Acht Monate in Hoheneck: Diese Frau berichtet über ihre Zeit hinter Gittern

Vergangenheit Zeitzeugin berichtet über ihre Haft im Frauengefängnis

Stollberg. 

Stollberg. Es ist eine Zeit in ihrem Leben, die nicht schön war: Petra Weise musste als junge Frau für acht Monate im Frauengefängnis Hoheneck hinter Gitter - von November 1980 bis Juli 1981. Was war passiert?

Sie wollte ein Medikament für ihre Tochter

Die heute 65-jährige, die über ihr Leben Bücher schreibt, erzählt: "Ich wollte heimlich die damalige DDR verlassen und bei dem Versuch bin ich von russischen Sicherheitskräften erwischt worden . Wir wollten damals von Bulgarien aus nach Jugoslawien." Der Grund, warum Petra Weise das Land verlassen wollte, war ihre kranke Tochter. Als Mutter hat sie nichts unversucht gelassen. Irgendwann bekam sie die Information, dass es ein Medikament gibt. Allerdings wurde das in der Schweiz hergestellt und war damit für DDR-Bürger nahezu unerreichbar. "Man hat meine Tochter zwar auf eine Warteliste gesetzt, aber man kann sich gut vorstellen, dass man als Mutter nicht so viel Geduld hat, abzuwarten", erzählt Weise. Und weiter: "Ich habe gefragt, ob sie mich mit meinem Kind in die Schweiz ausreisen lassen. Aber da ging kein Weg rein. Einen Ausreiseantrag zu stellen, war uns zu riskant, denn man wusste nie, wie das ausgeht." Da sei man auf die Idee gekommen, sich "heimlich zu verdrücken". Doch das ging schief.

Ihr Mann und Bruder sind in Bulgarien inhaftiert worden. Die Kinder, Sohn und Tochter, sind in Berlin vorerst ins Heim gekommen, bevor sie zu ihren Großeltern konnten. Petra Weise selbst kam vier Wochen in Untersuchungshaft in Berlin, bevor es nach Hoheneck ging. "Vor den Kriminellen hatte ich schon Angst. Wenn man auf so engem Raum zusammen ist, ist die Toleranzschwelle niedrig", erzählt Weise.