Wo das Handicap Vorteile hat

Sehförderzentrum Seit 70 Jahren Ausbildung von Masseuren

Bereits seit 1945 werden in Chemnitz blinde und sehbehinderte Menschen zum Masseur ausgebildet. Damit gab es in der Stadt für lange Zeit deutschlandweit die einzige derartige Fachschule. Heute gibt es insgesamt auch nur drei, weshalb in den Klassen oft Schüler aus der ganzen Republik sitzen. Bei Praxislehrerin Antje Müller lernen derzeit sechs junge Menschen aus verschiedenen Bundesländern im ersten Ausbildungsjahr den Beruf des Physiotherapeuten. Dieser ist dem des Masseurs ähnlich und wird seit 1973 vom SFZ Förderzentrum angeboten. Blinde und Sehbehinderte lernen prinzipiell gemeinsam. Die Klassen werden klein gehalten, um individuelles Arbeiten zu erleichtern. Als besondere Hilfsmittel zählt Lehrerin Müller ein Lesegerät zur Vergrößerung von Abbildungen, einen speziellen Winkelmesser mit Nieten zum Abtasten oder die Computer, welche das Geschriebene nochmals vorlesen, auf. Doch am Ende steht auch hier der ganz normale berufsqualifizierende Abschluss nach zwei Jahren bei den Masseuren und drei bei den Physiotherapeuten. Die Physiotherapeuten sind sofort startklar und können sich in einer Praxis bewerben. Die Masseure müssen noch ein halbjähriges Praktikum absolvieren, bei dem sie aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen oft nicht bezahlt werden. Doch die Ausbildung der Berufsfachschule für Physiotherapie hat anscheinend einen guten Ruf. "Die Vermittlung unserer Absolventen ist sehr gut. Unsere letzten Abgänger sind alle in Arbeit", freut sich Müller, die durchaus einen Vorteil darin sieht, wenn Blinde massieren oder therapieren. "Sie haben einen besseren Tastsinn und können dadurch Veränderungen in den Muskeln besser spüren."