Wichtiger Zeitzeuge: Skulptur soll an Holocaust-Überlebenden erinnern

Unterstützung Hilfe vom Freistaat bei Errichtung zur Erinnerung an Justin Sonder

Chemnitz. 

Chemnitz. Er war einer der letzten Überlebenden des Holocaust und ein wichtiger Zeitzeuge: Wie kaum ein anderer hielt Justin Sonder unermüdlich die Erinnerung an die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes wach. In mehr als 500 Veranstaltungen mit tausenden Schülerinnen und Schülern berichtete er von den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte - auch im hohen Alter von über 90 Jahren. Zur Erinnerung an den 2020 verstorbenen Chemnitzer Ehrenbürger unterstützt der Freistaat Sachsen nun die Errichtung einer Skulptur mit rund 26.400 Euro.

Auf der Bank im gedanklichen Dialog

Vorgesehen ist die Errichtung einer Skulptur in Form einer Bank, auf der eine lebensgroße Plastik von Justin Sonder "sitzt". Ganz bewusst soll Sonder nicht auf einen Sockel gestellt, sondern sitzend und den Menschen zugewandt gezeigt werden. Damit wird Bezug auf sein Wirken genommen, insbesondere die zahlreichen Dialogveranstaltungen, an denen er mitgewirkt hat. Aufgestellt werden soll die Bank gegenüber der ehemaligen Jüdischen Grundschule Chemnitz, die Justin Sonder selbst besucht hat. Heute wird sie wieder als Rosa-Luxemburg-Grundschule am Brühl genutzt. Die Skulptur mit Bank soll dazu einladen, sich zu Justin Sonder zu setzen, mit ihm gedanklich in einen Dialog zu treten und sich mit der Botschaft der Überlebenden der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager und ihrem Engagement gegen neuen Hass und Antisemitismus zu beschäftigen.

"Wichtig und wegweisend"

Träger des Projekts ist der Internationale Auschwitz Komitee e. V. mit Sitz in Berlin, welcher Justin Sonder für seine Verdienste als Zeitzeuge 2008 mit der Ehrenmedaille des Auschwitz Komitees ausgezeichnet hat. "Der Chemnitzer Ehrenbürger Justin Sonder hat Auschwitz überlebt. Bis zu seinem Tod Ende 2020 war er als unermüdlicher Zeitzeuge unterwegs, der sogar mit über 90 Jahren noch in die Klassenzimmer ging und von seinen Erinnerungen berichtet hat", sagt Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch. "In Chemnitz soll ihm nun ein Denkmal gesetzt werden, welches genau an diese Eigenschaft anknüpfen wird. Dieser erinnerungspolitische Impuls - initiiert vom Auschwitz-Komitee - ist wichtig und wegweisend, insbesondere auch im Hinblick auf den politischen Diskurs im Kulturhauptstadtjahr. Zugleich wird das Projekt auf das 'Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026' hinführen, das wir derzeit gemeinsam mit dem Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz vorbereiten."

Zwei Jahre Auschwitz überlebt

Justin Sonder wurde am 18. Oktober 1925 in Chemnitz geboren. Bereits in seiner Kindheit war er mit wachsendem Antisemitismus konfrontiert, erlebte in Chemnitz die Pogromnacht am 9. November 1938. Später erlernte der en Beruf des Kochs und musste von Herbst 1941 bis Februar 1943 Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb in Chemnitz leisten. Am 27. Februar 1943 wurde Justin Sonder verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort überlebte er Hunger, Schläge, Zwangsarbeit und insgesamt 17 Selektionen. In mehreren Todesmärschen gelangte Justin Sonder schließlich im April 1945 ins fränkische Wetterfeld, wo er durch die amerikanische Armee befreit wurde. Im Alter von 90 Jahren reiste Justin Sonder 2016 nach Detmold, um in einem Auschwitz-Prozess als Nebenkläger gegen einen ehemaligen Wachmann des Vernichtungslagers auszusagen. Im Jahr 2008 erhielt Justin Sonder den Ehrenpreis des Chemnitzer Friedenspreises, 2015 wurde ihm die Ehrenmedaille des Internationalen Auschwitz-Komitees verliehen und seit 2017 war er Chemnitzer Ehrenbürger.

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