„Wir sind bunt, laut und unantastbar“: Chemnitz setzt beim CSD Zeichen für Vielfalt

Hunderte feiern Christopher Street Day in Chemnitz

Chemnitz

Hunderte Teilnehmer, teils aus Chemnitz, teils von weiter her, wie der Ostsee, nahmen am Samstagmittag an der Kundgebung des Christopher Street Day (CSD) auf der Karl-Liebknecht-Straße teil.

Bunte Demonstration für Gleichberechtigung beim CSD in Chemnitz

"Der CSD bleibt eine Demonstration. Wir sind bunt, laut und unantastbar", sagte Robert Lutz vom Verein CSD Chemnitz. Liebe kenne keine Grenzen, der CSD fordere Gleichberechtigung für alle Menschen.

"Die Kulturhauptstadt soll heute ein Leuchtfeuer der Vielfalt sein", so Lutz weiter, der dafür Applaus erntete.

Sven Schulze: Eine offene Stadtgesellschaft als Fundament

Nicht so ging es Oberbürgermeister Sven Schulze, der ebenfalls zum Start der Demo kam und ein paar Worte an die Teilnehmer richtete. Eine offenen Stadtgesellschaft sei für ihn kein Nebenschauplatz, sondern das Fundament, so das Stadtoberhaupt.

Ihm sei bewusst, dass es auch Gewalt in der Region gebe, weswegen der CSD wichtig sei. Als "Lügner" und "Heuchler" beschimpft und Buh-Rufe kassierend, äußerte sich Schulze auch zur Regenbogenflagge am Rathaus.

Er teile Ziele und Werte der CSD-Bewegung. "Aber Akzeptanz zeigt sich nicht am Symbol, sondern wie wir im Alltag miteinander umgehen", so Sven Schulze. Toleranz heiße für ihn: die Vielfalt der Meinungen zu akzeptieren.

Chemnitz feiert Vielfalt: Der CSD 2025 auf dem Brühl-Boulevard

Nach dem großen Demo-Zug durch Chemnitz wird Der Christopher Street Day 2025 am Nachmittag mit einem bunten Fest auf dem Brühl-Boulevard gefeiert. Das Motto lautet dieses Jahr "Von Beton zum Regenbogen - Chemnitz 2025 mischt auf".

CSD: Erinnerung an den mutigen Widerstand in der Christopher Street

Der CSD ist ein Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und queeren Personen. An diesem Tag wird für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Der Tag erinnert an den Stonewall-Aufstand in New York 1969. Dort haben sich Homosexuelle und Transsexuelle das erste Mal getraut, sich der Polizei zu widersetzen, als diese eine Razzia in der Bar Stonewall Inn durchführte. Die Bar befand sich in der Christopher Street.

Meldung der Polizei zum Einsatzgeschehen

Die Polizeidirektion Chemnitz führte heute anlässlich einer angezeigten Versammlung mit Aufzug einen Polizeieinsatz in der Chemnitzer Innenstadt durch.

Im Bereich des Brühl trafen sich ab etwa 11 Uhr erste Teilnehmer der Versammlung Christopher Street Day. Die Versammlung zum Christopher Street Day begann dann gegen 12 Uhr mit einer Kundgebung im Bereich Georgstraße/Karl-Liebknecht-Straße. Anschließend führte ein Aufzug gegen 12.20 Uhr über die Straße der Nationen, Brückenstraße, Bahnhofstraße bis zum Falkeplatz, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Danach führte der Aufzug über die Theaterstraße, wo auf Höhe der Inneren Klosterstraße eine zweite Zwischenkundgebung durchgeführt wurde. Danach ging der Aufzug über die Mühlenstraße zurück zur Georgstraße. Nach einer Abschlusskundgebung wurde die Versammlung gegen 14.30 Uhr beendet. In der Spitze waren knapp 1.700 Teilnehmer zu verzeichnen.

Spontaner Gegenprotest gestartet


Im Verlauf der Versammlung formierte sich im Umfeld des Aufzuges eine Gruppe von mehreren Personen, welche in der Folge einen bei der Versammlungsbehörde spontan angezeigten und genehmigten Gegenprotest mit Aufzug durchführten. Der Aufzug der Gegenversammlung, an der in der Spitze 16 Personen teilnahmen, endete gegen 14.30 Uhr in Hör- und Sichtweite im Kreuzungsbereich der Georgstraße/Mühlenstraße.

Im Ergebnis verliefen die beiden Versammlungen störungsfrei. Die Einsatzmaßnahmen dauern weiter an.

Drei Ermittlungsverfahren 


Im Zuge des bisherigen Einsatzgeschehens wurden abseits der Versammlungen drei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Beleidigung und Bedrohung eröffnet. Gegen 12.10 Uhr soll ein unbekannter Mann in der Bernsdorfer Straße den Hitlergruß gezeigt und anschließend zwei Frauen beleidigt und verbal bedroht haben.

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