"Ich bin auf KI-Musik reingefallen " - Gewinner, Verlierer und ein Protest der Musikbranche

Zwischen Innovation und Verdrängung: KI-Musik verändert das Streaming rasant. Ein persönlicher Blick auf Chancen, Risiken und offene Fragen.

Deutschland

Wer von euch viel Musik hört, der weiß, dass Musik-Streamingplattformen, wie Spotify, Apple Music & Co, seinen Usern mithilfe von Algorithmen Playlisten mit neuer Musik generieren, die dem eigenen Hörgeschmack entsprechen sollen. So bleiben die User länger auf den Plattformen und das bringt mehr Gewinn.

Viele User nutzen diese Playlisten auch gern, weil sie neue Musik kennenlernen wollen. Spotify spielt beispielsweise auch nach dem Hören eines Podcasts neuerdings neue Musik aus, die dem Hörenden gefallen könnte. Für viele sind diese Funktionen wirklich toll und man kann neue Musik kennenlernen, die man so vielleicht sonst nie gefunden hätte und das passend zum eigenen Musikgeschmack.

Aktuelle Entwicklung im Bereich automatisierte Playlisten

Wild wird jedoch die neueste Entwicklung der Streamingplattformen, die vor allem in der Musikbranche für Protest sorgt. Mir selbst ist es in letzter Zeit häufig passiert, dass ich neue Bands gefunden habe, die mir wirklich gut gefallen haben. Wenn mir etwas gut gefällt, checke ich die Künstler und Künstlerinnen dann gern aus, schaue, wo sie beispielsweise herkommen, bald Konzerte spielen oder ich sie auf Festivals anschauen könnte.

Nun kam es leider immer häufiger vor, dass ich bei der Recherche zu verschiedenen Bands feststellen musste, dass es keine Webseiten oder kaum Social-Auftritte gibt. Wenn es dann doch mal einen Instagram-Acount gab, dann sah dieser merkwürdig aus. Damit meine ich, man hat keine Gesichter der Musiker und Musikerinnen gesehen, oder wählte Bildausschnitte, auf denen man nicht wirklich erkennen konnte, wer oder was dahinter steckt. Viele der Bilder waren auch nicht selbst fotografiert sondern wirkten beinahe wie Stockimages.

Die Ernüchterung

Es dauerte nicht lang, bis ich begriff, dass diese "Bands" gar nicht in echt existieren, sondern dass ich auf KI-generierte Musik "reingefallen" bin. Das ist für manche Menschen kein Drama und wenn die Musik gut ist, könnte man sie ja trotzdem anhören, vor allem im elektronischen Bereich dürfte es Usern vermehrt egal sein, woher die Musik stammt, wenn sie doch den Zweck erfüllt. Mir jedoch widerstrebt diese Entwicklung, die aktuell passiert. Stimmen werden von KI generiert, die Produktion von Songs, die in der Realität viele Stunden und Prozessschritte erfordert, übernimmt hier die Maschine.

Musikbranche ist sauer, die Debatte aktuell

Die Debatte um KI-Musik wird immer größer und ist gewiss vielschichtiger als gedacht. Denn am Ende muss ja dennoch ein "Mastermind" hinter der KI sitzen, das eine Idee hat, die von der Maschine umgesetzt werden soll. Vielleicht fehlt der Person auch das nötige Kleingeld um ins Studio zu gehen, das Talent oder das Knowhow in Sachen Musikproduktion. Dann könnte man argumentieren, dass KI viele Chancen für solche Personen bietet, um selbst zum Musiker werden zu können und Musik mit "neuen" Werkzeugen zu kreieren. Jedoch wissen die Creator, die mit der KI neue Musik generieren, meistens nicht, woher die Maschine die Inhalte holt und generiert, ob zum Beispiel Urheberrechtsverletzungen entstehen, da eine Melodie abgekupfert und nur leicht verändert wird. Der ganze KI-Bereich ist immer noch eine Grauzone.

Die Motivation hinter KI-Musik

Viel mehr sehe ich hinter KI-generierter Musik Menschen, die schnellen Profit machen wollen. Getreu dem Motto: Vielleicht wird ja doch ein Song ein viraler Hit. Auch kommen derzeit in Foren, wie Reddit, immer mehr Gerüchte auf, dass Plattformen selbst, wohl allen voran Spotify, KI-Musik generieren und sie den Usern vermehrt in den Playlisten ausspielen. Der Grund dafür liegt wohl auf der Hand: Weniger Gewinne an Künstler und Künstlerinnen ausschütten und diese in die eigenen Taschen packen. Natürlich nur reine Mutmaßung.

Spotify selbst sagte in einem Artikel mit der "Zeit", dass man "stark in automatisierte und manuelle Überprüfungen investiere." Im Mai 2023 seien bereits zehntausende KI-Songs der Plattform Boomy auf Spotify entfernt wurden, aber auch nur, weil Bots verstärkte die Hörerzahlen dieser Musik manipulierten, nicht weil es KI-Songs waren. In denen sieht Spotify nämlich per se erstmal kein Problem, nur wenn sich nicht an die Richtlinien der Plattform gehalten werde.

Es gibt zudem Berichte, dass Nutzer herausgefunden haben, dass ein und derselbe Song von Spotify unter verschiedenen Namen immer wieder automatisch vorgeschlagen wurde. Ein Versehen? Ich glaube nicht.

Mein Problem mit KI im Bereich Musik

Mein Problem mit KI-generierter Musik: Für mich ist Musik Kunst und ein Handwerk, was ich wegen seiner "herkömmlichen Weise" schätze. Menschen, die wirklich Instrumente erlernen, Ideen für Melodien entwickeln und durch Gesang ihre Emotionen ausdrücken. Das finde ich toll und will ich unterstützen. Ich als Mittelalter-Fangirl mag den Gedanken einfach, dass Musik vom Herzen kommt und von Hand gemacht, auch mal akustisch entstehen kann. Darum mag ich es nicht, wenn ich auf KI-Musik "hereinfalle". Ich werde solche Musik ja niemals live hören können, was damit den für mich wichtigen Teil der Musik-Experience (Konzerte), flöten gehen lässt. Leider. Das muss ja nicht jeder so sehen.

EU plant KI-Richtlinie

Zudem sehe ich das große Problem auch darin, dass es aktuell keine Kennzeichnung von KI-Musik auf Spotify und Co gibt. Der durchschnittliche User wird also gar nicht direkt merken, dass die Band XY, von der ihm ein neues Song in die Playliste gespült wurde, gar nicht in echt "existiert", es sei denn, er / sie stellt Nachforschungen an, wie ich. Das wird noch bis August 2026 so sein. Dann schiebt die EU (Artikel 50 der EU-Verordnung 2024/1689) glücklicherweise einen Riegel vor und verlangt, dass alle KI-generierten Inhalte verpflichtend gekennzeichnet werden müssen. Zumindest ein kleiner Lichtblick.

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