„Das Kosmos versteht sich bewusst nicht als klassisches Konzert“: Festivalorganisator erklärt die Pläne für 2026

Das Kosmos Festival startet am 29. August mit rund 250 Programmpunkten in Chemnitz. Im Interview spricht Ernesto Uhlmann aus dem Orga-Team über das Festival-Konzept 2026.

Chemnitz

Es ist wieder Kosmos-Zeit! In knapp zwei Wochen startet das beliebte Chemnitzer Kulturfestival in seine 5. Ausgabe. In diesem Jahr gibt es neben 250 Programmpunkten auch einige Neuerungen für die Gäste.

So findet das Kosmos in diesem Jahr am 29. August statt und damit knapp zwei Monate später im Jahr als in der Vergangenheit. Außerdem findet es anders als 2025 nur an einem Tag statt und nicht an einem ganzen Wochenende. Was hat es damit auf sich?

Die Gründe für diese Entscheidungen seien vielschichtig, teilen die Veranstalter mit. Zum einen sei das Kosmos immer als Eintages-Festival angedacht gewesen und nur im Festjahr zur Kulturhauptstadt als verlängerte Ausgabe durchgeführt worden. Zum anderen veranstalte man nun außerhalb der Brutzeit, die von Mai bis Ende Juli geht, und trage dadurch auch zum Tierschutz in der Stadt bei.

Neue „Kosmos Revue“ als Festival-Auftakt

Dass viele Leute traurig darüber waren, dass das Festival in diesem Jahr nur an einem Tag stattfindet, sei den Organisatoren natürlich nicht entgangen, so Ernesto Uhlmann vom Team Kosmos. Deshalb gibt es 2026 ein besonderes Warm-up-Event am Freitag zuvor in der Stadthalle: Wir haben im Team überlegt, wie wir das Kosmos größer machen können, ohne am Samstagsprogramm zu sparen. Am Freitagabend findet deshalb erstmals die ,Kosmos Revue‘ statt, bei der ein erfolgreicher Pianist aus der deutschen Staatsoper spielt und verschiedene Rapper zu seiner Musik rappen.“

Die Kosmos Revue ist ein eigenständiges Warm-up-Event zum Kosmos und wird durch die Eintrittsgelder von 25 Euro pro Ticket finanziert. Der Vorverkauf dafür hat bereits begonnen.

Das Kosmos selbst bleibt ein Festival, das sich auch dadurch auszeichnet, dass jeder unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten teilnehmen kann. Ohne Eintrittsgelder sind die finanziellen Mittel für ein Festival in dieser Größenordnung (2025 waren insgesamt 115.000 Gäste da) aber auch begrenzter als bei anderen Festivals.

Darum gibt es eine neue Location in diesem Jahr

Eine weitere Neuerung betrifft die Location für 2026. In den vergangenen beiden Jahren war das Kosmos rund um den Schlossteich angesiedelt, zuvor fand es auch auf der Brückenstraße, dem Schillerplatz, am Brühl oder am Hauptbahnhof statt. 2026 zieht es nun erstmals in den Bereich um den Hartmannplatz und die Markthalle. Wie kam es dazu?

Wie Ernesto Uhlmann erklärt, passt der neue Standort zum Selbstverständnis des Festivals: „Das Kosmos versteht sich als Festival, das die Stadt immer wieder neu entdeckt und unterschiedliche Räume öffnet. 2026 sollen wieder neue Orte in Chemnitz einbezogen werden. Die neue Location bietet die Möglichkeit, das Festival räumlich weiterzuentwickeln und neue Formate umzusetzen. Gleichzeitig spielen bei einem Festival dieser Größe auch praktische Faktoren eine Rolle. Mit den für 2026 zur Verfügung stehenden Mitteln lässt sich das Festival an diesem Standort effizient umsetzen, ohne das Programm inhaltlich grundlegend einschränken zu müssen. Darüber hinaus ist auch der Naturschutz selbstverständlich ein wichtiges Anliegen des Kosmos. Durch die Nutzung stärker urban geprägter Flächen können sensible Grünflächen entlastet werden“, erklärt Uhlmann im Interview mit BLICK.de weiter.

Stadt Chemnitz erstmals selbst Veranstalter

Was einige überraschen dürfte: In diesem Jahr ist die Stadt Chemnitz erstmals selbst Veranstalter des Events. Das Programm wird dabei unter der Leitung der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH realisiert.

