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Welche Folgen haben die RB-Besuche für den CFC?

FUSSBALL Fans kritisieren Vorgehen - SFV verweist auf Corona-Schutzverordnung.

Der Chemnitzer FC gastierte im Februar zweimal im RB-Trainingszentrum am Cottaweg, um sich mit der U19 von Erstligist RasenBallsport Leipzig zu messen. Wie BLICK auf Nachfrage vom Sächsischem Fußball-Verband (SFV) erfuhr, sind in der aktuellen Corona-Situation offizielle Testspiele mit Schiedsrichtern und Vereinstrikots im sächsischen Amateurfußball nicht erlaubt. Auch der Trainingsbetrieb ist derzeit nicht gestattet, da alle Sportanlagen geschlossen sind. Der SFV verweist hierbei auf die sächsische Corona-Schutzverordnung. Und ergänzt: Sollten geltende Regelungen missachtet werden, greifen die örtlichen Behörden mit Sanktionen ein.

Für die Männermannschaft des Chemnitzer FC und die U19 von RasenBallsport Leipzig gelten jedoch Ausnahmen: Da die CFC-Spieler Arbeitsverträge zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes besitzen und sich die RB-Junioren in einer vertieften sportlichen Ausbildung am Sportgymnasium befinden, dürfen beide Mannschaften zumindest Trainingseinheiten absolvieren. Aus der sächsischen Corona-Schutzverordnung geht leider nicht hervor, ob die Ausnahmeregelung auch für Testspiele gilt. Könnten die RB-Besuche womöglich Folgen nach sich ziehen?

CFC-Fans fordern: Weder Testspiele noch Zusammenarbeit mit RB!

Von den eigenen Anhängern gab es für das neuerliche intransparente Verhalten der himmelblauen Verantwortlichen bereits eine Quittung: Am vergangenen Sonntag hatten diese im "Sportforum" sowie vor dem "Stadion - An der Gellertstraße" mit Spruchbändern ihren Standpunkt zu den zwei Duellen kundgetan: "Die Fussballtradition wird in Leipzig zerstört, doch bei der GmbH hat man davon nichts gehört", war unter anderem zu lesen. Außerdem forderten sie, von weiteren Testspielen gegen sowie einer Zusammenarbeit mit RasenBallsport Leipzig abzusehen. Doch: Woher kommt eigentlich die himmelblaue Nähe zu den Messestädtern?

In Regionalliga-Spielzeit 2018/2019 hatten der damalige Vorstand und spätere Geschäftsführer Thomas Sobotzik sowie Insolvenzverwalter Klaus Siemon die Leipziger zu einem informativen Treffen besucht. Im Fokus der Gespräche standen die Themen Büroorganisation, Ticketing und Marketing sowie Merchandising - und das mit dem Ziel, den CFC in Zukunft professionell und kaufmännisch besser aufzustellen. Nach mehr als zwei Jahren ist von dem damaligen Input äußerst wenig zu spüren. Interessanter ist gegenwärtig die Frage, ob hinter den Testspielen mehr steckt als nur der sportliche Vergleich. Ein Blick nach Österreich könnte hierauf eine mögliche Antwort geben.

Kooperation zwischen RB Salzburg und dem FC Liefering

Liefering ist ein Stadtteil von Salzburg und der der FC bildet seit einigen Jahren die jungen Fußballer für Red Bull Salzburg aus. Dabei werden die Nachwuchskicker mit jenem Spielsystem vertraut gemacht, welches an allen Fußballstandorten von Red Bull gespielt wird. Der FC Liefering gilt aus diesem Grund als "Farmteam" von RB. Ein prominentes Beispiel, der diesen Weg erfolgreich durchlief, ist Dayot Upamecano. Der französische Nationalspieler durfte während einer Saison dabei sowohl für Liefering in der 2. Liga als auch für Salzburg in der Bundesliga auflaufen. Ermöglicht wird das Vorgehen durch die Kooperationsspieler-Regelung des Österreichischen Fußball-Verbandes (ÖFB).

Der Zweitligist aus Liefering bleibt seit der Kooperation zwar weiterhin ein eigenständiger Verein, allerdings unterliegt er der Kontrolle der Red Bull GmbH. Dementsprechend wurden Vereinswappen und Trikot nach RB-Vorstellungen geändert. Das Beispiel aus dem österreichischen Fußball zeigt, welche Absichten ein von der Red Bull GmbH geführter Verein haben kann. Doch sind solche Kooperation in Deutschland überhaupt umsetzbar?

RasenBallsport Leipzig und der SC Paderborn: Das Nein-Wort

Vor der Saison 2019/2020 kam es zu einer Annäherung zwischen RasenBallsport Leipzig und dem SC Paderborn. Eine Zusammenarbeit war angedacht, kam aber letztlich "aufgrund unterschiedlicher Ansichten" schließlich doch nicht zustande. Beide Teams spielten zu diesem Zeitpunkt gemeinsam in der 1. Bundesliga, weshalb von anderen Vereinen der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung geäußert wurde. Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer der ausgegliederten RB Leipzig GmbH, begründete die Idee folgendermaßen: "Die Kooperation ist rein sportlicher und inhaltlicher Natur, im Sinne eines Austausches von Expertise, vor allem im Bereich Spieler- und Traineraus- und Fortbildung." Steffen Baumgart, Trainer des SC Paderborn, positionierte sich deutlich: "Wir werden keine Zweigstelle, kein Ableger oder Filiale von RB Leipzig. Wir bleiben eigenständig und behalten unsere Identität." Die aktive Fanszene des SC Paderborn drohte derweil mit einem Boykott: "Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB-Leipzig-Kooperation." Durch das Nein-Wort blieb dem 1985 gegründeten SC Paderborn der Boykott seiner Anhänger erspart.



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