Lila Augäpfel, gespaltene Zungen und Bezahlchips unter der Haut: Warum dieses Ehepaar aus Sachsen alle Blicke auf sich zieht

Christiane (53) und Thorsten (49) aus Freital leben die Extreme. Doch was bedeutet so ein außergewöhnlicher Lebensstil für Beruf, Familie und Alltag – und gibt es für das Ehepaar überhaupt Grenzen?

Freital

Implantierte Hörner, lila Augäpfel, silberne Zähne, eine schwarze gespaltene Zunge und der ganze Körper ist voller Tattoos und Piercings - dieses Pärchen aus Freital fällt überall auf, egal wohin es kommt.

"Wir sind Christiane und Thorsten Meise und wir sind ganz normal", stellen sich beide im Interview mit BLICK.de vor und lachen. Doch auf den ersten Blick würden wohl die wenigsten Menschen meinen, dass die beiden "normal" sind.

"Uns gibt es nur im Doppelpack"

Alles, was man sich an Bodymodification nur vorstellen kann, haben die beiden schon gemacht oder planen es zu tun. Ihr extremes Aussehen hat sie bereits mehrfach ins Fernsehen gebracht und sie sagen selbst über sich, dass sie das Spiegelbild des anderen sind. "Uns gibt es nur im Doppelpack."

Große Patchworkfamilie und eine Menge Hello Kitty

Kennengelernt haben sich die beiden 2014 über Facebook. Damals war Thorsten der Arbeit wegen von NRW nach Dresden gezogen. Christiane, die ebenfalls aus NRW stammt, schrieb ihn mit einer Frage zum Thema gespaltene Zunge an und nach einem Besuch in Dresden waren die beiden unzertrennlich. Heute sind sie eine große Patchworkfamilie mit vier Kindern, Hunden und einer Menge Liebe.

Die Familie haben sie auch in ihren Tattoos verewigt. "Thorsten hat einen ganzen Armsleeve mit Hello Kittys. Jede Hello Kitty steht für ein anderes Familienmitglied", erklärt Christiane und zeigt Thorstens Arm in die Kamera. Bei ihr selbst sieht man auch einige Hundemotive auf dem Körper. Die Familie hat aktuell eine französische Bulldogge namens Frits und einen weißen Boxer namens Kola und das waren nicht die ersten Hunde. "Alles begann mit meiner Bulldogge Harry, die heute leider nicht mehr unter uns weilt."

Mischung aus Identität, Rebellion und Ästhetik

Doch was begeistert Familie Meise an Bodymodification? "Wir lieben das Anderssein, Veränderung und die Grenzen des eigenen Körpers auszutesten. Unsere Tattoos erzählen Geschichten, ohne dass ein Wort gesagt werden muss", erklärt Christiane. Dabei spielt die Selbstbestimmung, den eigenen Körper so zu gestalten, wie man von anderen gesehen werden möchte, eine große Rolle. "Es ist eine Mischung aus Identität, Rebellion und Ästhetik." Thorsten fügt hinzu: "Es ist eine Lebenseinstellung. Wir sind lebende Tagebücher und wir verbinden eine Menge Freiheit mit unserem Aussehen."

"Die Grenzen verschieben sich mit der Zeit"

Was mit einem Cutting auf einer Tattoo-Convention 2007 bei dem 49-Jährigen begann, ist heute ein Gesamtkunstwerk. Bei Christiane war der Wunsch nach einer gespaltenen Zunge einer der ersten. Dann wurde es immer bunter und immer mehr. "Die Grenzen verschieben sich mit der Zeit und das Interesse an mehr stoppt nicht."

Dabei haben die beiden sowieso einen Hang zu Extremen. Sie haben beispielsweise auch mit Bodysuspension geheiratet. Was das ist? "Wir haben an Haken hängend geheiratet", erklärt die 53-Jährige und lacht laut. Die Kids und die ganze Familie waren auch dabei. Irgendwann will das Paar gern auch noch eine Zip Line oder einen Freefall an ihrer eigenen Haut hängend erleben. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Wenn die Geldkarte ein Chip in der Hand ist

Besonders cool sind auch die technischen Fortschritte, die die Zeit mit sich bringt. Das Ehepaar hat beispielsweise jeweils zwei Chips unter der Haut, einer ist ein Öffner für die Haustür, mit dem anderen können sie kontaktlos bezahlen.

