Wenn das Konzept "Kaufhaus" nicht mehr zeitgemäß ist, oder doch?

Anikas Kommentar Wird Galeria Kaufhof in Chemnitz geschlossen?

Anikas Kommentar

Es ist ein hartes und schon langes Bangen für die 125 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Chemnitzer Kaufhofs Galeria Karstadt. Seit 2020 steht die Kaufhausfiliale auf der Kippe. Vor zwei Jahren konnte die Filiale doch noch vor der Schließung gerettet werden. Nun steht das Kaufhof-Team vor demselben Zittern, wie schon vor zwei Jahren. Der letzte große Warenhauskonzern hat zum zweiten Mal ein Schutzschirm-Verfahren begonnen. Ein Drittel der über 17.000 Arbeitsplätze stehen deutschlandweit auf dem Spiel. Welche Filialen betroffen sind, bleibt abzuwarten. Auch wenn man die Wahrscheinlichkeit recht gut abschätzen kann, ob eine knapp gerettete Filiale zum zweiten Mal überleben wird oder nicht. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Ver.di wolle um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen und im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025 setze man sich für den Erhalt ein. Man prüfe und analysiere aktuell jede einzelne Filiale hieß es aus der Geschäftsleitung von Galeria Karstadt Kaufhof. Die Mitarbeitenden machen sich aktuell gegen eine Schließung stark und versuchen dem Kaufhaus ein Gesicht zu geben.

War dieser Trend abzusehen und hätte eher gehandelt werden müssen?

Blicken wir einmal in der Geschichte zurück. Galeria Kaufhof wurde bereits 1879 gegründet. Im Jahr 2000 ging es der Warenhauskette gut und auch der große Konkurrent Karstadt, der 2019 von Galeria Kaufhof übernommen wurde, verzeichnete sehr gute Umsatzzahlen. Bis 2007/08 pendelte sich der Umsatz der Kaufhausriesen zwischen 3 und 4 Milliarden Euro pro Jahr ein. Doch dann kam der starke Abfall und die Zahlen wurden rückläufig.  2017 machte Karstadt nur noch 2,19 Milliarden Euro Umsatz und Galeria Kaufhof 2,6 Milliarden Euro.  

Ich denke es ist kein Geheimnis, dass in den Jahren 2007/2008 der Onlinehandel langsam immer mehr an Bedeutung gewann. Der Onlinehändler Amazon schaffte in dieser Zeit seinen Durchbruch in Deutschland. Mittlerweile ist Deutschland der wichtigste Auslandmarkt des amerikanischen Unternehmens und machte allein 2018 weltweit 19,9 Milliarden Euro. Während Amazon Jahr für Jahr expandiert, sind Galerias Zahlen rückläufig. Immer wieder gab es Vorwürfe, dass das Unternehmen zu altbacken wäre. Anfang der 1990er Jahre hatte es bei Galeria bereits zwei Versuche (in Aachen und München) gegeben, eine jüngere Zielgruppe unter 40 Jahren anzusprechen. Vielleicht hätten diese Versuche bis in die Gegenwart weitergeführt werden müssen.

Stillstand ist Rückstand

Ein Sprichwort sagt: Wer nicht mit der Zeit geht, wird abgehängt. Oder: Stillstand ist Rückstand. Natürlich kann man an Altbewährten festhalten und sich gegen neue Entwicklungen wehren, aber dann wird es nicht gut für einen ausgehen. Man kann aber auch versuchen neue Wege zu gehen und umzudenken. Ich habe das Gefühl Galeria hat arg versucht an Altem festzuhalten. Aber ich habe natürlich keine internen Einblicke, sicher sitzen da auch viele Leute, die wirklich gute Ideen haben. 

