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Wenn Fußball zur Nebensache verkommt

Fussball Beim Chemnitzer FC will einfach keine Ruhe einkehren

Chemnitz. 

Chemnitz. Der Chemnitzer FC feiert nach dem klaren 4:0-Heimsieg gegen den FC Oberlausitz-Neugersdorf frühzeitig die souveräne Herbstmeisterschaft in der Regionalliga-Nordost. Mit dem 14. Sieg im 14. Spiel wurde zudem ein neuer Liga-Rekord aufgestellt. Weiterhin sorgt ein 13-Punkte-Vorsprung auf den Zweitplatzierten Berliner AK für himmelblaue Hochgefühle. Während es also auf dem Spielfeld optimal läuft, knistert es hinter den Kulissen unentwegt. So sorgte am gestrigen Montag die Medieninformation "Insolvenzverwalter stellt keine Forderungen, sondern unterbreitet Lösungsvorschläge!" von Insolvenzverwalter Klaus Siemon für Aufsehen. In dieser kritisierte er unter anderem Medienvertreter und Fans; zudem bezog er Stellung hinsichtlich seines 19 Seiten umfassenden Schreibens, welches er einem Großteil der Stadträte der Stadt Chemnitz am 18. Oktober zukommen ließ: "Der Insolvenzverwalter hat die Aufgabe aufzuzeigen, was hierzu an Unterstützung durch die Stadt, die Sponsoren, die Mitglieder und die Fans benötigt wird."

Presse in der Kritik

In Windeseile entlud sich eine öffentliche Debatte, verursacht, so Siemon, von Sportjournalisten der "Freien Presse" und "TAG 24", die für eine "nicht ausreichend sachorientierte Stimmungsmache" sorgten. Diese negative und polemische Berichterstattung würde dem CFC auf dem Weg zur erfolgreichen Sanierung maximalen Schaden zufügen. Er verwies noch einmal explizit auf die nach wie vor prekäre Lage des Vereins sowie die Lösung dieser mittels Gründung einer GmbH. In diesem Atemzug verwies er ausdrücklich auf das Verhalten von CFC-Präsident Andreas Georgi und Roland Warner, Vorsitzende der Geschäftsführung von "eins energie", zur Gläubigerversammlung.

So wirft er beiden vor, mit der Ablehnung des vorgestellten Sanierungsauftrags die sofortige Einstellung des Spielbetriebs bewusst in Kauf genommen zu haben, was aber die Mehrheit der Gläubiger glücklicherweise zu verhindern wusste. Diesbezüglich sei angemerkt, dass Warner die Zustimmung verweigerte, weil dem Konzept der erforderliche Reifegrad fehlte. Georgi wiederum stellte sich mit der Ablehnung keineswegs gegen die Sanierung des Vereins, sondern vielmehr kämpfte er für die Wahl eines neuen Insolvenzverwalters - und damit für mehr Ehrlichkeit, Transparenz und Demokratie.

Wer schließt eigentlich die Etatlücke?

Ebenso hart geht der Insolvenzverwalter mit der Stadt Chemnitz ins Gericht. So fordert er die Neuordnung des Verhältnisses zum CFC - und damit verbunden eine finanzielle Unterstützung zur Deckung der Etatlücke in Höhe von 493.000 Euro. Für die laufende Saison kokettiert er mit einer Finanzspritze von 750.000 Euro aus dem Stadtrat, im Falle eines Aufstiegs in die 3. Liga sogar mit 1,25 Millionen Euro. Als Argumente führt er für diesen seinen Lösungsvorschlag unter anderen den "brach liegende Stadionname und dessen Werbewert" an.

Parteiübergreifend hat sich der Stadtrat bereits positioniert und in der gegenwärtigen Situation "weiteren Forderungen oder Verpflichtungen" eine Absage erteilt. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) betonte: "Die Verwaltungsspitze wird keine Beschlussvorlage in den Stadtrat einbringen, die auf Forderungen des Insolvenzverwalters eingeht." Dessen ungeachtet wurde aber Gesprächsbereitschaft signalisiert, um sich konstruktiv über alternative Lösungswege auszutauschen. Klaus Siemon will dieses "Angebot der Fraktionen annehmen und sehr gerne vertrauliche Gespräche führen".

"Fanszene Chemnitz e.V." korrigiert Insolvenzverwalter

Nach der Gläubigerversammlungen wurde zum Heimspiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig ein Stimmungsboykott von Seiten der Fans durchgeführt, der - nach Ansicht des Insolvenzverwalters - vom Vorstand des "Fanszene Chemnitz e.V." initiiert und organisiert worden sei. Dieser stellt aber wenige Stunden nach der Medieninformation von Siemon in einem Facebook-Post klar, dass die Gruppierung "Ultras Chemnitz ´99" diese Entscheidung für sich vorübergehend getroffen hat.

Zum Heimspiel gegen den FC Oberlausitz-Neugersdorf kehrte in die Kurve lautstarke Stimmung wieder zurück. Zudem der Hinweis, dass man nach wie vor die weitere Entwicklung des Chemnitzer FC kritisch verfolgen wird. Dem Ende des einmonatigen Boykotts waren zum einen ein Fanclub-Abend sowie zum anderen eine Gesprächsrunde zwischen Fanvertretern und Thomas Sobotzik, Vorstand Finanzen und Sport, sowie CFC-Vorstand Thomas Uhlig vorausgegangen. Nach dem neuerlichen Schreiben von Klaus Siemon scheint diese zaghafte Annäherung jedoch schon wieder obsolet.

Unabhängig davon scheint der Insolvenzverwalter felsenfest davon überzeugt zu sein, "dass die ganz überwiegende, "schweigende" Mehrheit (...) den eingeschlagenen Weg und Sanierungskurs unterstützt" - und dieser wird solange fortgesetzt, bis der Sanierungsauftrag erfüllt ist. Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt, ist: Wer ist die schweigende Mehrheit?



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