So war das WGT 2024: Jungfrauenversteigerung und einzigartige Menschen

Anikas WGT-Besuch Wave-Gotik-Treffen lockte nach Leipzig

Anikas WGT-Besuch
Leipzig. 

Das 31. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig ist am Pfingstmontag zu Ende gegangen. Das war nun schon mein achtes WGT und noch immer freut es mich zu sehen, wie die Weirdos in Schwarz, zu denen ich mich selbst zähle, aus der ganzen Welt nach Leipzig kommen, um gemeinsam ihre Kultur zu feiern. Dazu gehören natürlich Partys, Konzerte, Lesungen, Modenschauen, Shopping, und vieles mehr. An diesem Wochenende ist man nicht mehr der komische Grufti, sondern man erlebt Gemeinschaft und feiert das Anderssein. 

Mein WGT-Freitag:

Angefangen hat das WGT traditionell für mich mit dem "Viktorianischen Picknick" im Clara-Zetkin-Park. Nachdem ich die Staus und vor allem die Parkplatzsuche überwunden hatte, konnte ich viele tolle Besucherinner und Besucher des Festivals treffen und für euch die ausgefallensten Looks fotografisch festhalten. Denn das Picknick ist nicht nur ein normales Picknick. Hier kommen WGTler zusammen und präsentieren ihre Outfits, an denen sie teilweise ein ganzes Jahr gearbeitet haben, dem Publikum. Viele Fotografen und Schaulustige lichten sie ab und man sieht hier einiges. Das traditionellste Outfit ist wohl das dunkel-romantische Barockkleid mit Reifrock. Auch Fetischoutfits in Lack und Leder, Petplayer, Steampunker oder einfach nur fabelhafte Wesen sind hier anzutreffen. Man konnte in diesem Jahr sogar Kutschfahrten unternehmen. 

Nachdem das Picknick vorüber war und ich meinen Pressepass am Agra Messegelände abgeholt hatte, traf ich u.a. zwei fantastische Wesen, das Foto findet ihr in der Galerie. ;) Nach einem kleinen Bummel durch die Shoppinghalle und einer Stärkung machte ich mich dann schon auf ins Haus Leipzig, denn dort hatte sich die erste Band, die ich gern ansehen wollte, angekündigt: X-RX. In der heißen Location gab es Elektro, Wave und ein bisschen Hardstyle auf die Ohren. Partystimmung vom Feinsten und einen Einlassstop ebenfalls. Das Duo war sehr begehrt an diesem Abend. 

Mein WGT-Samstag: 

Gestärkt begann der Samstag bei mir etwas chaotischer, als gedacht. Eigentlich wollte ich zum Leichenwagentreff am Südfriedhof. Ja, ihr habt richtig gelesen: Leichenwagen. Es gibt eine Community in der Szene, die sich Leichenwagen kaufen und als eine Art Grufticampingvan ausbauen. Jedes Jahr treffen sie sich in Leipzig und fahren dann in Kolonne und von der Polizei begleitet eine Schau durch die Stadt. Die Kolonne habe ich gesehen, jedoch habe ich meinen Bus verpasst und machte mich deshalb direkt auf zu Heidnischen Dorf (Heido). In der Tram begegnete ich direkte guten Freunden, wie das Schicksal es so wollte und wir verbrachten einen netten Nachmittag.

Das Heido fährt am WGT-Samstag immer richtig für die Besucher und Besucherinnen auf, denn es ist eine der wenigen Locations, wo Normalos mit einem Tagesticket hineinkommen können. An diesem Nachmittag versüßten Die Habenichtse und auch Mr. Irish Bastard den Menschen den Tag, um nur einige zu nennen.

Bandfotos Die Habenichtse:

Irish Folk und Mittelalterrock gefallen mir ja sowieso. Deshalb führt auch kein Weg am Heido vorbei. 

Bandfotos Mr. Irish Bastard:

Die Jungfrauen-Versteigerung

Während ich an den Verkaufsständen wartete, passierte etwas, wovon ich schon lange gehört, es aber nie mit eigenen Augen oder gar am eigenen Leib erlebt habe: Eine Horde mittelalterlich gekleidete Männer rief lauthals "Jungfrauenversteigerung". Unsere Blicke trafen sich und schon war ich umzingelt. Ich machte den Spaß selbstverständlich mit und wurde direkt an ein Seil gefesselt und mit anderen Frauen und Männern "durchs Dorf" gezogen. "Frische Ware" riefen die Herren und brachten uns zur kleinen Bühne. Dort wurde ich dann dem Publikum "vorgeführt" und danach an eine Elfe aus der ersten Reihe versteigert. Das Ganze ist eine lustige Tradition, vor der man keine Angst haben muss. 

