"Wir möchten keinen Tag missen"

Hochzeitstag Vor 65 Jahren das Ja-Wort gegeben

"Normalerweise würden wir unseren Hochzeitstag auf der Bowlingbahn feiern. Das haben wir vor vielen Jahren eingeführt, damit sich die Jugend bei Familienfeiern nicht langweilen muss", schmunzeln Ingeborg (90) und Herbert (94) Berthold. Zu ihrem 65. Hochzeitstag bleiben die Bowlingschuhe zwar aus, - schließlich habe man im hohen Alter das ein oder andere Wehwehchen - dennoch legen sie nach wie vor Wert auf die Familie. Gemeinsam mit ihren zwei Töchtern, vier Enkelkindern und zwei Urenkeln werden sie kommende Woche das Jubiläum begehen. Dass das ehemalige "Fräulein vom Amt" und der gelernte Kaufmann dabei jede Menge Geschichten zu erzählen haben, liegt nach 65 Ehejahren auf der Hand.

Begonnen hat alles im Garten eines befreundeten Paares, wo sie sich auf einer Hochzeitsfeier zum ersten Mal begegneten. Erst zwei Jahre später trafen sie sich durch eine gemeinsame Freundin wieder. "Noch am selben Abend hat's gefunkt", erzählt das Paar, das sich ein Jahr später das Ja-Wort gab. "Wir hatten leider nicht viel Geld. Deshalb musste mein Konfirmationskleid auch als Hochzeitskleid herhalten", erinnert sich die Ehefrau. "Und zum Ärger der Familie gab es am Hochzeitstag lediglich eine Suppe", ergänzt Herbert Berthold augenzwinkernd. Von der Zeit des Verzichts zeugt auch die Tatsache, dass sie die ersten 16 Jahre ihrer Ehe bei der Mutter wohnten. "Das erste Auto haben wir uns 1980, nach 30 Ehejahren, angeschafft. Zuvor mussten wir alles im Handwagen transportieren", so Ingeborg Berthold, die mit 56 Jahren noch ihren Führerschein machte. In der Summe habe sie das überschaubare Hab und Gut zusammengeschweißt, sagen die Eheleute, die von sich behaupten, völlig verschiedene Charaktere zu sein. "In einer Ehe müssen beide Seiten eben Kompromisse eingehen können - das ist das ganze Geheimnis. Natürlich verbinden uns auch viele gemeinsame Erlebnisse. Dazu gehörte auch der Sport." Jeden Morgen 100 Seilsprünge, wöchentlich 1.000 geschwommene Meter und die sonntäglichen Waldläufe waren nur ein Bruchteil ihrer sportlichen Aktivitäten. Hinzu kamen organisatorische Aufgaben in der Kinder- und Jugendsportbrigade, die Mitgliedschaft in mehreren Sportvereinen und Herberts Tätigkeit als Handballschiedsrichter. Um trotz körperlicher Einschränkungen weiterhin mobil zu bleiben, hat sich das Ehepaar jüngst zwei Elektromobile angeschafft. Damit werden beispielsweise die Einkäufe auf dem Wochenmarkt erledigt, wo das ungewöhnliche Gespann längst bekannt ist. "Wir können uns doch nicht alles bringen lassen", lachen die rüstigen Rentner, die weder Höhen noch Tiefen ihrer 65 Ehejahre missen möchten. "Im Gegenteil, wir sind stolz auf das, was wir zusammen erreicht haben."