Weitere Demonstrationen am Montagabend in Chemnitz angekündigt

Polizei Zahlreiche Menschen in Chemnitzer Innenstadt erwartet

Eine blutige Auseinandersetzung in der Nacht zu Sonntag erschüttert die Stadt Chemnitz. Nach den Demonstrationen am Sonntagnachmittag kündigte die Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" an, am Montagabend 18.30 Uhr erneut vor dem Karl-Marx-Monument zu demonstrieren. Eine "Antirassistische Gegenkundgebung" hat sich bereits ab 17 Uhr im Stadthallenpark angekündigt. Beide Gruppen informierten über Facebook und riefen zur zahlreichen Teilnahme auf.

Aus diesen Gründen wurde das Stadtfest abgesagt:

Am Sonntagnachmittag wurde das Chemnitzer Stadtfest abgesagt. Diese Entscheidung wurde zunächst mit Pietätsgründen und Anteilnahme den Angehörigen gegenüber begründet, nachdem sich jedoch zunehmende Demonstranten ankündigten, stand auch die Sicherheit aller Besucher im Fokus.

Stadtfest-Veranstalter Sören Uhle von der Chemnitzer Wirtschaftsförderung erklärte dem MDR Sachsen: "Um keine emotionale Reaktion hervorzurufen, haben wir den naheliegenden Grund gewählt, aus Pietätsgründen und aus Anteilnahme das Stadtfest abzusagen, auch wenn der eigentliche Grund für uns natürlich eine andere Sicherheitslage war. Wir wollten erreichen, dass das Festgelände in Ruhe verlassen werden kann."

1.000 Demonstranten bereits am Sonntagnachmittag

Nach Angaben der Polizei hielten AfD und Pegida am Sonntagnachmittag eine Kundgebung mit rund 100 Teilnehmern am Tatort ab. Schätzungsweise weitere 800 Menschen nahmen dann ab 16:30 Uhr an einer Demonstration teil, zu der "Kaotic Chemnitz" auf Facebook aufgerufen hatte, um, nach eigenen Angaben, "zu zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat". Die Polizei teilte mit, dass diese Personengruppe keine Kooperationsbereitschaft gegenüber den Beamten zeigte und diese auch teilweise mit Flaschen bewarfen. Daher stießen weitere Einsatzkräfte aus Dresden und Leipzig dazu.

Die Polizei warnt vor Gerüchten

Bisher ist klar, dass es nach einem Streit in der Nacht zu Sonntag ein Todesopfer gab. Im Netz hieß es zudem, eine Frau sei belästigt wurden und die drei Männer wären ihr zu Hilfe geeilt. Diese Darstellung weist die Polizei zurück. Bisher gebe es demnach keinerlei Anhaltspunkte, dass eine Belästigung zur Auseinandersetzung führte. Die Polizei appellierte, sich nicht an den zahlreichen Spekulationen zu beteiligen.

Auch die Behauptung, dass ein zweiter Mann in der Nacht verstorben sei, konnte die Polizei weder bestätigen noch dementieren. Man verschaffe sich derzeit einen Überblick, sagte die Sprecherin gegenüber dem ARD.

Der DGB Südwestsachsen bezieht Stellung:

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Südwestsachsen blickt mit großer Sorge auf die Vorfälle um das Stadtfest in Chemnitz. Der DGB bedauert die Gewalttaten sehr und spricht den Opfern Mitgefühl aus. Im Hinblick auf die Gewaltszenen und schweren Auseinandersetzungen der Rechtsextremen mit der Polizei am Sonntagnachmittag erklärt Ralf Hron, Geschäftsführer der DGB Region Südwestsachsen: "Die Gewalt gegen unsere Kolleginnen und Kollegen der Polizei verurteilen wir auf das Schärfste!"

Es wird zudem eine schnelle und konsequente Aufklärung der Geschehnisse durch die zuständigen Behörden gefordert: "Mit allen rechtsstaatlich zur Verfügung stehenden Mitteln muss jetzt geklärt werden, was da passiert ist, wer beteiligt war und welche Folgen das für die Täter haben muss.", so Hron. "Was uns aber große Sorge bereitet, ist, wie Populisten und die rechtsextreme Szene den Vorfall bereits für sich zu instrumentalisieren versuchen. Sie wollen Menschen gegeneinander aufhetzen und so das politische Klima vergiften", erklärt der Gewerkschafter.

Statement des Innenministers und der Polizei-Präsidentin am Montagnachmittag

Sachsens Innenminister Roland Wöller wird sich am Montag 16.30 Uhr gemeinsam mit Sonja Penzel, der Präsidentin der Polizeidirektion Chemnitz zu den Vorfälle äußern. BLICK wird Sie weiterhin informieren.