Auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025: Nicht ohne Annaberg-Buchholz

Kulturhauptstadt Oberbürgermeister Rolf Schmidt empfängt internationale KünstlerInnen

Chemnitz und die Region haben sich um den Titel 'Europäische Kulturhauptstadt 2025' beworben. 28 Städte und Gemeinden zwischen Freiberg und Schneeberg, Limbach-Oberfrohna und Augustusburg unterstützen die Chemnitzer Bewerbung. Zu ihnen gehört auch Annaberg-Buchholz.

Seit letzter Woche liegt der Jury das von 39 Radfahrern unterschiedlicher Sportvereine aus Chemnitz und der Region nach Berlin gebrachte Bewerbungsbuch (bid book) vor. Bestandteil ist auch ein Millionen-schweres Programm für das Erzgebirge, das von Kurator Alexander Ochs entwickelt wurde.

Für Annaberg-Buchholz ist in enger Abstimmung mit dem Fachbereich Kultur, Tourismus und Marketing vor Ort ein umfangreiches Programm geplant. Fachbereichsleiterin Franziska Herzig freut sich: "Die Zusammenarbeit mit dem Kurator war ausgezeichnet, hier kommen Internationalität, moderne bildende Künste und Erzgebirgische Traditionen, Handwerkskunst und Spiritualität zusammen. Sie bringen im Falle eines positiven Entscheids der Jury neue kulturelle und touristische Impulse für unsere Stadt und die Kulturregion".

Am Mittwoch vergangener Woche konnten sich neun der im bid book vorgeschlagenen Künstler einen ersten Eindruck möglicher Standorte für ihre Kunst machen: In Annaberg Buchholz erkundete die hochkarätige Delegation die Annaberger Innenstadt, die St. Annen Kirche und das Alte Stadtbad.

Superintendent Dr. Olaf Richter, Pfarrer Karsten Loderstädt und Martin Lange der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz führten durch die sakrale Kirche St. Annen, zeigten Besonderheiten des historischen Bergaltars, die Kanzel und berichteten vom schweren Leben der Bergleute vor 500 Jahren. Alexander Ochs und die Künstlerin Karolina Schwab stellten ihre Ideen zu geplanten Kunstprojekten in der Stadt vor. Ein weiterer Höhepunkt des Künstlerbesuchs war der Besuch des Alten Stadtbades, das als Ausstellungshalle für 2025 berücksichtigt würde. Im ehemaligen Becken des Bades präsentierte Manuela Fischer, Leiterin der Klöppelschule Barbara Uthmann und Vorsitzende des Erzgebirgischen Klöppelvereins, das traditionsreiche Handwerk des Klöppelns. Ihre Weiterentwicklung und Neuinterpretation des Handwerks zeigte sie mittels einer geklöppelten dreidimensionalen Blühte aus goldenem Draht. Großes Interesse und ein reger Austausch mit den Künstlern zeugten erneut vom künstlerischen Niveau der alten Handwerkskunst, die sich zurecht ihren Weg in die Moderne bahnte.

Alexander Ochs: "Die Künstler waren voll der positiven Eindrücke und ich darf mich auch in deren Namen bei der Stadt und Ihrem Team bedanken. Gerade in Annaberg-Buchholz fühlten sich alle sehr gut aufgehoben und haben sich in die Stadt, Frau Uthmann und vor allem die Klöpplerin verliebt. <Die Künstlerin Göken> Dilek wollte gar nicht mehr weg." Künstlerin und Ehefrau des Filmemachers Wim Wenders, Donata Wenders, bedankte sich für "Einblicke in ein Deutschland, das so liebenswert ist."

Für das Jahr 2025 ist ein großer, viele Städte der Region verbindender, nachhaltiger Skulpturen-Parcours geplant. Dessen Zentrum werden Arbeiten von KünstlerInnen wie Tony Cragg, Leiko Ikemura, Alicia Kwade, James Turell, Sosnowska oder Leonora Salihu bilden.

Alte Narrative des Erzgebirges, die besagen, dass "Alles vom Berg her kommt" und die Menschen "Mit den Händen denken" erscheinen wie ein Hinweis auf die Materialien der Kunstwerke, die über 800 Jahre aus der Erde des heutigen 'UNESCO-Welterbes' geschürft und gefördert wurden. Silber, Zinn, Eisen, Kaolin und Kobalt, Kohle und Uran werden zur Kunst, die Lichtmetaphern der Bergleute zu ihrem Material.

Eine wechselvolle Geschichte aus innovativem Unternehmertum und der Arbeiterbewegung seit dem 13. Jahrhundert, aus permanenter Erneuerung und Krise bis in die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts werden zur Folie für zahlreiche Ausstellungen an unterschiedlichen (auch historischen) Orten.

Der sogenannte Purple Path, ein Kunstparcours, zieht sich durch die gesamte Region rund um Chemnitz. Junge künstlerische Objekte werden an 28 permanenten oder temporären Standorten präsentiert - und ähnlich eines Wanderweges markiert. Hier wird anstatt der traditionellen, schwierigkeitsgradabhängigen Farben, die Farbe Lila (englisch: purple) verwendet. Der Purple Path, der lila Pfad, schlängelt sich aber nicht nur durch das Umland, sondern auch durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er reflektiert die Geschichte der Arbeiter*innenbewegung und die Historie der Wismut, stößt nachhaltige Naturprojekte an oder beschäftigt sich mit den Frauen von Hoheneck.

Oberbürgermeister Rolf Schmidt: "Das Chemnitzer Team hat in den letzten Monaten wirklich hart und unter erschwerten Bedingungen dafür gekämpft und viel geleistet, aus meiner Sicht kann es nur eine Gewinnerin geben: die Kulturregion Chemnitz! Besonders habe ich mich gefreut, wie Chemnitz und das Erzgebirge nunmehr auf der Suche ihrer kulturellen Einzigartigkeiten und einem spannenden Narrativ bereits zusammengewachsen sind und dabei viele Gemeinsamkeiten und spannende Formate entdeckt, entwickelt und zum Teil auch schon umgesetzt haben. Danke, dass wir dabei sein dürfen."

Wenn Sie Ihre Unterstützung für die Bewerbung von Chemnitz zur "Kulturhauptstadt 2025" sichtbar machen möchten, können Sie Ihre Stimme online abgeben. Ende Oktober entscheidet sich, ob Chemnitz 2025 Kulturhauptstadt wird und damit die Region durch einen Purple Path bildender Künste bereichert wird.