„Weiterhin werden die gewachsenen Strukturen, insbesondere Akteure und Akteurinnen lokaler und überregionaler Kultureinrichtungen, Institutionen und Vereine, für die Umsetzung des Kosmos den Prozess begleiten und realisieren“, bestätigt das Team Kosmos.

Die Frage nach dem Line-up

Eine Frage brennt wohl vielen auf der Seele: Warum ist das musikalische Line-up in diesem Jahr eher auf Jüngere ausgerichtet? Altbekannte Acts für alle Generationen wie Silbermond, Herbert Grönemeyer oder Juli sind in diesem Jahr nicht im Programm zu finden. Viele sehen das als Kritikpunkt.

„Das Kosmos versteht sich bewusst nicht als klassisches Konzert mit einzelnen Headlinern im Zentrum, sondern als Ort des Entdeckens. Der Wert liegt in der Breite des Programms: national relevante Acts treffen auf lokale Newcomer-Bands und internationale DJ-Kollektive“, erklärt Uhlmann. Die Breite des Programms werde in den Bereichen Gesellschaft, Kunst, Sport und Wirtschaft deutlich. Diese Vielfalt richte sich nicht an eine einzelne Altersgruppe, sondern lade Generationen auf unterschiedliche Weise zum Mitmachen ein – nicht über ein großes Line-up-Highlight, sondern indem die ganze Stadt für einen Tag zur Bühne werde.

Zudem verriet er, dass die Acts keine gewöhnliche Gage wie bei anderen Festivals, sondern nur die Produktionskosten erhalten. Sonst würde sich ein kostenfreies Festival nicht so umsetzen lassen. Damit gestalte sich das Finden größerer Acts aber auch schwieriger.

Organisator zum Programm: „Wer sich treiben lässt wird definitiv etwas entdecken, das genau zu ihm oder ihr passt.“

250 Programmpunkte sind in diesem Jahr Teil des Kosmos. Welche Geheimtipps können die Veranstalter empfehlen? „Bei rund 250 Programmpunkten hat jeder einzelne Beitrag seinen eigenen Reiz, und genau darin liegt der Charakter des Kosmos. Wer sich treiben lässt und durch die Stadt zieht, wird definitiv etwas entdecken, das genau zu ihm oder ihr passt. Oft sind es ja gerade die kleinen, unerwarteten Begegnungen abseits der großen Bühnen, die im Nachhinein am meisten hängen bleiben“, so Uhlmann.

Auf der Fabrikstraße wird es wieder die bekannte „Meile der Initiativen“ mit vielen Mitmachangeboten geben. Musikalisch sind die wohl bekanntesten Namen im Line-up OK KID, ok.danke.tschüss, Alexander Marcus, Mariybu, Mika Noé, Dani Lia, Power Plush und Beslik. Als bekannte Speaker und Speakerinnen sind u. a. Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer, der ghanaische Musiker Joseph „Nana Kwame“ Awuah-Darko / Okuntakinte, Journalist und Aktivist Arne Semsrott und Grünen-Politikerin Ramona Wuttig mit dabei.

Die Kinder dürfen sich ganz besonders auf den Stargast „Kikaninchen“ aus dem Kinderfernsehen (14.30 bis 15 Uhr) auf der Kosmos-Bühne freuen. Es wird ebenfalls auch wieder die Zwergstadt geben und die TU Chemnitz hat einige Programmpunkte zur Kinderuni geplant.

Wer wird der Secret Act?

In diesem Jahr gibt es im Line-up auch einen geheimen Headliner. Dieser soll die Spannung vor dem Festival steigern. Gegenüber BLICK.de durfte Ernesto Uhlmann leider keine Tipps geben, wer sich dahinter verbergen könnte. Er erklärte, dass der Secret Act „zur richtigen Zeit“ über die Kanäle des Kosmos online bekannt gegeben werde. Die Veranstalter hätten jedoch die Umfrage bei BLICK.de verfolgt, in der aktuell abgestimmt werden kann, wer als realistischer Secret Act vermutet wird. Momentan befindet sich die Dresdner Band 01099 hoch im Kurs der Gerüchteküche.

So kannst du beim Kosmos selbst mitmachen

Übrigens: Beim Kosmos konnten im Vorfeld Vereine, Institutionen und alle, die selbst etwas Cooles auf die Beine stellen wollten, Projektideen einreichen.

„Wir freuen uns, dass über den Open Call so viele Ideen eingereicht wurden, die jetzt von diesen Menschen auch umgesetzt werden. Für das Festival selbst freuen wir uns noch über helfende Hände. Wer als Volunteer Teil des Festivals werden möchte, kann sich via [email protected] melden“, so Uhlmann.

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