Wir müssen reden

Wort zum Sonntag von Pfarrerin Sigrun Zemmrich

Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, hat es mit seiner Antwort auf die Frage eines Journalisten auf den Punkt gebracht: Wir alle sind irgendwann Flüchtlinge oder Vertriebene gewesen. Ob uns bewusst ist, wie verletzt noch unsere Gefühle von dieser Vergangenheit gerade hierzulande sind? Wir sollten darüber reden. Die aktuellen Bilder von Flucht, Angst und Gewalt aber auch von Zuwendung, Schutz und Geborgenheit, die bewegen uns. Bei nicht wenigen Menschen unter uns rühren sie an tief im Verborgenen gehaltene Gefühle: Die schreckliche Angst bei der Vertreibung am Ende des Krieges, Hunger und Not, all die Verletzungen und Demütigungen, der Schmerz über den Verlust der Heimat und das anhaltende Gefühl, in der neuen Heimat nicht willkommen zu sein. Statt Unterstützung, erwarteten die Neuankömmlinge Ressentiments und das Verbot, über das erlebte Unrecht zu reden. Und haben all die Existenzängste und Verletzungen entsprechende Wertschätzung erfahren, die der Verlust an Beheimatung nach dem Ende der DDR mit sich gebracht haben? Wir sollten darüber reden, damit wir denen gegenüber nicht ungerecht werden, die unseres Schutzes bedürfen.Sigrun Zemmrich,

Pfarrerin