Weitere 23 Stolpersteine erinnern in Chemnitz an NS-Opfer

Gedenken Neue Stolpersteine am Mittwoch an elf Orten in der Stadt verlegt

Chemnitz. 

Chemnitz. Das von dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig konzipierte Projekt "Stolpersteine" ist in Chemnitz auch in diesem Jahr fortgesetzt worden. In der Stadt erinnern seit Mittwoch 23 neue Stolpersteine an elf weiteren Orten an Verfolgte und Opfer des NS-Regimes - jeweils an Orten, wo die Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger damals wohnten oder wirkten. Angehörige aus dem In- und Ausland waren bei den Verlegungen anwesend, unter anderem aus den USA und Neuseeland. Erstmals wurden auch Stolpersteine für Sinti und Roma verlegt, die ebenfalls während des Nationalsozialismus systematisch verfolgt und ermordet wurden.

Auftakt vor dem Opernhaus

Die Verlegung begann 9 Uhr vor dem Opernhaus, wo ein Gedenkstein nun an Anton Richard Tauber erinnert, der hier einst wirkte. Er war von 1912 bis 1930 Generalintendant der Vereinigten Stadttheater in Chemnitz. Vor dem ehemaligen Kaufhaus Schocken erinnern vier Stolpersteine an Siegfried und Dina Strauß sowie ihre Kinder Ruth Betti und Walter: Siegfried Strauß war von 1935 bis 1938 Direktor des Kaufhauses Schocken in Chemnitz. Er gab aufgrund der fortschreitenden "Arisierung" des Konzerns die Geschäftsleitung im Juli 1938 ab und flüchtete mit seiner Familie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Neuseeland.

Stolpersteine erinnern an zerstörte Familien

In der Zschopauer Straße 54 wurden vier Stolpersteine für Angehörige der hier einst wohnenden Familie Bulka verlegt: Rahel Bulka und ihre Kinder wurden im Mai 1942 deportiert und im Ghetto Belzyce ermordet. Henoch Bulka hatte zuvor versucht, aus Deutschland zu flüchten. Sein Schicksal ist ungeklärt. Ebenfalls im Ghetto Belzyce ermordet wurden Elsbeth Sommerfeld und ihre Tochter Gerda. Mutter und Tochter wurden im Mai 1942 deportiert und im Ghetto ermordet. Zu ihrem Gedenken wurden Stolpersteine am Gerhart-Hauptmann-Platz 13 verlegt. Weitere Stolpersteine befinden sich jetzt in der Rößlerstraße, Hoffmannstraße, Barbarossastraße, Walter-Oertel-Straße, Altendorfer Straße sowie am Rosenhag.

Mehr als 350 Gedenksteine in Chemnitz

Das Projekt "Stolpersteine" wurde vom Kölner Künstler Gunter Demnig 1993 konzipiert. Inzwischen erinnern über 43.500 der 10x10 Zentimeter kleinen Messingtafeln in mehr als 1.000 Orten in Deutschland und Europa an die NS-Opfer. In Chemnitz lassen nun mehr als 350 der Gedenksteine Menschen innehalten. Alle Informationen zum Projekt und zu neuen Standorten gibt es auf der Internetpräsenz der Stadt Chemnitz.

 

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