Es war ein Termin der Kontraste am Freitagmorgen in der Buchholzer Straße. Im gemütlichen Ambiente des „Anna + Sascha Hotel & Café“ duftete es nach Kaffee und frischem Gebäck. Doch im Gepäck hatte Cordula Hartrampf-Hirschberg, die Chefin der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz, nicht nur eine Auszeichnung für menschliche Wärme. Sie brachte auch die nüchternen Zahlen des Jahresberichts 2025 mit. Diese belegen, dass der wirtschaftliche Wind im Erzgebirge rauer geworden ist.
Ein Zertifikat für gelebte Menschlichkeit
Bevor der Blick auf die Statistik fiel, stand eine besondere Erfolgsgeschichte im Mittelpunkt. Thomas Kadenbach, Geschäftsführer der AnnaSascha Turmhaus gGmbH und Katja Seifert vom Verein Anna + Sascha e. V. durften sich über das Inklusionszertifikat der Bundesagentur für Arbeit freuen. Ihr Engagement ist außergewöhnlich. In ihrem Unternehmen arbeiten elf Menschen. Sie geben Personen mit Handicap eine echte Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt und ermöglichen ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Inklusion in der Praxis funktioniert. Genau dieses Engagement würdigte die Agenturchefin an diesem Vormittag ausdrücklich.
Arbeitsmarkt im Griff der Konjunktur
Der Übergang zu den Marktdaten fiel ernster aus. Die globalen Unsicherheiten haben im vergangenen Jahr deutliche Spuren im Erzgebirge hinterlassen. Cordula Hartrampf-Hirschberg musste berichten, dass die Arbeitslosigkeit gestiegen ist. Im Durchschnitt des Jahres 2025 waren 9.245 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das sind 470 Personen oder 5,4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.
Die Arbeitslosenquote kletterte damit auf 5,6 Prozent. Besonders spürbar war der Anstieg direkt bei der Arbeitsagentur. Dort meldeten sich über 14 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr.
Arbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt 2025 an
9.245 Frauen und Männer waren im letzten Jahr im Erzgebirgskreis arbeitslos gemeldet, 470 mehr als 2024 (plus 5,4 Prozent). Der Anstieg vollzog sich dabei ausschließlich im Bereich der Arbeitsagentur. Dort wurden 14,1 Prozent oder 427 Personen mehr gemeldet als 2024. Im Bereich des Jobcenters Erzgebirgskreis beziffert sich der Aufwuchs auf plus 43 Personen oder plus 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
3.446 Menschen (37 Prozent) wurden in der Arbeitsagentur und 5.799 (63 Prozent) im Jobcenter betreut.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Jahr 2025 stieg im Vergleich zu 2024 um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 5,6 Prozent an. Die geringste Arbeitslosenquote gab es bisher im Jahr 2019 und 2022, in denen sie jeweils bei 4,4 Prozent lag. Seit 2024 liegt sie jeweils über der 5- Prozent Marke.
In der Jahressumme sind über 1.000 Menschen mehr arbeitslos geworden
Im gesamten Jahr 2025 meldeten sich insgesamt 18.414 Menschen bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter arbeitslos und gleichzeitig beendeten 17.796 Menschen ihre Arbeitslosigkeit. Eine Erwerbstätigkeit nahmen im letzten Jahr 6.256 Menschen auf und parallel mussten 7.558 Personen ihre Erwerbstätigkeit aufgeben und sich arbeitslos melden. Damit sind 1.302 Menschen mehr arbeitslos geworden, als eine Arbeit gefunden haben.
Sorge um die Jugend und die Industrie
Ein Detail der Statistik bereitet besondere Sorgenfalten. Ausgerechnet bei den jungen Menschen unter 25 Jahren gab es den deutlichsten Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit. Hier stieg die Zahl um fast 20 Prozent an. Mittlerweile ist jeder vierte Arbeitslose im Bezirk jünger als 25 Jahre.
Auch ein Blick auf die Branchen zeigt klare Verschiebungen. Das Verarbeitende Gewerbe, traditionell das Herzstück der erzgebirgischen Wirtschaft, musste Federn lassen. Hier gingen über 1.600 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren. Ganz anders sieht es im Bereich Heime und Sozialwesen aus. Dort gab es einen Zuwachs an Beschäftigten.
Interessant ist zudem ein Blick auf die Herkunft der Beschäftigten. Arbeitnehmer aus dem Ausland bildeten die einzige Personengruppe, bei der die Beschäftigung im letzten Jahr zunahm. Ihre Zahl stieg um über 3 Prozent an.
Unternehmen suchen trotzdem Personal
Trotz der schwierigen Lage gibt es paradoxe Signale. Die Unternehmen suchen weiterhin händeringend nach Fachkräften. Der Arbeitgeberservice konnte im letzten Jahr fast 4.200 neue Stellen einwerben. Das waren gut 20 Prozent mehr als im Jahr 2024.
Cordula Hartrampf-Hirschberg wertet dies als Zeichen für die regionale Wirtschaftskraft. Die Betriebe versuchen mit aller Kraft und viel Geld ihr Personal zu halten. Sie wissen genau, wie schwer es ist, gute Leute wiederzufinden.
Keine Trendwende in Sicht
Für das laufende Jahr 2026 dämpfte die Agenturchefin jedoch die Erwartungen. Sie rechnet nicht mit einer schnellen Trendwende. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Beschäftigung eher zurückgehen und die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird.
Dennoch will man den Kopf nicht in den Sand stecken. Die Agentur setzt voll auf Qualifizierung und Unterstützung. Das Ziel bleibt klar. Man möchte den Menschen helfen Chancen zu ergreifen und Übergänge in neue Jobs zu erleichtern. Orte wie das „Anna + Sascha“ zeigen dabei eindrucksvoll, dass mit Mut und Engagement auch in schwierigen Zeiten vieles möglich ist.