Geht man heute in eine Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof, zum Beispiel in unsere in Chemnitz, fällt einiges auf. Ich als Mensch unter 30 fühle mich nicht abgeholt. Die Preise sind oft höher als im Onlinehandel, da fehlen oft günstigere Alternativen. Außerdem ist die Mode für mich sehr altbacken. Ich gebe euch ein paar Beispiele. Der geringste Teil der Handtaschenabteilung ist schön und modern. Gehe ich in die Unterwäscheabteilung graut es mir, ebenso in der Kleidungsabteilung. Man sieht immer die Marken, die von älteren Leuten getragen werden. Diese Zielgruppe muss natürlich abgeholt werden, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass es Altersarmut gibt und die junge Zielgruppe die kaufkräftigste ist.

Wusstet ihr, dass es einen Feinkost-Supermarkt in der Chemnitzer Filiale gibt?

Ich für meinen Teil kaufe auch recht selten hochwertigen Schmuck oder Uhren, die Abteilung dafür im Eingangsbereich in Chemnitz ist aber sehr riesig, wie ich finde. Braucht man das wirklich? Auch die Bürobedarfsabteilung ist sehr groß und direkt im Erdgeschoss. Warum sollte mich der Bürobedarf ins Kaufhaus locken, wenn ich draußen am Schaufenster in der Straße "Am Rathaus" vorbeilaufe? Das passiert doch nicht. Gut, die Schaufenster an der Zentralhaltestelle sind ganz schön dekoriert... die meiste Zeit im Jahr. 

Wusstet ihr übrigens schon von der Feinkostabteilung im Erdgeschoss ganz hinten? Es gib einen kleinen hochwertigen Supermarkt, wo man schnell nach der Arbeit, wenn man an der Zenti steht und einem einfällt, dass man was vergessen hat zu holen, nochmal einkaufen gehen kann. Denn Alternativen im direkten Umkreis gibt es nicht, außer Denns Biomarkt und den Läden am Wall. Dorthin ist der Weg aber manchmal zu weit, wenn es schnell gehen soll. Für Großeinkäufe lohnt sich der Feinkostladen bei Galeria allerdings nicht, da die Preise sehr viel höher sind als im normalen Supermarkt. Klar, ist ja auch ein Kaufhaus.

In Amerika funktioniert es auch, warum nicht in Deutschland?

Ich war kürzlich in Amerika und habe da in New York das größte Kaufhaus der USA, das "Macy's", besucht. (Siehe Bildergalerie Bild 5 bis 7) Es hat Tradition und ist bekannt, wie Galeria. Doch einen großen Unterschied gibt es. Hier glitzern die Augen, wenn man den Eingang betritt. Im Erdgeschoss erreichen einen die neusten Parfüme, hier hat jede große Marke einen eigenen Stand. Sonnenbrillen und Schmuck der krassesten Marken, Handtaschen und Schuhe von schrägen Designern, die aber zum Zahn der Zeit passen. Hier weiß ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll, weil mich bunte, glitzernde High Heels in allen Farben und Absätzen anlachen. Auch die Sportabteilung hat mich umgehauen und ich habe mich dazu hinreißen lassen ein ganzes Sportset für knapp 200 Euro einzukaufen. Dabei fällt auf, dass die Stände wirklich viel auffälliger, abgetrennter, moderner, hochwertiger Aussehen. So als hätten richtig krasse Marketingmanager diese Counter designt. 

Ich glaube wirklich Galeria müsste komplett sein Image ändern und ob das finanziell überhaupt drin ist glaube ich kaum. Die wirklich angesagten Trends müssen ins Blickfeld gerückt werden. Dazu braucht man Lichter, große bunte Banner. Der Kunde muss etwas entdecken können. Und dazu braucht man auch gute Angebote auch mit günstigeren Alternativen, nicht umsonst kaufen die jungen Leute bei Amazon, Asos, Aboutyou.de und Co. Die Stützstrumpfhosen müssen dringend aus dem Eingangsbereich weg! Ich denke, nur das absolute Umkrempeln könnte die Leute wieder begeistern. Aber wer bin ich schon, eine junge Frau, die lieber woanders als bei Galeria einkauft, weil sie sich nicht repräsentiert und abgeholt fühlt.

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