Auf Schloss Wildeck wird die Wendezeit wieder lebendig

Interaktives Projekt rückt persönliche Geschichten in den Mittelpunkt

Zschopau

Auf Schloss Wildeck ist seit wenigen Tagen eine neue Sonderausstellung zu bestaunen. "Wende Geschichten - Geschichten Wende" heißt der Titel dieses Projekts, das sich auf interaktive Weise mit der Wende 1989 beschäftigt. Vor Ort können Besucher zum Beispiel selbst zum Ausdruck bringen, welche Emotionen mit den damaligen Erlebnissen verbinden. Von Zusammenbruch bis Neuanfang reichen die Alternativen. Außerdem können sie mit dem Schloss in Verbindung treten, um ihre Erfahrungen aus jener Zeit zu schildern und zu dokumentieren.

Von der BRD zunächst überfordert

"Im Zentrum stehen die persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen von Menschen aus der Region", erklärt Museumsleiterin Elisabeth Gundlach, die zusammen mit Judith Hauße von der Stadtverwaltung monatelang an der Vorbereitung gearbeitet hat. Dabei stießen sie auf viele interessante Geschichten. Unter anderem die einer Frau, die unmittelbar nach dem Mauerfall als junge Mutter in den Westen reiste und sich eine Babyflasche besorgen wollte. Vor einem riesigen Regal in Bayern mit unzähligen Angeboten fühlte sich die Erzgebirgerin unsicher und überfordert, sodass sie stattdessen nach ihrer Rückkehr in die Heimat ein DDR-Produkt kaufte.

Junge Generation einbezogen

Neben einer Babyflasche befinden sich noch weitere symbolische Zeitzeugnisse in der neuen Sonderausstellung - verbunden mit den interessanten Geschichten dahinter. Genauso kommt aber auch die junge Generation nicht zu kurz. Örtliche Schulen wurden in Form von Workshops mit einbezogen, um die Meinung der heutigen Jugend zum Thema Freiheit abzubilden. Entstanden sind unter anderem Graffiti-Tafeln und Foto-Collagen, die den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart spannen.

Oberbürgermeister erinnert sich an außergewöhnlichen Besuch

Beeindruckt davon zeigte sich auch Zschopaus Oberbürgermeister Arne Sigmund, der bei der Eröffnung von eigenen Erfahrungen aus der Wendezeit erzählte. Noch zu DDR-Zeiten war er an der Gründung einer ökologischen Partei beteiligt, weshalb ihm die Stasi in der Schule einen Besuch abgestattet habe: "Das war krank."

 

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