• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
Erzgebirge

Prozess um totes Baby Rabea: Mutter gesteht

Kriminalität Die Angeklagte wirkt gefasst: Der Prozess gegen die Mutter eines getöteten Babys hat in Mönchengladbach begonnen. Die 24-Jährige will die Schwangerschaft nicht bemerkt haben. Ihr Umfeld auch nicht.

Mönchengladbach. 

Mit einem Geständnis hat in Mönchengladbach der Prozess gegen die Mutter eines in einem öffentlichen Mülleimer entdeckten toten Babys begonnen. Vor dem Landgericht sagte die Angeklagte am Donnerstag, sie sei von der Geburt überrascht worden und habe das schreiende Neugeborene getötet.

Die gelernte Verkäuferin erklärte gegenüber dem Schwurgericht, sie habe die Schwangerschaft nicht bemerkt. Sie habe nachts Bauchschmerzen gehabt, kalt geduscht und dann das Kind zwischen den Beinen gesehen. Die Anklage wirft ihr vor, den Kopf mehrfach wuchtig gegen eine Tischkante geschlagen zu haben. Die 24-Jährige ist wegen Mordes angeklagt.

Neugeborenes wurde in kleinem weißen Sarg beerdigt

Die blonde Frau trägt eine weiße Bluse, schwarze Jacke und eine schwarze Brille. Sie beantwortet Fragen des Gerichts, sitzt aufrecht und verfolgt das Geschehen. Sie könne sich nicht erinnern, die Babyleiche in einen öffentlichen Mülleimer gelegt zu haben, sagt sie. Auch wer das Bad sauber gemacht habe, wisse sie nicht.

Eine Gefängnispsychologin hatte die Angeklagte während der Untersuchungshaft gesprochen. Sie berichtete dem Schwurgericht, die 24-Jährige sei "unkompliziert" und habe keinen Drang, sich für die Tat zu rechtfertigen. "Sie sagte auch, dass man das nicht könne", berichtete die Psychologin aus einem Gespräch mit der Angeklagten.

Bei der zwei Monate langen Suche nach der Mutter des unbekannten toten Babys hatte die Polizei in Mönchengladbach viele Ansätze verfolgt. Die Ermittler nannten es Rabea. Es wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in einem kleinen weißen Sarg beerdigt. Der Polizeipräsident und der Oberbürgermeister waren unter den Trauergästen. Am Fundort hatten die Ermittler einen Schaukasten mit einer Briefbox für anonyme Hinweise aufgestellt.

Der Freund der Angeklagten war einer DNA-Analyse zufolge der Vater des Kindes. Auch der 41 Jahre alte Bahnkundenbetreuer aus Mettmann will die Schwangerschaft nicht bemerkt haben. Er hatte in der Tatnacht sogar bei seiner Freundin übernachtet. Er habe nichts vom Geschehen mitbekommen, wie er dem Gericht erzählt. Auch an Blut am nächsten Morgen könne er sich nicht erinnern. Bei der Polizei hatten Mutter und Bruder der Angeklagten gesagt, ihnen sei die Schwangerschaft nicht aufgefallen. Vor Gericht verweigerte der 22 Jahre alte Bruder die Aussage.

Eine Flaschensammlerin fand das tote Kind

Ein DNA-Reihentest im Umfeld des Fundorts brachte die Ermittler auf die Spur der 24-Jährigen. Die polnische Staatsangehörige nahm freiwillig daran teil. Vor Gericht sagte sie am Donnerstag, sie habe von dem toten Baby gehört, aber nicht realisiert, dass es ihr Kind sein könnte.

Eine Flaschensammlerin hatte die Leiche in einer Einkaufstasche entdeckt. "Ich hoffe, dass Ihnen geholfen wird", sagte die 52-Jährige als Zeugin zur Angeklagten. "Ich habe noch keine Hilfe gefunden." Das Gericht plant drei weitere Verhandlungstage.

 BLICK ins Postfach? Abonniert unseren Newsletter!