"Rund um Zschopau" 2025 war wieder das erwartete Enduro-Fest und machte seinem Beinamen "Mekka des deutschen Endurosports" erneut alle Ehre. Nun, wenn man einen Weltmeisterschaftslauf ausrichtet, wie zuvor schon 1990, 2004, 2017 und 2022, ist das im Prinzip zwangsläufig der Fall. Genauso gilt es aber festzuhalten, dass die vom gastgebenden MSC rund um Zschopau, seinen Partnervereinen und weiteren Unterstützern gereichte Motorsport-Köstlichkeit wieder erstklassig zubereitet war
Klassen-Weltmeister waren die Schnellsten an Tag 2
Logischerweise geht es spätestens bei einem WM-Finale um die Wurst, doch in der Klasse der hubraumschwächsten Motorräder war der Titel bereits vorzeitig vergeben. In jener E1-Kategorie hatte der spanische Seriensieger Josep Garcia schon beim vorangegangen Lauf den Sack zugemacht. Am ersten vollumfänglichen Fahrtag Samstag plus dem Ergebnis vom Prolog am Freitagabend zog Hamish Macdonald als erster Neuseeländer in der Geschichte in der E3 leicht vorzeitig nach, doch in allen anderen Klassen hielt die Spannung bis zum Schluss. Dabei standen die drei Hubraumkategorien E1, E2 und E3 vereinende Hauptklasse EnduroGP im Mittelpunkt des Interesses. In dieser war nach dem Samstag aus dem Titeldreikampf zwischen Josep Garcia, dem Italiener Andrea Verona und dem Franzosen Zachary Pichon ein Titelduell der beiden Erstgenannten geworden. Zachary Pichon war mit einer Vorverletzung angereist und kämpfte somit, trotz seines Prolog-Sieges am Freitag, an den beiden regulären Fahrtagen über die vollen Distanzen mit stumpfen Waffen. Drei Runden von je 64 Kilometern Länge durchs Erzgebirge waren jeweils zu absolvieren. Auf denen waren vier verschiedene Sonderprüfungen bei Weißbach, Venusberg, dem Steinbrauch bei Zschopenthal und am östlichen Ortsrand von Zschopau eingerichtet.
Punktevorsprung in der Ober-Kategorie
Nach seinem GP-Sieg am Samstag verwaltete Josep Garcia tags darauf seinen Punktevorsprung in der Ober-Kategorie und begnügte sich mit Rang zwei hinter Andrea Verona, der damit gleichzeitig E2-Weltmeister vor Zachary Pichon wurde. In der E1 hatte Josep Garcia den 13. von 14 möglichen Tagessiegen errungen, aber noch wichtiger seinen im Vorjahr errungenen ersten EnduroGP-Titel erfolgreich verteidigt. Als Tagesdritter ließ sich auch Hamish Macdonald nicht lumpen, womit die drei Klassensieger des Tages und zudem Klassen-Weltmeister 2025 gemeinsam auf dem GP-Podest standen.
Jeremy Sydow und Luca Fischeder toppten ihre Vortagsergebnisse
Für einen Platz auf dem Podium hatte sich auch wieder Jeremy Sydow qualifiziert. Nachdem der 25-jährige Chemnitzer am Freitag Gesamtsechster des Prologs geworden war und am Samstag als Gesamtsechster als Dritter der E1 geehrt wurde, konnte er seine Leistung am letzten WM-Fahrtag des Jahres mit Rang fünf "overall" sowie Klassenrang zwei sogar noch toppen. "Besser geht es fast nicht und das hier zu Hause in Zschopau. Es ist wirklich unbeschreiblich", freute er sich nach seinem nächsten Husarenritt. Und weiter: "Die Fans (insgesamt 25.000 an drei Tagen, Anm. d. A.) haben mich wie auf einer Welle um die Strecke getragen und zusätzlich angespornt. Darüber habe ich mich sehr gefreut und es genossen."
Ebenfalls nahezu rundum zufrieden war anschließend Luca Fischeder aus Geringswalde. Der zweite aktuelle deutsche Permanent-WM-Starter hatte am Samstag zum fünften Mal in dieser Saison Platz fünf in der E3 belegt und war damit schon recht zufrieden. Am Sonntag konnte auch er mit Rang vier diesem noch einen draufsetzen, was er so kommentierte: "Zum Schluss noch mein bestes Saisonergebnis, das ist schon eine tolle Sache. Und das vor heimischen Fans."
