Wie sieht der Alltag in Blindenschulen aus?

Soziales Vielfältiges Programm beim Tag der offenen Tür

Was ist das für ein Gefühl, wenn man nur zwei Prozent Sehstärke hat? Wie tippt es sich auf einer Braille-Schreibmaschine? Und wie führt man einen Blindenstock richtig? Diese und viele weitere Fragen wurden am Wochenende beim Tag der offenen Tür in der Landesblindenschule an der Flemmingstraße beantwortet.

Mittels einer speziellen Simulationsbrille konnten Besucher beispielsweise nachempfinden, wie sich ein Mensch fühlt, der nur zwei Prozent von allem sieht - nämlich so gut wie nichts. "Das ist gut, um sich in Blinde hineinversetzen zu können", sagte Mathias Zill, eine pädagogische Fachkraft, die beim Tag der offenen Tür Fragen der Besucher beantwortete. Geführte Rundgänge, eine Präsentation der Lehr- und Lernmittel, Hilfsmittelausstellungen und Vorträge für Eltern und Gäste rundeten das Programm ab.

"Uns ist eine Verknüpfung von Leben und Lernen wichtig"

Gleich am Morgen ließ sich Kultusminister Christian Piwarz durch die Häuser führen. An seiner Seite: der 15-jährige Jonas Thiemann, der durch ein Glaukom eine Sehstörung hat. Er zeigte dem Minister unter anderem die digitalen und multifunktionalen Tafeln im Klassenzimmer. "Uns ist eine Verknüpfung von Leben und Lernen wichtig. Wir wollen, dass die Schüler ihren Fähigkeiten entsprechend möglichst selbstständig sein können", erläuterte Schulleiter Michael Theiss.

An der Schule werden aktuell 148 Schüler in 29 Klassen von 57 Lehrern unterrichtet. Die Sächsische Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Förderzentrum Chemnitz und das Landeszentrum zur Betreuung Blinder und Sehbehinderter befinden sich seit 1994 in Trägerschaft des Freistaates Sachsen. An dem Standort werden blinde, sehbehinderte mehrfach- bzw. schwerstmehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche vom Kleinstkindalter bis zum Ende der Schulausbildung beschult und betreut.