Wiedersehen mit dem Rührgerät

Aktion Chemnitzer Künstler bearbeiten DDR-Design auf dem Neumarkt

Es sind in diesem Jahr 25 Jahre geworden, die die deutsche Wiedervereinigung nun schon auf dem Zähler hat. Dass sich in dieser Zeit in der Stadt Chemnitz vieles verändert hat, zeigte die Ausstellung "Eine Stadt im Wandel" in den vergangenen Wochen mit 30 Schautafeln auf dem Neumarkt. Dort wurden historische und aktuelle Fotos gegenübergestellt und machten deutlich: Hier tut sich was. Wie es hingegen hinter den Fassaden ausschaut, das wollte eine Kunstaktion am Freitag ergründen. Zum Abschluss der Schau auf dem Markt (sie zieht nun auf den Tietz-Vorplatz) initiierte die Stadtverwaltung die Aktion "25 Jahre - 25 Dinge", bei der sich vier Chemnitzer bildende Künstler mit Alltagsgegenständen aus der Vorwendezeit auseinandersetzten. Marcel Kabisch, Rose-Marie Güttler, Uwe Mühlberg und Guido Günther hatten dabei unter anderem Gießkännchen, Brotschneidemaschine oder Klammerkorb im typischen DDR-Design auf dem Tisch. Die Gegenstände inspirierten Drucke, Buttons oder Jutebeutel, welche sich Passanten mit nach Hause nehmen konnten. Der Maler Uwe Mühlberg zeigte sich begeistert von derart demokratisierter Kunst und auch vom Design der Objekte. Der Gedanke dahinter sei damals ja ein ganz anderer gewesen: Haltbarkeit und Bedienbarkeit standen im Vordergrund, nicht der Kaufimpuls im Geschäft. Das alles bei ansprechender Formgestaltung. Dass diese auch heute noch passt, zeigte sich in der positiven Resonanz der Passanten, die freudiges Wiedererkennen aussprachen und manche der gezeigten Haushaltshelfer wie den unverwüstlichen Alleskönner RG-28 auch heute noch zu Hause nutzen. Auf der anderen Seite standen natürlich auch Objekte, die man Kindern inzwischen erklären muss: etwa das Telefon mit Wählscheibe oder den Röhrenfernseher. Der Wandel zeigt sich darin also durchaus selektiv.