Besondere Tattoos sind übrigens auch ihre Fingerknöchel- und Wangentattoos. Diese haben beide nämlich so gestaltet, dass sie sie unterschiedlich aneinanderhalten können und die Wortfamilien immer noch Sinn ergeben. So steht auf den Händen beispielsweise "True Love" und "Real Soul" und auf den Wangen "Freaky Couple" und "Crazy Family".

Die Gesellschaft wird aufgeschlossener und toleranter

Welche Auswirkungen hat so ein Leben denn im Alltag und im Beruf? Thorsten arbeitet bei einer großen Firma als Elektroingenieur, hat Kundenkontakt und wurde sogar schon als Werbegesicht auf die Straßenbahn in Dresden gedruckt. Auf der Arbeit erlebt er also eher die positiven Seiten.

"Aussehen ist wie ein stiller erster Satz, bevor überhaupt gesprochen wird. Das kann Türen öffnen, Vorurteile auslösen oder einfach Aufmerksamkeit erzeugen - positiv, wie negativ", erklären die beiden. Auf jeden Fall erinnern sich die Menschen schnell an Familie Meise zurück. "Viele empfinden so ein Auftreten als ehrlich, weil man sichtbar sein Ding macht, anstatt sich anzupassen", fügt Thorsten hinzu. "Die Gesellschaft wird auch immer aufgeschlossener und toleranter."

"Wir stehen beide für mehr Toleranz und Akzeptanz"

Jedoch gibt es auch im Alltag manchmal abfällige Bemerkungen oder angewiderte Blicke. "Die Leute haben Vorurteile oder projizieren Klischees auf uns, ohne dass sie uns wirklich kennen, das ist schon ein Nachteil", so die 53-Jährige. Auch erzählen die beiden, dass die Behörden eher konservativer eingestellt sind, was Probleme mit sich bringen könnte.

Aber das Ganze hat auch etwas Gutes: "Auffälliges Aussehen funktioniert oft wie ein Filter: Es zieht bestimmte Menschen an und hält andere fern. Für manche ist das belastend. Für uns ist das sehr befreiend, weil wir lieber direkte Resonanz haben wollen. Ein markantes Aussehen macht sichtbar, aber der Charakter entscheidet, was hängen bleibt." Am liebsten ist es den beiden übrigens, wenn die Leute sie auf der Straße direkt ansprechen, als hinter der Hand zu tuscheln, da sie so aufkommende Fragen direkt erklären können.

Wo liegen die Grenzen?

Ans Aufhören denkt das Ehepaar noch lange nicht. Der nächste größere Eingriff ist bereits geplant. Diesmal werden Augenlinsen operativ eingesetzt. Doch Christiane lacht: "Die sorgen einfach dafür, dass ich keine Brille mehr brauche." Zudem wollen sich beide bald den Inner Conch im Ohr entfernen lassen.

Doch wo liegt eigentlich die Grenze, immerhin sagten beide, diese verschwimmen mit den Jahren immer weiter. "Aktuell würden wir uns keine Körperteile komplett amputieren lassen, wie Finger, Nase, Ohren, aber, man weiß ja nie. Das kann in ein paar Jahren auch anders aussehen. Wir handhaben das so: Wenn jemand eine coole Idee hat, die wirklich beiden gefällt, dann schauen wir, wie wir das umsetzen können. Bei vielen Sachen besteht ein Risiko und man muss sich im Klaren sein, dass vieles nicht rückgängig gemacht werden kann. Entweder wir machen es beide oder gar nicht."

Wer neugierig geworden ist, kann Christiane und Thorsten auf Instagram unter @mr.and.mrs.meise begleiten und einen Blick in ihren besonderen Alltag werfen.

Vielen Dank an den B Plan Chemnitz, der als coole Shooting-Location zur Verfügung stand.

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