Drei Sachsen nahmen es als Gaststarter mit der Weltelite auf
Neben Jeremy Sydow und Luca Fischeder waren auch weitere Deutsche respektive Sachsen am Start, die die Chance beim Schopfe packten, sich die Strecken rund um die Motorradstadt mit den Besten der Welt zu teilen. Zum Beispiel Edward "Eddi" Hübner (ausnahmsweise und nur zum Spaß an der Freud mit einer 125-ccm-Zweitakt-Maschine) und sein Cousin Hannes Lehmann, beide aus Penig. Sie belegten in der E1 zwar die hinteren Plätze (zehn und elf) aller Zielankömmlinge, waren am Ende aber trotzdem und vor allem ob der grandiosen Stimmung an der Strecke froh, es gemacht zu haben. Ebenso der Dittmannsdorfer Florian Görner, der in der nominell etwas schwächer besetzten Klasse E3 Siebenter wurde.
Pascal Sadecki wieder bester Junior
Bei den Junioren war wieder Pascal Sadecki unser Bester. In der Junior1/Junior2-Scratch-Wertung konnte der Zschopauer als 15. etliche Dauerstarter hinter sich lassen. In seiner Klasse J2 schnappte er sich als Zehnter sogar einen Platz in den Top-10. Sky Maddox Dombrowski aus Marienberg und der Zwönitzer Kenny Riedel belegten in der kombinierten Junior-Wertung die Plätze 22 und 24 bzw. in der J1 die Ränge zehn und zwölf. Domenik Nieschalk aus Limbach-Oberfrohna schied aus und der Chemnitzer Jeremy Göthel sowie der Dittmannsdorf Luca Reinhold traten nach ihrem Pech vom Vortag am Sonntag gar nicht erst an. Während der Schwede Axel Semb Gesamt-Junior-Weltmeister und ebenso in der J2-Kategorie wurde, holte sich der Franzose Leo Joyon den Titel in der J1.
Spitzenstadt auch dabei
Bei den Damen ging der WM-Titel an Rachel Gutish und somit erstmals über den großen Teich in die USA.
In der Youth-Class der maximal 21-Jährigen landeten Emil Kessler aus Plauen und Erik Neubert aus Großrückerswalde auf den Plätzen 13 und 15. Hier hatte mit Romain Dagna ebenfalls ein Franzose die Nase in der Endabrechnung vorn.
Weitere Sachsen tummelten sich bei großen Zschopauer Enduro-Fest in einer der drei offenen (Hobby-)Klassen. In der Open Zweitakt belegten Arvid Meyer (Reinsdorf), Fritz Hunger (Grünhainichen), Paul Hempel (Niederfrohna) und Max Schäfer (Geringswalde) die Plätze zehn, 14, 18 und 19. Bei den Viertaktern wurde Kevin Nieschalk (Lengefeld) Fünfter, Patrick Irmscher (Dittersdorf) Achter, Karl Weigelt (Wolkenstein) Neunter und Maik Schubert (Hopfgarten) Elfter. In der Klasse Open Senior wurde Jens Pester (Niedersteinbach) als Zweiter zur Siegerrehrung gerufen und Tino Bauer (Amtsberg) hierbei Sechster.
Und noch ein sächsischer Enduro-Feiertag
Zumindest aus sächsischer Sicht steht nun noch ein Enduro-Feiertag aus. Am 1. November versammeln sich die Fahrer der Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft (DEM) in Burg bei Magdeburg zu ihrem Saisonfinale. Dafür stehen die Vorzeichen ziemlich klar auf weitere Klassen-Titel für Eddi Hübner (E2) und Luca Fischeder (E3). In der E1 ist Jeremy Sydow bereits durch. Doch auch für ihn könnte es noch was zu feiern geben, denn in der Klassen-übergreifenden Championatswertung wird er als klarer Tabellenführer vor Luca Fischeder anreisen. In der Junioren-Klasse J1 (in der DEM gibt es gegenüber der WM für den Nachwuchs eine andere Klasseneinteilung) hat Pascal Sadecki noch die Chance, seinen derzeit zweiten Platz in die Meisterkrone umzuwandeln.