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Nie wieder Krieg!

Jonahs Spoilerfreie Filmerfahrung "Im Westen nichts Neues" hat mich fassungslos gemacht

Als ich zum ersten mal davon gehört habe, dass Netflix eine Neuverfilmung des Romans "Im Westen nichts Neues" dreht, war mein erstes Gefühl wie natürlich so oft bei Netflix-Filmen Skepsis. Denn die meisten Netflixfilme sind eben leichte Kost. Filme, die man entspannt beispielsweise bei einem Netflix&Chill-Abend nebenbei konsumieren kann. Dass sich das Unternehmen an so einen schweren und ernsten Stoff herantraut, ist ungewöhnlich. Jedoch muss ich auch zugeben den Roman von Erich Maria Remarque, welcher 1928 erschien und eine Reaktion auf den Umgang der Gesellschaft der Weimarer Republik mit dem ersten Weltkrieg war, nicht gelesen zu haben. Doch nach einigen Reviews und dem eigenen Auseinandersetzen mit dem Thema war ich doch gespannt auf die Veröffentlichung. 

Nichts ist geschönt

Schon vor der eigentlichen Handlung springt der Film wie ein harter Schlag direkt in das Kriegsübel ein. Ein Junge, welcher im Gesicht so zart aussieht, dass er fast als Kind durchgehen könnte, muss aus dem Graben vorrücken und dem Kugelhagel entgegenrennen. Es tut schon da weh zu sehen, wie angsterfüllt sein Gesicht ist. Und da geht der Film erst drei Minuten. 

1917, im dritten Kriegsjahr, meldet sich der 17-jährige Abiturient Paul Bäumer freiwillig zum Dienst. Er und seine drei Schulfreunden Albert, Frantz und Ludwig glühen förmlich vor Stolz und Vorfreude auf das, was noch kommt. Besser gesagt auf das, was sie dachten. Direkt am ersten Tag an der Westfront merken die Jungs, was an dieser so schön und heldenhaft ist. Nämlich absolut gar nichts. Sinnlose Befehle und Attacken zermürben einen genauso die ständige Angst vor Granateneinschlägen und Gas-Angriffen. Die Verrohung der Soldaten im Laufe der Zeit fühlt sich als eine der wenigen Dinge im Film menschlich an. Was Krieg mit einem macht, wird im Verlauf des Filmes immer deutlicher. 

Als 24-jähriger habe ich schon einiges an Gewaltakten in Medien gesehen. Dachte ich. Denn wie die Kamera hier auf die Gewalt und die Taten der Soldaten draufhält, ist unvergleichlich bedrückend. Wenn man einen Mann zwei Minuten dabei zusieht, wie er an einem Blut erstickt, muss man mal kurz auf Pause drücken und durchatmen. Ich fühlte mich fast unwohl dabei, die Handlung, welche die ungeschönte Realität wiedergibt, mit einer Jogginghose entspannt auf dem heimischen Sofa zu verfolgen. Selbst ähnliche Filme wie "Der Soldat James Ryan" schaffen es nicht so unmissverständlich, Krieg als das hinzustellen was es ist: Das schrecklichste Übel der Menschheit, bei dem es nur Verlierer gibt. Es gibt keine Herorisierung, der Protagonist Paul ist nicht anders oder besser als jeder andere Soldat, was ihn austauschbar macht. Es gibt auch nicht diesen einen Gegenspieler, der Antagonist ist der Krieg. 

Ein MustSee

"Im Westen nichts Neues" zeigt, was eigentlich jedem klar sein muss. Krieg ist schrecklich. Krieg ist die dunkelste Seite der Menschheit und niemals die Lösung. Das Leid der Soldaten, das Leid einer ganzen Generation, ist mit nichts aufzuwiegen. Der Film schafft es, dass rüberzubringen, was er rüberbringen will, und das dank der Brutalität auf einer unmissverständlichen Art und Weise. Er ist eben nicht ein Film für nebenbei. Er erfordert und verdient die komplette Aufmerksamkeit. Er ist ein Kriegsfilm, welcher am liebsten gar keiner sein möchte. Für mich der beste und härteste Streifen, den ich dieses Jahr gesehen habe. 

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