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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Russische Invasion Die jüngsten russischen Raketenangriffe haben "kolossale Zerstörungen" an Kraftwerken und Stromnetzen der Ukraine angerichtet. Kiew versucht, mit den Reparaturen hinterherzukommen. Die Lage im Überblick.

Kiew. 

Der russische Angriffskrieg stürzt die Ukraine bei Eiseskälte in drastische Energienot. Praktisch alle Wärme- und Wasserkraftwerke sowie die wichtigen Knotenpunkte des Stromnetzes seien in den vergangenen Wochen durch Raketen beschädigt worden, berichtete der Netzbetreiber Ukrenerho am Dienstag. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Bürger zum Energiesparen auf. Die EU-Kommission überwies Kiew 2,5 Milliarden Euro für dringende Reparaturen und kündigte für 2023 weitere 18 Milliarden Euro an. Die Lage am umkämpften Atomkraftwerk Saporischschja bleibt heikel.

Russland ist vor knapp neun Monaten in die Ukraine einmarschiert. Deutschland und andere westliche Länder spüren vor allem den Einbruch der Konjunktur und drastische Energiepreiserhöhungen - ein Grund, warum die Bundesregierung die angekündigte Gas- und Strompreisbremse für private Haushalte und kleinere Firmen nun bereits rückwirkend ab Januar gelten lassen will. In der Ukraine sind hingegen die Versorgungssysteme selbst schwer beschädigt, seit Moskau im Oktober mit gezielten Raketenangriffen begann.

System vorerst stabil

"Das Ausmaß der Zerstörungen ist kolossal", sagte Ukrenerho-Chef Wolodymyr Kudryzkyj. Dennoch sei es durch Reparaturen gelungen, das System seit Samstag zu stabilisieren. Es gebe jetzt vor allem planmäßige und kaum noch Notabschaltungen des Stroms.

Neben Strom könnte der Ukraine auch bald weiteres Gas fehlen. Der russische Energieriese Gazprom droht mit einer weiteren Drosselung der Gaslieferungen - mit der Begründung, die Ukraine behalte beim Transit über sein Territorium Gas ein, das eigentlich für Moldau gedacht sei. Sollte sich daran nichts ändern, werde der Transit, von dem auch EU-Länder profitieren, ab kommendem Montag um die täglich einbehaltene Menge gekürzt.

Gazprom droht mit weiterer Drosselung der Gaslieferung

Der russische Energieriese Gazprom wirft der Ukraine unterdessen vor, beim Transit durch ihr Staatsgebiet einen Teil des Gases einzubehalten und mit einer Drosselung der ohnehin schon reduzierten Lieferungen gedroht. Die Ukraine habe 52,5 Millionen Kubikmeter russisches Gas nicht weitergeleitet, das für die Nachbarrepublik Moldau bestimmt gewesen sei, teilte Gazprom mit. Sollte sich daran nichts ändern, werde der Transit, von dem auch EU-Länder profitieren, ab Montag um die täglich einbehaltene Menge gekürzt. Ein konkretes Volumen nannte Gazprom nicht.

Der ukrainische Gasnetzbetreiber wies die Vorwürfe zurück und versicherte, dass das staatliche Unternehmen allen Transitverpflichtungen nachkomme. Trotz des russischen Angriffskrieges hat die Ukraine seit dem 24. Februar rund 15,6 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas Richtung Westen transportiert - davon eigenen Angaben zufolge mehr als zehn Prozent nach Moldau.

Im Mai allerdings wurde der Erdgastransit über das von Russland besetzte Gebiet Luhansk eingestellt. Kiew und Moskau warfen sich gegenseitig vor, dafür verantwortlich zu sein. Statt der möglichen Maximalmenge von 109 Millionen Kubikmetern fließen täglich etwas mehr als 40 Millionen Kubikmeter von Russland in die Ukraine und weiter nach Westen.

Moskau meldet Granaten auf Saporischschja

Von dem russisch besetzten Atomkraftwerk Saporischschja meldete Moskau am Dienstag erneut Granatenbeschuss. Auf dem Gelände in der Südukraine schlagen seit Monaten immer wieder Geschosse ein, was Ängste vor einer Nuklearkatastrophe schürt. Die Kriegsparteien Russland und Ukraine machen sich gegenseitig verantwortlich. Am Montag hatten Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die Anlage nach Artilleriebeschuss vom Wochenende auf Schäden überprüft und vorläufig Entwarnung gegeben.

Doch nach der IAEA-Überprüfung seien acht großkalibrige Granaten auf einen industriellen Teil des Kernkraftwerks gefeuert worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Sprecher Igor Konaschenkow betonte aber, die Strahlung sei weiterhin normal. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig zu überprüfen. Der Kreml dämpfte abermals die Aussichten auf eine von der Ukraine und der IAEA geforderte Schutzzone um das Atomkraftwerk. In diesem Punkt gebe es "keine nennenswerten Fortschritte", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Kämpfe im Osten und Süden

Heftige Kämpfe wurden vor allem aus der Ostukraine gemeldet. Im Gebiet Donezk konzentrieren sich die russischen Angriffe nach Angaben des ukrainischen Generalstabs auf die Städte Awdijiwka und Bachmut. An anderen Orten sprach der Generalstab von einer "aktiven Verteidigung" der russischen Truppen - dort greifen also offenbar die Ukrainer an. Genannt wurden die Orte Kupjansk und Lyman sowie Nowopawliwka und die Front im Gebiet Saporischschja. Russische Truppen wehrten sich mit Panzern, Mörsern, Rohr- und Raketenartillerie, hieß es.

Dem offiziellen Bericht zufolge verstärkten die russischen Truppen in der Südukraine ihre Verteidigungslinien auf dem südlichen Ufer des Flusses Dnipro. Nach inoffiziellen Angaben nimmt die ukrainische Artillerie diesen Raum in Richtung Krim mit ihren weittragenden Geschützen unter Feuer.

Ukrainischer Geheimdienst durchsucht Klöster

Außerhalb des Kampfgebiets ging der ukrainische Geheimdienst SBU mit Razzien gegen mehrere Klöster der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats vor und begründete dies mit Spionageabwehr. Dazu zählte auch das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Höhlenkloster in der Hauptstadt Kiew. Ziel sei es, eventuell gelagerte Waffen, Spione und Saboteure aufzuspüren. Kremlsprecher Peskow warf der Ukraine vor, seit langem Krieg gegen die russisch-orthodoxe Kirche zu führen.

In Moskau verurteilte das Parlament, die Duma, die mutmaßliche Erschießung russischer Soldaten bei der Gefangennahme durch ukrainische Streitkräfte. Dies sei ein eklatanter Verstoß der Ukraine gegen das humanitäre Völkerrecht und das Genfer Abkommen zur Behandlung von Kriegsgefangenen, erklärte die Duma nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Kiew weist die Vorwürfe zurück, die sich auf Videos in sozialen Netzwerken stützen.

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