Zweifaches Olympiagold und eine besondere Sportmoderation machten ihn zu einer Legende

Waldemar Cierpinski begeistert bei Talkshow im Wasserschloss Klaffenbach

Chemnitz, Klaffenbach

Endlich fand wieder eine Talkrunde im Wasserschloss Klaffenbach statt - moderiert von Kai Suttner, der seit Jahren mit seinem Format "hautnah" erfolgreich ist.

Prominente Gäste und ein besonderer Abend

Schon viele bekannte Sportler, Schauspieler und Musiker waren bei Suttner zu Gast. "Das letzte Mal war Olaf Ludwig hier - das ist schon wieder anderthalb Jahre her. Wir haben eine kleine kreative Pause eingelegt", erzählte der Moderator.
Am Sonntag stand nun ein ganz besonderer Name auf der Gästeliste: Waldemar Cierpinski, der wohl erfolgreichste Marathonläufer der ehemaligen DDR. Das Publikum durfte sich auf einen Abend voller spannender Geschichten und Emotionen freuen.

Kindheit, Glaube und Disziplin

Wie gewohnt stellte Suttner kluge Fragen - und Cierpinski antwortete mit Witz, Charme und Offenheit. Der zweifache Olympiasieger sprach über Höhen und Tiefen seines Lebens und darüber, wie wichtig es für ihn war, immer an sich selbst zu glauben.
Geboren 1950, wuchs Cierpinski in einer Großfamilie auf. Früh lernte er, was Zusammenhalt bedeutet - eine Haltung, die ihn durchs Leben trug. "Es gab viele Entbehrungen, aber auch viele schöne Dinge, die wir erlebt haben", erinnerte er sich.

Vom Schulwegläufer zum Olympiasieger

Schon als Kind war Cierpinski sportlich. Wenn der Bus nicht kam, lief er die drei Kilometer zur Schule einfach zu Fuß - und legte damit unbewusst den Grundstein für seine spätere Karriere.
Er begann mit der Leichtathletik, doch seine wahre Leidenschaft galt dem Laufen, besonders den langen Strecken. Jahr für Jahr steigerte er sich - bis er schließlich zu den besten Marathonläufern der Welt gehörte.

Zwei Goldmedaillen und ein legendärer Kommentar

1976 gewann Cierpinski in Montreal völlig überraschend Olympiagold - damals noch als Außenseiter. Vier Jahre später wiederholte er diesen Erfolg in Moskau.
Beide Zieleinläufe wurden von der DDR-Sportmoderatorenlegende Heinz Florian Oertel übertragen. Millionen Menschen verfolgten die Rennen vor Radio und Fernseher. Unvergessen bleibt Oertels Kommentar von 1980:

"Liebe Zuschauer zu Hause, das ist ein einmaliger Triumph! Liebe junge Väter - vielleicht sogar angehende - haben Sie Mut, nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar. Waldemar ist da!"
Mit diesen Worten schrieb Oertel Geschichte - und Cierpinski wurde zu einer Legende. "Ja, es gibt tatsächlich Söhne, die nach mir benannt wurden", erzählte er lachend.

Autogramme, Erinnerungen und alte Freunde

Dass Cierpinski bis heute viele treue Fans hat, zeigte sich deutlich. Der Saal war voll, und in der Pause nahm sich der Marathonheld Zeit für Autogramme. Geduldig signierte er alte Fotos und Olympia-Bücher aus den Jahren 1976 und 1980.
Ein besonders emotionaler Moment war das Wiedersehen mit einem Freund aus Kindertagen: Ralf war extra angereist, um Waldemar nach Jahrzehnten wiederzusehen. Auch ehemalige DHfK-Sportler waren gekommen - ein echtes Wiedersehen unter Weggefährten.

Leben für den Sport

Im zweiten Teil der Talkrunde sprach Cierpinski über sein Leben nach der aktiven Karriere. Nach dem zweiten Olympiasieg hatte er noch einmal auf Gold gehofft, doch daraus wurde nichts.
Einen besonderen Moment erlebten die Gäste, als er plötzlich seine Originalmedaillen hervorholte und sie ins Publikum reichte. Viele nutzten die seltene Gelegenheit, die Trophäen aus nächster Nähe zu bestaunen und zu fotografieren.
Cierpinski erklärte eindrucksvoll, wie das Sportsystem der DDR funktionierte - für viele Zuhörer ein spannender Blick hinter die Kulissen.

Auch nach der Wende blieb er dem Sport treu: In Halle (Saale) eröffnete er das Geschäft "Cierpinski Sport", das bis heute ein Begriff ist. Heute führt sein Sohn Falk den Betrieb, doch Waldemar mischt immer noch mit. "Ich bin auch ab und zu im Laden - nur nicht zur Mittagszeit", witzelte er.
Ganz vom Sport lässt er ohnehin nicht los: Zweimal pro Woche trainiert er noch. In seiner Laufbahn hat er Hunderte Paar Schuhe verschlissen und rund 250.000 Kilometer zurückgelegt.

Für diesen Abend voller Geschichten, Humor und Emotionen gab es zum Abschluss tosenden Applaus und Standing Ovations für Kai Suttner und Waldemar Cierpinski.

Kommende "hautnah"-Talks

Die nächsten Gäste stehen bereits fest:

  • 25. Januar 2026, 19:30 Uhr:André Herzberg, Frontmann der legendären DDR-Rockband Pankow, spricht über Musik und Leben.

  • 22. März 2026, 19:30 Uhr: Schauspieler Walter Plathe ist zu Gast.

  • 19. April 2026, 19:30 Uhr: Schauspielerin und Regisseurin Gabriele Gysi plaudert mit Kai Suttner über Bühne und Leben.

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