Wer einmal lügt...

Wort zum Sonntag von Christhard Rüdiger

... dem glaubt man nicht. Und Lügen haben kurze Beine, so hieß es eigentlich immer. Indes: Unser Gedächtnis ist kurz geworden. Wer gestern noch gelogen hat, ist heute wieder vorn dabei. Und die kurzen Beine erweisen sich allenthalben nicht als Nachteil für diejenigen, die regelmäßig die regelwidrige Abkürzung nehmen. Man kann das Schwindeln auch einfach Manipulieren nennen, und das machen doch nun - mehr oder weniger - alle. Also wird getrickst, getäuscht und gehofft, dass sich die Stunde der Wahrheit, wenn überhaupt, erst in ferner Zukunft einstellt. Aber wie sagte es ein renommierter ehemaliger US-Geheimdienstler in einem Interview: "Irgendwann kommt alles raus." Und meinte damit nicht das Jüngste Gericht, sondern die Tatsache, dass auch Geheimnisse ihre Halbwertzeit haben. Manchmal reicht ein Zufall als Auslöser. Und seien wir mal ehrlich: Wer nicht lügen muss, ist doch klar im Vorteil. Eine Lüge erzwingt ja immer schon die nächste. Die Aufrechterhaltung einer nicht den überprüfbaren Tatsachen entsprechenden Story ist ziemlich anstrengend und wird manchmal auch richtig teuer. Sie erfordert einen ständigen Kontrollaufwand. Wer lügt, muss sich zum Beispiel merken, wem er was erzählt hat. Da ist es viel einfacher, das zu erzählen, was man für die Wahrheit hält. Das geht nicht immer, aber es geht. Christhard Rüdiger

Superintendent