Als nächstes waren Instrict Confidence auf der Agra angekündigt, deshalb schaute ich bei der Elektrogruppe vorbei. Die Halle war sehr gut gefüllt und schnell waren die ersten Tänzer in der Crowd zu sehen. Die Outfits der Band waren ziemlich cool, aber seht selbst:

Bandfotos Instrict Confidence:

Mia Morgan als überraschendes Highlight mit politischer Botschaft

Den ganzen Tag hatte ich mich schon auf das Konzert von Mia Morgan im Stadtbad Leipzig gefreut. Natürlich war ich zuerst verwundert, als sie im Line-Up bekanntgegeben wurde, aber eigentlich passte sie als kleiner Sugar-Goth doch schon auch irgendwie in die Szene. Letzten November war ich bereits zum ersten Mal auf einem eigenen Konzert von ihr in Chemnitz im Atomino. (BLICK.de berichtete) Dabei habe ich mich ein bisschen in die Musik verliebt. Deshalb war der WGT-Gig im Stadtbad Pflichtprogramm. Diesmal konnte ich die Texte sogar mitsingen. Einfach nur gut. Diese Frau braucht mehr Gehör! Was ich besonders gut fand: Mia machte als einzige Künstlerin, die ich auf dem WGT gesehen habe, eine Botschaft an die Szene, dass man sich gegen Diskriminierung, Intoleranz und Rassismus in der Szene und auch außerhalb positionieren soll. Ich fand das ziemlich mutig und sie bekam nicht nur Jubel dafür, was wirklich schade war, aber meinen vollsten Respekt. Man merkte auch, dass sie viel nervöser war, als sonst, aber musikalisch lieferte sie ab.

Bandfotos Mia Morgan:

Am Abend rief die berühmt-berüchtigte Fetisch-Party Obsession Bizarre in die Kuppelhalle des Volkspalasts. Das ist DIE Party auf dem WGT und rein kommt nur, wer das richtige Outfit trägt. Es ist jedes Jahr wieder ein besonderes Erlebnis die Outfits der Leute zu sehen und die bunte Vielfalt an Menschen. Natürlich verrate ich euch nicht, was auf der Fetischparty alles vor sich geht, immerhin ist auch Fotografieren untersagt und das hat seine Gründe. ;)

Mein WGT-Sonntag:

Mein Highlight am Sonntag war ganz klar das Konzert der Band Enemy Inside. Ich habe die Band damals, 2019, für ihr erstes Album "Phoenix" getroffen und mich gleich super mit den Musikern aus dem Raum Aschaffenburg verstanden. Seitdem hat sich eine kleine Freundschaft entwickelt und natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, das Konzert am Sonntagabend im Felsenkeller anzuschauen. Die Band steht kurz vor der Release der neuen Single "What We Used To Be", die ein neues Album ankündigen wird und noch cooler fand ich es, dass der Song an diesem Abend vor der schwarzen Szene seine Live-Premiere feiern durfte. Danach ging es im Felsi sehr metalisch weiter. Die Band Keep Of Kalessin aus Norwegen hatte die richtig harten Metalriffs ausgepackt.

Bandfotos Enemy Inside:

Mein WGT-Montag:

Am Montag spielte ein Band, die ich schon super lange einmal live erleben wollte: Twins In Fear. Ich nenne dieses Genre manchmal Psychomusik, weil das anders ist, als anderes. Das muss man hören. Leider habe ich den Auftritt nicht gesehen, aber die Mädels sind dennoch eine Empfehlung von mir. Was natürlich auch immer geht, ist der WGT-Abschluss im Felsenkeller, weil dort dir rockigsten Bands spielen. Hier konnte man Megaherz, Stoneman, Schattenmann, Schwarzer Engel und Maerzfeld erleben. Gerade Rammstein-Fans sind hier auf ihre Kosten gekommen, weil die meistens Bands in der Neuen Deutschen Härte angesiedelt sind. 

Wer es romantischer mochte, dem kann ich auch die Feuershow im Heido empfehlen, die immer abends nach der letzten Band gezeigt wird. Ich habe sie zum ersten Mal erlebt und finde sie mega. Die Feuershow findet täglich statt. Hier im Heido haben übrigens Tanzwut als Headliner des Abends gespielt.

Ausblick

Es ist wie es ist: Das WGT hat so viele Bands und Locations zu bieten, dass man sich jedes Jahr am besten zerteilen möchte, um alles mitnehmen zu können. Was mir in diesem Jahr gut gefallen hat war das Heidnische Dorf mit seiner Feuershow, welche im Dunkel einen besonderen Flair hat und die Auftritte von Mia Morgan und Enemy Inside. Auch die Jungfrauenversteigerung war sehr lustig und natürlich auch das Wiedersehen mit zahlreichen Freunden der Community. Was mir in diesem Jahr nicht so gut gefallen hat war leider das Band-Line-Up. Mir haben ein paar bekanntere Künstler und Bands als Headliner gefehlt, was ich sehr schade fand, aber auch abseits der Musik gab es genug auf dem Festival zu entdecken. Die schwarze Szene hat einmal mehr Leipzig unsicher gemacht und das war auch gut so. Es hat Spaß gemacht. 

Ich freue mich natürlich schon sehr aufs nächste Jahr, da wird das Wave-Gotik-Treffen vom 6. bis 9. Juni 2025 stattfinden.

Alles zum WGT 2024

 

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