Capy-Krimi Vol. 113: Der Film

Wisst ihr, wer mit der heimlich eingeschobenen Farbpatrone eigentlich getroffen werden sollte, wenn ihr wisst, dass sie rot die Bluse der Angestellten traf?

"Schön, Heide!", jubelte meine Freundin Bara in ihr Smartphone, als sie mit ihrer ehemaligen Arbeitskollegin telefonierte, der "schönen Heide" in Schönheide, und ich ahnte nichts Gutes. Wollten die beiden mich in diesen Ort mit den vielen Winkeln wie Ascherwinkel, Schwarzwinkel, Heinzwinkel und Fuchswinkel locken? Und mich dort in das Skimuseum oder das Bürstenmuseum sperren, um ungestört einen Kaffee trinken zu können? Das Skimuseum wäre in Ordnung, ich fahre gern Ski, kann das in der Chemnitzer Innenstadt jetzt im April nur noch bedingt und würde mir schon mal andere Ski ansehen. Aber das Bürstenmuseum nicht, da sollte ich bestimmt nur lernen, mit Bürsten und Besen umzugehen, damit das mit mir und der Hausarbeit endlich auch einmal unfallfrei funktioniert.

Meine Sorge war unbegründet. Die beiden Frauen schleppten mich auch nicht auf den Laubberg oder einen der anderen Berge wie den Knock, den Allee oder den Kuhberg nebenan, sie setzten mich auch nicht in die dampfende Museumsbahn. Nein, sie hatten sich als Statistinnen für Filmdreharbeiten angemeldet.

"Unsere Szene in dem Krimi wird in einer Lagerhalle gedreht, die zur Bankfiliale umgebaut wurde", erfuhr ich von der schönen Heide, die für die Filmaufnahmen nun noch viel schöner war. "Wir sollen erschrocken schauen und entsetzt schreien!"

 

Genau das taten sie dann auch, als der Hauptdarsteller auftrat, ein zuvor so richtig netter Typ mit Kaffeebecher, der nach dem "Bitte!" des Regisseurs plötzlich überhaupt nicht mehr nett war. Zur Sicherheit schoss er vor der ersten Klappe eine seiner sechs Platzpatronen unerwartet in die Luft und danach nacheinander jeweils eine draußen vor der Filiale auf einen alten Spaziergänger und eine junge Joggerin, im Eingangsbereich auf eine ältere Kundin und drinnen auf eine falsche Bankangestellte und zuletzt noch auf den Filialleiter …

Wisst ihr, wer mit der heimlich eingeschobenen Farbpatrone eigentlich getroffen werden sollte, wenn ihr wisst, dass sie rot die Bluse der Angestellten traf?

 

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