch immer passende Worte: "Wir halten die Zeit für gekommen, diesem Gedenktag einen Charakter zu verleihen, der das Abgleiten in inhaltslose Rituale verhindert und an dem zukünftig friedensstiftende kulturelle und politische Impulse für die Stadt und von der Stadt ausgehen werden... Lassen Sie uns aus dem 5. März einen Chemnitzer Friedenstag machen!"

Mehr zum Chemnitzer Friedenstag finden Sie in der Übersicht. (cf2018)