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EM-Kompakt: Und da waren es nur noch vier...

FUSSBALL Spanien, Italien, Dänemark und England im Halbfinale

Spanien beendet Schweizer Sommermärchen

Das erste Viertelfinale zwischen Spanien und der Schweiz ging bis ins Elfmeterschießen. Final hatten die spanischen Kicker die besseren Nerven und zogen nach dem 3:1 ins Halbfinale ein. Die Eidgenossen können dennoch stolz auf die gezeigte Leistung sowohl in diesem Spiel als auch während des gesamten Turniers sein.

Spanien machte genau dort weiter, wo sie in den beiden letzten Spielen aufgehört hatten: eine Torfabrik zu sein. Bereits nach acht Minuten ging der Favorit in Führung, den Schuss von Jordi Alba fälschte Denis Zakaria unhaltbar für Yann Sommer - es war das nunmehr zehnte Eigentor bei der "Europameisterschaft der Eigentore". Zum Vergleich: In allen Endrunden der EM-Geschichten fielen zuvor gerade einmal neun Eigentore.

Zurück auf den Rasen der "Gazprom Arena" in St. Petersburg, die mit 24.764 Zuschauern gefüllt gewesen ist. Und für die Schweiz ging es schlecht weiter, in der 23. Minute musste Breel Embolo verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Kapitän Xhaka fehlte zudem wegen einer Gelbsperre. Die Schweiz blieb stabil und im Spiel, zu einem Erfolgserlebnis kamen sie verdientermaßen nach der Pause. Neu-Kapitän Xherdan Shaqiri erzielte in der 68. Minute das Ausgleichstor und nutzte dabei einen spanischen Slapstick-Doppelfehler aus. Zehn Minuten später machten es sich die Schweizer wieder selbst unnötig schwerer. Remo Freuler streckte Gerard Moreno mit einem heftigen Foulspiel nieder und erhielt dafür die rote Karte. Die Eidgenosse retteten sich gegen durch die Überzahl wieder stärker werdenden Spanier erst in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen - und dieses begann bestens: Sergio Busquets schoss an den Pfosten und Mario Gavranovic traf. Führung für die Schweiz. Unai Simon pariert Fabian Schär, Yann Sommer macht es nach einem verwandelten Olmo-Elfmeter gegen Rodrigo. 2:1 für die Schweizer, doch danach versagten Manuel Akanji und Ruben Vargas die Nerven. Den Showdown beendete schließlich Mikel Oyarzabal für "La Furia Roja".

Belgien stark, Italien noch stärker

Im zweiten Viertelfinale trafen mit Italien und Belgien zwei der stärksten Teams der Vorrunde aufeinander - und genau diesem Anspruch wurden beide - vor allem in der ersten Halbzeit - auch mehr als gerecht. Ein fabelhaftes Fußballspiel in Sachen Taktik, Spielkultur und individueller Klasse, das nach umkämpften 90 Minuten die "Squadra Azzurra" mit 2:1 für sich entscheiden konnte und damit seit mittlerweile 32 Spielen ungeschlagen ist. Die "goldenen Generation" von Belgien wiederum schafft erneut den großen Coup nicht.

Bei den Italiener kehrte mit Kapitän Giorgio Chiellini nach überstandener Muskelverletzung der Fels in der Brandung wieder in die Innenverteidigung zurück; bei den Belgiern konnte Kevin De Bruyne nach einer Verletzung am Sprunggelenk der Spiritus rector im Mittelfeld spielen - und er war es auch, welcher die Angriffe der "Roten Teufel" initiierte. Das erste Tor fiel aber auf der Gegenseite, Abwehrrecke Leonardo Bonucci traf, jedoch hielt der Jubel aufgrund einer Abseitsposition nicht lange an. Belgien blieb am Drücker und hatte durch De Bruyne und Romelu Lukaku zwei Möglichkeiten zur Führung. Für diese sorgte letztlich aber Nicolò Barella nach leichtfertigen Ballverlust von Jan Vertonghen in der 31. Minute, eine Minute vor der Pause schlenzte Lorenzo Insigne sehenswert in den Winkel. Den Schlusspunkt dieser sensationellen ersten Halbzeit vor 12.984 Zuschauern in der Münchner "Allianz-Arena" setzte Lukaku mit einem verwandelten Elfmeter.

Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel weiterhin auf einem sehr hohem Niveau, Belgien ackerte artig, um den Ausgleich zu erzielen. Die beste Chance hatte Lukaku nach Vorlage von De Bruyne; den Einschlag wusste Leonardo Spinazzola, der kurze Zeit später verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste, zu verhindern. In der Schlussphase tat die italienische Nationalmannschaft das, wofür sie schon seit Jahrzehnten bekannt ist: Catenaccio und auf Zeit spielen. Nach 96. Minuten pfiff der schwache Schiedsrichter Slavko Vincic aus Slowenien das bis dato schönste Spiel dieser EURO ab.

Dänemarks zwölfter Mann ist der Trainer

Die Europameisterschaft begann für Dänemark mit dem Erikson-Schock und der Niederlage gegen Finnland. Jedoch machte das Team von Kasper Hjulmand diesen Tief- zu einem Wendepunkt und kämpfte sich ins Turnier zurück. Und die Reise von "Danish Dynamite" setzt sich fort und geht im Halbfinale weiter. Denn vor 16.306 Zuschauern im "Olympiastadion" in Baku wurde ein starkes Tschechien mit 2:1 in die Knie gezwungen - und das gelang vor allem, weil Dänemarks zwölfter Mann, Trainer Kasper Hjulmand, erneut mit taktischen Umstellungen während der Partie für die Entscheidung sorgte.

Beim Führungstreffer in der fünften Minute hatte vor allem der Linienrichter eine Aktie daran, als dieser fälschlicherweise auf Eckball entschied. Jens Stryger Larsen trat diese mit Schärfe und Präzision, und der im Zentrum vollkommen freistehende Thomas Delaney von Borussia Dortmund köpfte schulbuchmäßig ein. Anschließend ergaben sich auf beiden Seiten mehrere Chancen, dessen ungeachtet war Dänemark das bessere und zielstrebigere Team - und das lag wiederum an einer Systemumstellung nach einer halben Stunde. Aus der Dreier- wurde eine Viererkette und der etatmäßige Innenverteidiger Andreas Christensen gewann auf der Sechserposition wichtige Zweikämpfe. In der 42. Minute traf Kasper Dolberg nach einer perfekten Vorlage von Joakim Maehle zum Pausenstand von 2:0.

Patrik Schick überwand nach 49. Minuten Kasper Schmeichel und ließ damit wieder eine leise Hoffnung aufkeimen, verstärkt wurde diese durch die offensiven Wechsel zu Pause. Mit dem fünften Turniertreffer zieht der Stürmer von Bayer Leverkusen übrigens mit Milan Baros gleich, der 2004 ebenso fünf Tore erzielen konnte. Dänemark wackelte und fand final das Konzept nach der Einwechslung von Yussuf Poulsen wieder. Der Stürmer von RasenBallsport Leipzig hatte mehrfach die Möglichkeit, den dritten dänischen Treffer zu erzielen. Zudem agierte er als erster Verteidiger.

Die englische Mauer: 0 Gegentore in 5 Spielen

Das größte Problem hatte England stets auf der Torwartposition gehabt, nur scheint es dieses diesmal nicht zu geben. Jordan Pickford von FC Everton hat bis dato in allen fünf Spielen bei der Europameisterschaft seinen Kasten sauber gehalten - und das als einziger! Dazu hat Harry Kane nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Deutschland seine Torflaute beendet - und in der vierten Minute im Viertelfinale gegen die Ukrainer erzielte der Kapitän der "Three Lions" nach Vorlage mit Raheem Sterling mit der Picke die frühe Führung. Die 11.800 Zuschauer im "Olimpico" in Rom sahen ein recht einseitiges Spiel. Die Ukraine, die in jedem EM-Spiel Akzente setzen konnte, waren gegen die Engländer spielerisch und körperlich unterlegen und damit absolut chancenlos.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel köpfte Harry Maguire eine Freistoßflanke von Luke Shaw zum 2:0 ein - es war die Vorentscheidung. In der Folgezeit zerlegten die Engländer nach allen Regeln der Fussballkunst das Team von Andriy Shevchenko. Bereits in der 50. Minute schraubte Harry Kane nach genialen Vorlage wiederum von Luke Shaw via Kopfball die Führung auf 3:0 in die Höhe. Nach etwas mehr als einer Stunde trug sich der eingewechselte Jordan Henderson in die Torschützenliste ein. England zieht damit ohne Glanz, dafür aber mit reichlich Gloria ins Halbfinale ein - und das ist nach 1996 erst der zweite Halbfinaleinzug in der Geschichte.

Das Halbfinale bestreiten:

Italien - Spanien: Di, 6. Juli 21 Uhr

England - Dänemark: Mi, 7. Juli 21 Uhr