• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Wiederentdeckt: die Vielseitigkeit des Naturproduktes Hanf

Bei der Pflanze Hanf denken die meisten Menschen zunächst nur an dessen berauschende Wirkung.

Dabei ist Hanf jedoch eine Nutzpflanze und wird seit mehreren tausend Jahren für unterschiedlichste Zwecke verwendet. Inzwischen ist um Hanf ein regelrechter Hype entstanden.

Bei der Nutzpflanze mit dem bekannten lateinischen Namen "Cannabis" gibt es über tausend Sorten, die alle unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Davon ausgehend wird Hanf beziehungsweise nahezu alle seine Bestandteile - Stängel, Blätter, Blüten, Samen - als eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt seit jeher für unterschiedlichste Zwecke verwendet.

So wurde und wird er vor allem in der Textilindustrie benutzt, da seine Fasern extrem robust sind und sich damit insbesondere für Arbeitskleidung eignen. Mit der wachsenden Bedeutung der Baumwolle als Textilgrundlage verlor der Hanf zu Ende des 19. Jahrhunderts zwar seine Hauptrolle in der Bekleidungsindustrie - heute kommt ihm jedoch vor allem wegen seiner hohen Strapazierfähigkeit und der guten Verträglichkeit auf der menschlichen Haut wieder eine zunehmende Bedeutung zu.

Darüber hinaus werden die Fasern des Hanfstängels für Seile, aber auch in der Papierindustrie verwendet. So wird aus den Hanffasern Zellulose als wichtigstem Rohstoff der Papierherstellung gewonnen, wobei nur wenige Holzsorten - darunter Fichte und Buche - eine ähnlich hohe Dichte an Zellulosefasern aufweisen. Der Vorteil von Papier, das auf der Basis von Hanf hergestellt wurde, liegt dabei hauptsächlich in seiner hohen Reißfestigkeit. Außerdem erfährt der Hanf inzwischen auch gegenüber Holz als nachwachsender Rohstoff wieder zunehmend eine größere Bedeutung, da Hanf viel schneller als Holz wächst und mit sehr wenig Wasser auskommt.

Neben seiner Bedeutung als Rohstoff und seiner Verwendung als - zumeist illegaler - Droge hat Hanf auch in der Medizin seine ursprüngliche große Bedeutung fast schon zurückerlangt. Dabei steht CBD für Cannabidiol - ein Cannabidoid, das aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird und nicht oder nur sehr schwach psychoaktiv ist, mithin also kaum berauschend wirkt. So wird CBD in der Medizin bei verschiedenen Symptomen und Krankheitsbildern angewendet. Deswegen schießen in Deutschland CBD Shops wie Pilze aus dem Boden.

Die besondere Zellstruktur der Hanffasern wird zudem in der Bauwirtschaft geschätzt. Hier kommt er als Dämmstoff, der sehr gut gegen Kälte, Wärme und Lärm isoliert, zum Einsatz. Schließlich wird Hanf auch in der Kunststoffindustrie eingesetzt. Dabei werden immerhin 15 Prozent des gesamten Hanffasermarktes gegenwärtig in der Automobilindustrie beispielsweise für Tür- und Kofferraumauskleidungen oder Armaturenbretter verwendet.

Aufgrund der geänderten wirtschaftlichen Bedingungen und Anforderungen sowie der ständigen Entwicklung neuer Stoffe wird Hanf allmählich aus der verarbeitenden Industrie verdrängt. Auch der Ruf von Hanf als Droge hat sein Imageproblem maßgeblich befördert.

Dabei wirken die Präparate hauptsächlich krampflösend und entzündungshemmend. Es wird daher hauptsächlich bei Angstzuständen, aber auch Übelkeit und Erbrechen sowie Stress und Migräne eingesetzt. Außerdem ist Cannabidoid ein Bestandteil von bestimmten Medikamenten zur Behandlung von Multipler Sklerose und manchen Epilepsieformen. Auch sein Einsatz in der Krebstherapie wird derzeit an einigen Deutschen Uni-Kliniken erforscht - ein tatsächlicher medizinischer Nutzen von CBD konnte hier jedoch noch nicht eindeutig belegt werden.

Auch, wenn der Hanf in den vergangenen Jahrzehnten als Rohstoff allmählich verdrängt wurde und heute unter seinem schlechtem Ruf als Einstiegsdroge leidet, sollte seine Vielfältigkeit nicht unterschätzt werden. Vor allem die günstigen Eigenschaften der Hanffasern sind denen synthetischer Stoffe regelmäßig noch immer überlegen.