Archenbau: Ein fast vergessener Industriezweig

Tipp Neue Ausstellung zum Archendorf Hallbach eröffnet im November

Olbernhau. 

Olbernhau. Nächsten Monat soll es im Museum Olbernhau eine neue Ausstellung geben. Dabei dreht sich alles um das Thema"Archendorf Hallbach". Nur wenige Leute wissen heute noch, dass die Archenproduktion für Hallbach ein bedeutendes Gewerbe war. "Die Archen wurden für die Kinder zum Spielen hergestellt. In mühevoller Handarbeit wurden Schiffskörper und Häuschen geschaffen. Die Menschen, die die Archen herstellten waren Weißbauer, diejenigen, die sie bemalten, wurden Archenmaler genannt", erzählte Hanni May.

Sie kennt sich in dieser Materie nicht nur als Ortschronistin sehr gut aus - es waren auch ihre Vorfahren, die sich mit der Herstellung von Archen ihre Brötchen verdienten. Größe, Form und Ausstattung der Archen bestimmten die Verleger in Olbernhau, Grünhainichen und Seiffen.

Hanni Mays Großeltern fuhren bspw. samstags mit einem großen Handwagen nach Olbernhau, um ihre Archen abzuliefern. Im Packraum des Verlages bestückte man die leeren Archen mit Reifentieren und Figuren, die aus Seiffen angeliefert wurden. Nach biblischem Vorbild konnten bis zu acht Figuren - Noah, seine drei Söhne und deren Frauen - dazugehören. Stets enthielten die Archen auch mehrere Tierpaare. Je nach Größe wurden Hallbacher Archen mit 6 bis 192 Reifentieren bepackt. Millionen solcher "Wunderhäuser" nahmen im 19. Jahrhundert ihren Weg auch auf Dampfern über die Meere in alle Welt, so Hanni May.

Die diesjährige Weihnachtsausstellung wird am 24. November, 18 Uhr im Museum Olbernhau eröffnet. Blickfang wird dabei eine in der Tischlerei Loos in Pfaffroda hergestellte Arche sein. Nach der Schau wird diese das Podest, auf dem zur Weihnachtszeit die Pyramide thront, schmücken. "Wir haben uns überlegt, es nicht das restliche Jahr über leer stehen zu lassen. Mit der Arche wird damit eine kleine Sehenswürdigkeit geschaffen, die auf die frühere Tradition in Hallbach hinweist", so Ortschef Hans-Georg Heidinger.