• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland

Weniger Erstimpfungen - Deutschland verfehlt 80-Prozent-Ziel

Corona-Impfung Der Trend bei den neuen Impfungen zeigt nach unten

Berlin. 

Das Impftempo in Deutschland hat sich weiter verlangsamt. Am Wochenende wurden nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag rund 242.000 Corona-Impfungen gespritzt. Am Wochenende davor waren es rund 392.000 gewesen, zwei zuvor sogar mehr als 600.000. Lediglich knapp 28.900 Menschen erhielten am Samstag und Sonntag eine Erstimpfung - am Wochenende 15./16. Januar waren es rund 76.400, am Wochenende danach etwa 50.200. Das von der Regierung gesetzte Ziel, bis Ende Januar 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona zu impfen, dürfte damit nach den ausgewiesenen Zahlen klar verfehlt werden - auch trotz möglicher Nachmeldungen. Bis einschließlich Sonntag haben der Statistik zufolge 75,8 Prozent der Menschen mindestens eine Impfung bekommen.

Die Bundesregierung hatte ihr Ziel von 80 Prozent Erstgeimpften schon einmal verschieben müssen. Ursprünglich wollte sie diese Quote bereits bis zum 7. Januar erreichen. Regierungssprecher Steffen Hebestreit räumte nun ein, dass das Ziel erneut verfehlt wird. Scholz selbst hatte bereits vor einer Woche gesagt, dass er ein zweites Impfziel bis Ende Januar nicht erreichen wird: 30 Millionen Impfungen seit Weihnachten. Seit dem 26. Dezember wurden nach den RKI-Zahlen aber nur gut 17,3 Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen verabreicht (Stand 30. Januar). Über einen vollständigen Grundschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze verfügen nach RKI-Angaben 61,5 Millionen Menschen (74 Prozent). Mindestens 43,9 Millionen Menschen (52,8 Prozent) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Mehr Anstrengungen gefordert

Das RKI weist grundsätzlich seit längerem darauf hin, dass die ausgewiesenen Zahlen als Mindestimpfquoten zu verstehen sind. Eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem könne nicht erreicht werden. Das RKI geht davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Dashboard angegeben. Nicht geimpft sind der Statistik zufolge 24,2 Prozent, insgesamt 20,2 Millionen Menschen. Darunter sind aber auch vier Millionen Kinder im Alter bis zu vier Jahren, für die bisher noch kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung steht. Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte dazu: "Wir kommen in Deutschland erkennbar nicht mit genügend Tempo vom Fleck." Es seien auch von Ländern und Kommunen noch intensivere Anstrengungen nötig, damit sich mehr bisher ungeimpfte Menschen impfen lassen. Dahmen sprach sich vor diesem Hintergrund erneut für eine konsequente Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im Gesundheitswesen und die zügige Vorbereitung einer allgemeinen Impfpflicht aus. Über deren Einführung und Ausgestaltung wird derzeit kontrovers diskutiert.

Union kündigt Entwurf an

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kündigte im «Münchner Merkur» die Arbeit an einem «Impf-Vorsorge-Gesetz» an. Eine Impfpflicht müsse angepasst an die Situation sein. Die Unionsfraktion werde ein «differenziertes Gesetz» dazu vorlegen. "Das heißt: angepasst an das Risiko oder eben die Gefährlichkeit einer Infektionsentwicklung, verbunden mit erwarteten Belastungen des Gesundheitssystems, angepasst an gefährdete Gruppen oder Altersstufen und eng zeitlich befristet."

Am Mittwoch hatte der Bundestag in einer Orientierungsdebatte über das gesellschaftlich brisante Thema diskutiert. Im Wesentlichen gibt es bisher drei Ansätze: Ein Entwurf für eine Impfpflicht ab 18 Jahre wird gerade von Parlamentariern aller Ampel-Fraktionen vorbereitet. Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Andrew Ullmann konkretisierte zuletzt einen Vorstoß für einen "Mittelweg": Mit einem verpflichtenden, professionellen und persönlichen Beratungsgespräch für alle volljährigen Ungeimpften. Und wenn so nach gewisser Zeit die nötige Impfquote nicht erreicht wird, eine Pflicht zum Nachweis einer Impfung ab 50 Jahren. Eine Gruppe um FDP-Vize Wolfgang Kubicki will eine Impfpflicht generell verhindern.

Scharfe Kritik an Veranstaltung

Am Wochenende demonstrierten erneut Tausende Menschen gegen die Einführung einer Impfpflicht und gegen staatliche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Scharfe Kritik in sozialen Medien löste eine Veranstaltung am Sonntag in Nürnberg aus. Sie fand am Volksfestplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände statt. Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Joachim Herrmann, warnte "extremistische Brandstifter, die gewaltbereit sind und die Proteste zur Verbreitung ihrer radikalen Vorstellungen und ihrer demokratiefeindlichen Haltung ausnutzen wollen". Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er weiter: "Unabhängig davon, dass ich es für fragwürdig halte, gerade am Jahrestag von Hitlers Machtergreifung zu Demonstrationen aufzurufen, habe ich eine klare Botschaft: Unser Verfassungsschutz hat hier insbesondere Rechtsextremisten und Reichsbürger im Blick und ein spezielles Sammel-Beobachtungsobjekt "Sicherheitsgefährdende demokratiefeindliche Bestrebungen" eingerichtet."

 BLICK ins Postfach? Abonniert unseren Newsletter!