100-jähriges Jubiläum einer erzgebirgischen Buslinie: Mit einem Ikarus 66 auf Zeitreise

Weil eine Buslinie im Erzgebirge seit genau 100 Jahren existiert, genossen zahlreiche Fahrgäste Sonderfahrten in einem bulligen Oldtimer

Krumhermersdorf

Oldtimer-Busse sind im Erzgebirge ins Rampenlicht gerückt. Schließlich wurde in Zschopau das Jubiläum „100 Jahre Kraftpost“ gefeiert.

Dahinter verbirgt sich der kombinierte Personen- und Posttransport, der einst die klassische Pferdepostkutsche ablöste. Statt Vierbeinern waren fortan motorisierten Busse dafür zuständig, Menschen und Post zu transportieren. Entsprechend alt sind auch so manche Buslinien.

Wie die zwischen Dittersdorf, Zschopau und Krumhermersdorf, die ebenfalls ihren 100. Geburtstag feierte. Busfahrer Holger Haase nahm dies zum Anlass, genau auf dieser Strecke Geschichte lebendig werden zu lassen.

„Das war eine schöne Zeit“

Während zwischen Zschopau und Krumhermersdorf ein 1978 gebauter Ikarus 211 pendelte, war zwischen Zschopau und Dittersdorf ein noch älteres Gefährt unterwegs.

Und der Ikarus 66, gebaut im Jahr 1972, weckte bei so manchen Fahrgast intensive Erinnerungen. „Das war eine schöne Zeit“, sagte zum Beispiel Ingo Morgenstern, der schon als kleiner Junge fast täglich in so einem Gefährt unterwegs war. Schon im Alter von sechs Jahren sei er damit von Wilischthal zum MZ-Kindergarten nach Zschopau gefahren.

Und auch als Schüler stieg er täglich ein und aus, wobei das Einsteigen anfangs gar nicht so leicht war.

Busfahrer beweisen Herz

„Als Kind habe ich die Tür manchmal nicht aufbekommen, weil es so schwer ging“, erzählt der inzwischen 59-jährige Morgenstern. Vergessen wurde er aber nie – im Gegenteil. Meistens waren es die Busfahrer selbst, die die Tür für ihn öffneten.

Manchmal fuhren sie nach einer Haltestelle auch noch 500 Meter weiter, um den kleinen Steppke näher an seinem Zuhause aussteigen zu lassen. Man kannte sich damals eben.

Genauso wusste der damalige Wilischthaler, der heute in Leipzig wohnt, genau, wann ein Fahrer den Gang wechseln würde. Das war nötig. Denn obwohl der Ikarus 66 den Spitznamen Rakete bekam, habe er an so manchem Berg zu kämpfen gehabt.

Doch er kam immer am Ziel an – so wie auch jetzt am 100. Geburtstag der Buslinie.

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