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Zeit ist Geld - Zeit ist Leben

Wort zum Sonntag von Norbert Weinhold

Mit dem Schlagwort "Zeit ist Geld" beschreiben wir die Zeit und damit das Leben als eine Kategorie der Wirtschaft. Da fragt es sich: Was ist "Zeit" überhaupt für mich? Ist "Zeit" nicht eine so wesentliche Aussage über mein Leben, zum Beispiel mehr, als "etwas zu besitzen"? - "Zeit haben" als sicheren Besitz oder etwa als ein Geschenk, das mir gegeben wurde?

Wenn ich sage "Zeit ist Geld", auf das ich mein Leben ja gründen muss, dann stelle ich "leben" unter einen wirtschaftlichen Aspekt. Das ist zwar nicht wenig, denn ich will doch 'haben': zum Beispiel Freude, Arbeit, Gesundheit..., ich will etwas leisten können, ja ich will auch mir etwas leisten (mir und meiner Familie etwa, für die ich ja schließlich Verantwortung habe). Das alles ist doch 'Leben'. Aber bringt uns nicht gerade diese Sicht auf unsere Lebenszeit in besonderen Zeitdruck, ja in Zeitnot? Wir wollen doch so Vieles tun und leisten; und die Zeit läuft uns davon. Schon 1885 (und da waren die Zeiten noch ruhiger als heute) hat Fr. Nietzsche eine Korrektur am Charakter der Menschheit angemahnt, nämlich das "beschauliche Element in großem Maße zu verstärken", und der österreichische Philosoph Safranski fügt jetzt hinzu, dass es dringende Aufgabe der Politiker sei, unseren Lebenszyklus und die Arbeitsprozesse zu synchronisieren, das heißt, sie auf ein Maß zu bringen, was dem Menschen (den Familien, den Kindern, den Alten) in ihrem Wesen entspricht und damit der ganzen menschlichen Gemeinschaft dient. Werden mir die Personen wichtiger sein als die Dinge, die ich leiste oder besitze? Und damit hat sogar das flapsig gesprochene Wort seine Wahrheit "Nimm dir Zeit, und nicht das Leben!"

Einen guten Sonntag wünscht Norbert Weinhold, Pfarrer i.R.



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