Liebe, Verlust und Hoffnung: Hinter jedem Tattoo von Adina steckt eine bewegende Geschichte

Fast ihr gesamter Körper ist tätowiert. Doch für Adina aus Chemnitz ist jedes Motiv weit mehr als Körperschmuck – es erinnert an geliebte Menschen, Musik und prägende Momente ihres Lebens.

Chemnitz

Kunst spielte in Adinas Leben schon früh eine Rolle. Die heute 50-Jährige war erst 19 Jahre alt, als sie das erste Mal den Gang zum Tätowierer wagte. Es sollte ein hellblaues Einhorn auf der linken Schulter werden (gestochen von Jens Schorler von World of Tattoo.) und das hat auch eine Bedeutung: Der Film "Das letzte Einhorn" inspirierte Adina dazu, denn seit ihrer Kindheit und bis heute ist es einer ihrer Lieblingsfilme, der auch jedes Jahr zur Weihnachtsfilmtradition ihrer Familie gehört.

Jedes Motiv erzählt ein Stück ihres Lebens

Heute hat die Chemnitzerin kaum noch freie Stellen auf ihrer Haut. Das Wichtigste für Adina ist dabei: die Bedeutung. Jedes Bild hat seine eigene, tiefe Geschichte. Diese haben Adina in guten und schweren Zeiten geprägt und zu dem gemacht, wer sie heute ist. Dabei ist es ihr besonders wichtig, auch eine Verbindung zum Tattoo-Künstler zu haben. Die meisten Tattoos sind deshalb von "Tattoos made by Jacky" und ihrem Tätowierer Ronny, der leider bereits verstorben ist, aber mit seiner Kunst unter der Haut auch viele positive Erinnerungen hinterlassen hat.

Porträts als Erinnerungen an die wichtigsten Menschen

Wenn man Adina heute anschaut, weiß man gar nicht recht, wohin man zuerst schauen soll. Prägnant sind die verschiedenen Porträts auf ihrer Haut. Davon trägt sie mehrere. Eines der wichtigsten ist das Jugendbild ihrer Mama. Diese verlor sie bereits in jungen Jahren, weshalb ihr Unterbein ein großes Andenken an sie ist. Bis zum Fuß zieht sich das Kunstwerk. Dort sieht man die Bäume, zwischen denen Adinas Mama beerdigt wurde.

Adina ist auch Mutter eines Sohnes, der heute erwachsen ist. Auch ihm wollte sie ein Porträt auf ihrer Haut widmen, um die Liebe zu symbolisieren, die sie für ihn empfindet.

"Musik ist mein Leben. Und das wird es auch immer bleiben."

Sehr prägnant sind auch die Bilder auf Adinas Oberarm. Hier sind die Porträts von Angelo Bergamini und Elena Alice Fossi von "Kirlian Camera". Musik spielt im Leben der 50-Jährigen eine wichtige Rolle. "Musik ist mein Leben. Und das wird es auch immer bleiben", sagt sie. Für die italienische Dark-Wave-Band "Kirlian Camera" hat Adina am 29. März 2014 das erste Konzert in Zwickau mitorganisiert, was eine tolle Erinnerung ist und sich deshalb auf ihrem Arm wiederfindet. Drei weitere Konzerte folgten. Bis heute verbindet sie eine tiefe Freundschaft mit den Italienern und so sind auch die Unterschriften auf ihren Arm gewandert.

Ein Tattoo als Andenken an einen viel zu frühen Verlust

Seufzend zeigt die Chemnitzerin im Interview mit BLICK.de auch ihren Unterarm. Hier ist das Porträt vom Sohn ihrer Tätowiererin Jacky zu sehen. Er kam auf tragische Weise viel zu jung ums Leben. Da er ebenso wie Adina Teil der "schwarzen Szene" war und ein großer Fan der Band Agonoize, entschied sich Adina dazu, die Liedzeile "Reich mir die Hand, egal was auch passiert, der Schmerz bleibt bestehen, bis das Blut gefriert" aus dem Agonoize-Song "Bis das Blut gefriert" zu verewigen. Dazu noch die Unterschrift vom Sänger Chris und dem ehemaligen Bandmitglied Oli. Adina erzählte, wie stolz sie sei und wie krass es auch für die Tätowiererin Jacky war, ein Tattoo zu Ehren ihres verstorbenen Kindes zu erschaffen. Es ist ein ehrwürdiges Andenken an ihn.

Von Kontra K bis Diary of Dreams: Musik unter der Haut

Die Liebe zur Musik zieht sich weiter durch: Auch auf Adinas Dekolleté sind mehrere Musikreferenzen zu finden. Zum Beispiel eine Maske mit zwei verschiedenen Flügeln und der Zeile "Jenseits von Gut und Böse" der Band "Schneewittchen". Obendrüber steht zart geschrieben "Die Hoffnung klaut mir niemand". Das ist ein Song- und Albumtitel von Kontra K und wurde Adina auf einem Konzert des Rappers von seinem Tätowierer-Team gestochen.

Auch auf Adinas Kopf sieht man die Worte "Unbreakable" und "Undividable". Letzteres ist ein Song der Band Diary of Dreams. Dazu sieht man zwei Herzseiten aus Stacheldraht. Am schmerzhaftesten war jedoch der Chaosstern im Genick. Nie hätte Adina gedacht, dass der Nacken so viele Schmerzen beim Tätowieren verursachen würde. "Und ich bin wirklich schmerzresistent", lacht sie.

Warum auch ein Trabi einen Platz auf ihrer Haut hat

Ein bisschen aus der Reihe fällt ein besonderes Bild auf der linken Wade der Chemnitzerin: Da sieht man nämlich einen Trabi. Was hat es damit auf sich? "Ich habe seit vielen Jahren ein Zweitakterherz und bin lange Trabant gefahren." Ihre "Lady" hat Adina dann auf ihrer Haut verewigt.

Noch lange nicht fertig erzählt

Sicher könnte man noch viel mehr über die Bilder von Adina erzählen. Immerhin hat sie noch ein großes Rückenpiece mit einem gefallenen Engel und spannende Masken auf dem Oberschenkel, die bedeuten, dass jeder Mensch eine Maske trägt. Auch die Vampirthematik fasziniert die Chemnitzerin sehr. "Wer sucht nicht nach einem Bewacher, Beschützer, Behüter, einem, der einen im Auge behält, egal was man tut. Der Vampir ist unsterblich und immer da." Es ginge um die Endlichkeit und Unendlichkeit des Lebens, was erstrebenswert ist und wann man gerne stehen bleiben möchte.

All diese Dinge beschäftigen die 50-Jährige und sie liebt es, ihre Erfahrungen, Gefühle und Gedanken in Tattoos auszudrücken. Ein bisschen Platz auf ihrer linken Körperhälfte ist noch frei. Da wird es sicher nicht lange dauern, bis der nächste Gang ins Tattoo-Studio bevorsteht.

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