Wohltaten

Kolumne

Hin und wieder entschließt sich Vater Staat, seinen Bürgern ein wenig Geld zuzustecken. Das stärkt seine Beliebtheit und dient der Förderung höherer Ziele. Das habe ich mit meinen Kindern auch so gemacht. Eine kleine Prämie für eine gute Zensur zum Beispiel war mit der Hoffnung auf stärkere Lernmotivation verbunden. Freiwillig aufgeräumt? Auch dafür eine kleine Anerkennung zur Verbesserung des Ordnungssinnes. Vielleicht war diese Methode der positiven materiellen Anreize für erwünschtes Verhalten erfolgreich, wahrscheinlich hätten die Sprösslinge aber auch aus eigenem Antrieb gelernt und sogar irgendwann Staub gesaugt.

Wenn Vater Staat Prämien für Familien verteilt, die ihre Kleinkinder nicht in der Kinderkrippe unterbringen wollen oder mangels Angebot nicht können, geht es nicht in erster Linie um glückliche, sondern vor allem um mehr Eltern. So wie die Dinge jetzt stehen, schrumpft in Deutschland die steuerzahlende Basis der Zukunft wegen des fehlenden Nachwuchses schneller dahin als das arktische Eis. Und weil die Kinder ersetzenden Hauskatzen und Schoßhunde sich auch in zwanzig Jahren noch weigern werden, Einkommenssteuer zu zahlen, gibt es Handlungsbedarf in Sachen Gebäraktivitäten.

Das beschlossene Betreuungsgeld wird mit Sicherheit eine Antragsflut auslösen. Ob es die Kreißsäle füllt, darf stark bezweifelt werden. Es ist zu erwarten, dass diese neue staatliche Zuwendung für die demografische Entwicklung genauso bedeutungslos bleiben wird wie die bezahlte Elternzeit. Zur finanziellen Unterstützung von Familien hätte man keine neue soziale Kleinleistung benötigt. Die Erhöhung des Kindergeldes hätte auch gereicht. In einem Land, das die Geräusche spielender Kinder noch bis vor wenigen Monaten als Lärmemission klassifizierte und die Doppelverdienerehe Normalzustand ist, müsste schon ein wenig mehr passieren, als ein neues bürokratisches Zuwendungsverfahren auslösen kann. Man muss die Kinder wollen, nicht die Prämie.

thomy