Ohne mein Smartphone kann ich nicht leben: Wie abhängig sind wir von der Digitalisierung?

Marius' Einblick Zwischen Dopaminfressern und FOMO

Marius' Einblick

Von Kurzvideoformaten bis zu kontaktlosen Bezahlmethoden: Wir brauchen sie jeden Tag, ununterbrochen - Smartphones. Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Elektronische Geräte sind mehr und mehr Teil unseres Alltagslebens geworden. Können wir uns überhaupt ein Leben ohne Handys vorstellen, ein Leben ohne Digitalisierung und technischen Fortschritt?

Gefangen im Digitalisierungsrausch

Schneller, effizienter und bedingungsloser: Laut Statista besitzen im Jahr 2024 etwa 82,9 Prozent der deutschen Bevölkerung ein Smartphone, und die Tendenz steigt weiter stark an. Laut verschiedenen Prognosen soll die Nutzung von Smartphones deutlich zunehmen. Diese Zahlen sind ein trauriger Beleg für die Abhängigkeit der Bevölkerung. Wir sind auf unsere Geräte angewiesen. In vielen Situationen erleichtern sie schwierige Prozesse, in anderen Fällen rauben sie uns unsere Zeit. Viele Handynutzer geben an, dass sie ihr Gerät ausschließlich zu Unterhaltungszwecken nutzen, vor allem für soziale Netzwerke, Kurzvideoformate und das schnelle Nachschlagen von Informationen im Internet. Doch wie gesund ist das für uns?

Swipen, Swipen und Swipen

Kurzvideoformate kennt jeder, und jeder ist schon einmal über solche Videos gestolpert. TikTok gilt als Vorreiter für die Etablierung der Kurzvideoformate. Kurze, prägnante Videos aus allen möglichen Bereichen, von Comedy bis hin zu Musikvideos, sind vertreten. Wenn mir etwas nicht gefällt, swipe ich weiter, und swipe und swipe. In kürzester Zeit ist die Zeit schneller vergangen, als ich dachte, und meine Aufmerksamkeitsspanne ist im Keller. Kurzvideoformate wurden immer beliebter und sind nun auch auf Instagram eine feste Größe; auch YouTube gibt dem Videoformat eine Bühne. Denn jeder liebt sie, und wenn TikTok mir nicht mehr den nötigen Content bietet, kann ich bequem zu Instagram wechseln und weiterswipen. Durch dieses ständige Wegwischen der Inhalte verschlechtert sich die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für diese "Swipesucht". Diese Art und Weise, Inhalte wahrzunehmen, ist eine ernstzunehmende Gefahr.

Die Gefahr der Dopaminfresser

Das Glückshormon Dopamin dient im Gehirn der Kommunikation der Nervenzellen untereinander und übermittelt positive Gefühle. Durch das ständige Swipen und Anschauen der Inhalte wird Dopamin ausgeschüttet. Zudem wird das Gehirn mit Informationen bombardiert und verliert dadurch schnell den Fokus. Wenn wir dann immer öfter die Kurzvideoformate anschauen, wird mit jedem Swipe unsere Aufmerksamkeitsspanne weiter abgebaut. Das ist die wahre Gefahr, die von solchen Formaten ausgeht. Im Alltag fällt es uns dann immer schwerer, den Fokus zu halten, was die Leistungen in der Schule, in der Universität oder auf der Arbeit beeinträchtigen kann. Zudem fällt es uns schwerer, einfache Dinge zu erledigen, da das Gehirn sich an den Informationsrausch gewöhnt hat. Schlussendlich kann das sogar gesundheitliche Folgen haben und uns wirklich krank machen.

Wie sozial sind soziale Netzwerke?

Ein weiterer großer Punkt in der Betrachtung sind soziale Netzwerke. Fast jeder Handynutzer ist auch gleichzeitig bei einem sozialen Netzwerk angemeldet. Grundsätzlich sind soziale Netzwerke wunderbar geeignet für die Vernetzung mit Freunden oder das Teilen von Inhalten, aber sie verbergen auch einige Gefahren. Eine der größten Gefahren ist die Fear Of Missing Out (kurz FOMO). FOMO bezeichnet ein Phänomen, bei dem Menschen Angst haben, soziale Events zu verpassen und dadurch negative Verstimmungen erleiden. FOMO ist ein neuzeitiges Problem, das durch soziale Netzwerke verstärkt wird. Beispielsweise kann man eine Party nicht besuchen, weil am nächsten Tag eine wichtige Prüfung ansteht, und dann sieht man in sämtlichen Instagram-Stories, dass die Party viel Spaß zu machen scheint. Man selbst fühlt sich dann schlecht, weil man etwas verpasst und sich ausgeschlossen fühlt. Dieses Phänomen ist erst mit der wachsenden Digitalisierung aufgetreten. Deswegen ist es umso wichtiger, vor allem junge Menschen darüber aufzuklären, welche Gefahren soziale Medien mit sich bringen.

Soziale Ausgrenzung und Abschottung

Ein letztes großes Thema ist die soziale Ausgrenzung. Ein enger Freund von mir steht kurz vor dem Abschluss seines Meisters bei der Handwerkskammer. In seiner Klasse ist ein junger Mann, der kein Smartphone besitzt und ein zurückgezogenes Leben führt. In einem Gespräch berichtete mir mein Freund von ihm. Er selbst fühlt sich ausgegrenzt, da er nicht in Gruppenchats teilnehmen kann, keine aktuellen Nachrichten mitbekommt und auch in der Klasse oft verspottet wird, weil er kein Smartphone besitzt. So weit hat die Digitalisierung uns getrieben: Wir diskriminieren Menschen, weil sie Smartphones und soziale Medien nicht zum Glücklichsein brauchen. Das ist eine traurige Entwicklung. Hoffnungsvoll kann ich sagen, dass der junge Mann meint, dass er trotz der Umstände sein Leben nicht verändern will, da er auf diese Weise deutlich glücklicher und zufriedener ist.

Meine eigene Meinung

Resümierend kann ich sagen, dass ich kein Gegner sozialer Medien und Smartphones bin. Der Text soll lediglich zum Nachdenken anregen. Ich selbst benutze Kurzvideoformate und soziale Netzwerke und habe schon an mir selbst erfahren, dass meine Aufmerksamkeitsspanne extrem darunter gelitten hat. Deswegen habe ich angefangen, meine Zeit am Handy zu begrenzen und mich wieder anderen Dingen zu widmen. Ein gutes Gespräch, ein schöner Spaziergang oder ein interessantes Buch - es gibt so viele schöne Dinge. Lasst das Handy mal liegen und widmet euch wieder Dingen, die euch Spaß machen, denn diese Zeit ist echte Qualität. Seit ich mein Handy nicht mehr so häufig benutze, habe ich viel mehr Zeit für Hobbys. In diesem Sinne: Nehmt euch die Zeit und lasst euch nicht von den Geräten in den Bann ziehen. Denn nur du allein bestimmst, wie abhängig du von der Technik sein möchtest.

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