Nach hunderten bundesweiten Bombendrohungen: Vier junge Tatverdächtige verhaftet

Seit vielen Monaten gehen immer wieder Bombendrohungen gegen u.a. Schulen, Bahnhöfe, Einkaufszentren ein - jetzt ist es der Polizei gelungen vier Tatverdächtige zu stellen. Die jungen Männer sollen sich in einer Messengergruppe online zusammen geschlossen haben

Frankfurt am Main

Nachdem in den vergangenen rund 20 Monaten hunderte Droh-E-Mails an deutsche Bahnhöfe, Einkaufszentren und Schulen gesendet worden sind, ist es der Polizei gelungen, vier Tatverdächtige ausfindig zu machen. Das teilen die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) und das Bundeskriminalamt (BKA) mit. 

Auch mehrfach Sachsen betroffen

Die Mails erhielten vor allem Bombendrohungen und richteten sich auch gegen Schulen in Sachsen. Ende Mai 2025 waren 13 Schulen in Chemnitz (BLICK.de berichtete) von den Drohungen betroffen. 2024 hatte es auch Schulen im Erzgebirge u.a. in Schwarzenberg, Aue-Bad Schlema und Beierfeld getroffen. (BLICK.de berichtete)  Die Drohungen zogen großflächige Evakuierungen und Unterrichtsausfälle mit sich. Gefunden wurden während der polizeilichen Durchsuchungen keine Sprengsätze. 

Auch der Bahnhof in Aue-Bad Schlema erhielt damals Drohungen (BLICK.de berichtete) und musste evakuiert werden, was einen großen Einfluss auf den Bahnverkehr im Erzgebirge hatte.

Vier Tatverdächtige in drei Bundesländern

Nun ergingen vier Durchsuchungsbeschlüsse gegen folgende Tatverdächtige: zwei 16-Jährige aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie ein 23-Jähriger aus Frankfurt am Main und ein 20-Jähriger aus Dortmund. Zudem wurde ein Durchsuchungsbeschluss bei einem jugendlichen Zeugen in Sachsen-Anhalt veranlasst. Es besteht der dringende Tatverdacht, dass die Verdächtigen Mitglieder in einer kriminellen Vereinigung "zum Zwecke bundesweiter Bombendrohungen gemäß § 129 Strafgesetzbuch" sind. Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Tätergruppe virtuell in einer Messengergruppe namens "Schweinetreff" zusammengeschlossen und kommuniziert haben.  

Ziel der Täter

"Ziel der Täter soll es gewesen sein, den öffentlichen Frieden unter Androhung von Straftaten zum Nachteil von Leib und Leben zu stören, größtmögliche Einsatzlagen auszulösen und größtmögliche Verunsicherung in der Bevölkerung zu erzeugen, um sich an der dadurch ausgelösten Reaktion der Sicherheitsbehörden sowie der damit verbundenen Aufmerksamkeit zu erfreuen. Mutmaßlich um die Aufmerksamkeit zu verstärken, wiesen die Drohmails häufig auch eine islamistische Intention beziehungsweise einen islamistischen Bezug auf. Eine religiös motivierte Tatmotivation konnte im Rahmen der Ermittlungen allerdings nicht belegt werden."

Obwohl sich die Bombendrohungen als Falschmeldungen herausstellten, haben sie dennoch große Konsequenzen mit sich gebracht. Die Polizei machte deutlich, dass jede Drohung in dieser Form immer ernst genommen werde und Maßnahmen mit sich bringen. "Wenngleich infolge der Tathandlungen kein schädigendes Ereignis eingetreten ist, entstand durch die Evakuierungsmaßnahmen in Deutschland ein immenser Sachschaden im hohen fünfstelligen Bereich.", so das ZIT. 

Auswahl von Einsätzen, die durch die Mails ausgelöst worden sind: 

  • Evakuierung des Einkaufszentrums am Limbecker Platz in Essen im Mai 2024,
  • Sperrung des Bahnhofs Neunkirchen und Einstellung des Bahnverkehrs im September 2024,
  • Räumung des Funkhauses des MDR in Magdeburg und weitreichende Sperrung der anliegenden Straßen im Oktober 2024,
  • Räumung eines großen Einkaufszentrums in Sachsen-Anhalt im Dezember 2024,
  • Räumung und Schließung einer Schule in Bad Hersfeld im Dezember 2024.
  • viele hundert weitere

Auch Österreich war von den Drohungen betroffen. "Im Rahmen der dortigen Ermittlungen sowie dem deutsch-österreichischen Informationsaustausch konnten umfassende Beweise gesichert und Erkenntnisse zu den mutmaßlichen Tätern sowie ihrer Vernetzung untereinander gewonnen werden. Diese führten in der Folge zu der Identifizierung der vier Beschuldigten in Deutschland.

Internet kein rechtsfreier Raum

BKA-Vizepräsident Sven Kurenbach: "Das entschlossene Handeln der Strafverfolgungsbehörden zeigt, dass das Internet trotz vermeintlicher Anonymität keinen rechtsfreien Raum darstellt. Darüber hinaus können derartige Drohmails für den Absender zusätzlich sehr teuer werden, denn Großeinsätze der Polizei sind mit hohen Kosten verbunden."

ZIT-Leiter Oberstaatsanwalt Dr. Benjamin Krause: "Die heutigen Maßnahmen verdeutlichen, dass es sich bei den vorgeworfenen Handlungen nicht um harmlose Streiche, sondern um Straftaten handelt, die einen enormen finanziellen Schaden anrichten und zugleich das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung massiv beeinträchtigen können. Gerade weil solche Drohmails in der vermeintlichen Anonymität des Internets leicht geschrieben werden können: Wer solche Handlungen begeht, muss stets mit einer entsprechenden Reaktion des Rechtsstaats rechnen."

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