Wie ein Eisenbahnfreund ein Stück Geschichte nach Chemnitz holen möchte

Seit 25 Jahren kämpft Eisenbahnliebhaber Axel Krahn für den historischen „Vindobona“ – jetzt soll er nach Sachsen heimkehren.

Chemnitz, Bayern

Es gibt Telefonate, die man nicht so schnell vergisst. Als Axel Krahn bei der Redaktion von BLICK.de anrief, war sofort zu hören, wie viel ihm dieser Zug bedeutet. Keine großen Worte, nichts gespielt – sondern ehrliche Begeisterung und echte Sorge.

Schnell wurde klar: Hier kämpft jemand nicht einfach für einen alten Zug. Hier geht es um Erinnerung, Geschichte und darum, etwas zu bewahren, das sonst für immer verloren gehen könnte.

„Der Zug muss nach Hause“, sagte er.

Gemeint ist der historische Schnelltriebwagen „Vindobona“. Früher war er täglich zwischen Berlin, Sachsen und Wien unterwegs. In den 1930er Jahren galt der Zug als besonders modern und schnell.

1936 stellte er sogar einen Weltrekord für Dieseltriebwagen auf – eine technische Leistung, die bis heute bekannt ist. Benannt nach dem lateinischen Namen Wiens, galt er besonders während des Kalten Krieges als wichtige Verbindung zwischen Ost- und Mitteleuropa und wurde über Jahrzehnte zu einer echten Bahn-Ikone.

Laut Axel Krahn existiert heute nur noch dieser eine Triebwagen seiner Art.

Seit 25 Jahren mit dem Zug verbunden

Für Axel Krahn ist der „Vindobona“ längst Teil seines Lebens geworden. Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich in dem Verein, der den historischen Zug restaurierte. 17 Jahre davon war er sogar im Vorstand tätig.

Zum Projekt kam er im Jahr 2000. Damals hatte der Gründer des Vereins den historischen Zug gekauft. Die Geschichte und die Technik faszinierten Axel Krahn sofort. „Da bin ich einfach dabeigeblieben“, sagt er.

Für ihn ist der „Vindobona“ nicht irgendein alter Zug. Er nennt ihn den „Urahn jedes ICE“. Denn schon damals stand der Triebwagen für Schnelligkeit, Komfort und modernes Reisen – lange bevor Hochgeschwindigkeitszüge zum Alltag wurden.

Wochenlang im Zug gelebt

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Momente, als er selbst mit dem historischen Zug unterwegs war. Zu Ausstellungen reiste er mit dem Fahrzeug quer durchs Land. Teilweise lebte er wochenlang im Zug.

Man merkt schnell: Für Axel Krahn ist der „Vindobona“ kein Museumsstück aus Metall. Mit dem Zug verbinden sich Erlebnisse, Erinnerungen und viele Jahre ehrenamtlicher Arbeit.

Der Zug sollte verschrottet werden

Dass der Triebwagen heute überhaupt noch existiert, war zwischenzeitlich alles andere als sicher.

Der frühere Besitzer des Zuges verstarb. Danach dachten die Erben offenbar sogar über eine Verschrottung nach. Für Axel Krahn kam das nicht infrage.

Gemeinsam mit einem Freund kaufte er den historischen Triebwagen – nur um ihn zu retten.

„Ich konnte nicht zulassen, dass dieser Zug verschrottet wird“, erklärt er.

Anschließend wurde eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet, die sich um den Erhalt des Fahrzeugs kümmert. Gleichzeitig entstand die Chance, dem Zug in Chemnitz-Hilbersdorf eine dauerhafte Heimat zu geben.

Hoffnung auf ein neues Zuhause in Chemnitz

Im Museum in Chemnitz-Hilbersdorf wartet bereits ein Platz auf den historischen Triebwagen. Dort könnte er künftig öffentlich gezeigt werden und Besucher an ein wichtiges Stück deutscher Eisenbahn- und Industriegeschichte erinnern.

Für Axel Krahn passt das genau. Nach dem Krieg war der Zug in Sachsen unterwegs – und dorthin soll er jetzt zurückkehren.

Doch noch steht der „Vindobona“ in einer Werkstatt in Bayern. Dort soll er fahrfähig gemacht werden. Dafür fehlen allerdings wichtige finanzielle Mittel. Benötigt werden die Spenden unter anderem für Arbeiten am Fahrwerk, technische Instandsetzungen und die Überführung zurück nach Chemnitz.

Wenn das Geld zusammenkommt, könnte der Zug endlich der Öffentlichkeit gezeigt werden.

„Der Zug muss nach Hause“

Deshalb hat Axel Krahn den Spendenaufruf gestartet. Nicht für sich selbst. Sondern für ein einzigartiges Stück Geschichte.

Die Hoffnung: Dass der letzte Triebwagen seiner Art nicht in Bayern verschwindet, sondern künftig in Sachsen wieder sichtbar wird – für Eisenbahnfans, Familien und kommende Generationen.

Der Spendenaufruf läuft über GoFundMe: https://www.gofundme.com/f/der-zug-will-nach-hause. (Diese sind zudem steuerlich absetzbar und können in den meisten Fällen bei der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.)

Vielleicht bewegt die Geschichte deshalb so viele Menschen, weil hinter dem Projekt jemand steht, der seit Jahrzehnten dafür kämpft. Einer, der in diesem Zug nicht nur Stahl und Technik sieht, sondern Erinnerungen, Leidenschaft und ein Stück Vergangenheit, das nicht verloren gehen darf.

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