Ausstellung „Zinn & Sein“: Wurzeln unseres Bergbaus reichen 4000 Jahre zurück

In der Zinngrube Ehrenfriedersdorf wurde eine neue Ausstellung eröffnet

Ehrenfriedersdorf

Gut 800 Jahre reichen die Wurzeln des Zinnerzbergbaus im Ehrenfriedersdorfer Revier zurück. Dachte man bis vor Kurzem noch. Doch jüngste Forschungen belegen, dass Menschen bereits vor viertausend Jahren diese Schätze im Erzgebirge gewannen. Die ganze Geschichte erzählt eine so spannende und fundierte wie verständliche und einprägsame Ausstellung, die seit 14. November unter dem Titel „Zinn & Sein – eine archäologische Spurensuche im Erzgebirge“ im Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf zu erleben ist. Eröffnet wurde sie an dem Freitag im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Ministerpräsident Kretschmer unter ersten Besuchern

Auch Barbara Klepsch, Staatsministerin für Kultur und Tourismus, sowie Ivona Valhová als Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden waren unter den Premierengästen. Die Schau ist einer der Höhepunkte des sächsisch-böhmischen Forschungsvorhabens „ArchaeoTin – Archäologie im Welterbe – Zinnbergbaulandschaften“. Es wird mit 3,5 Millionen Euro aus dem EU-Interreg-Programm Sachsen-Tschechien mit EFRE-Mitteln gefördert.

Archäologen entdecken Nachweis für Zinnabbau im Erzgebirge

Montanarchäologen entdeckten vor wenigen Jahren bei Schellerhau den ersten Nachweis, dass Menschen vor vier Jahrtausenden Zinn, das zusammen mit Kupfer für die Bronzeherstellung nötig ist, schürften. Unter Leitung des hiesigen Landesamts für Archäologie verfolgen Partner aus Sachsen, Bayern und Tschechien im ArchaeoTin-Projekt mehrere Ziele. So ging es darum, den bronzezeitlichen Bergbau an Standorten im Erzgebirge zu bestätigen sowie Erkenntnisse zum übertägigen Abbau von Zinnseifen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu gewinnen.

ArchaeoTin spannt Bogen vom Gestern ins Morgen

Die Exposition „Zinn & Sein“ stellt aktuelle Forschungsergebnisse vor und setzt diese in gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche oder historische Zusammenhänge. Dies geschieht in fünf Themenbereichen, in denen auch mit interaktiven Medienstationen die vielfältigen Fassetten des hiesigen Zinnbergbaus erkundet werden können. Gezeigt wird, wie Zinn- und andere Erzlagerstätten in Hunderten Millionen Jahren durch gigantische Erdkräfte gebildet wurden – viel, viel später die Grundlage für die wirtschaftliche und kulturelle Blüte Sachsens.

Forschungsmethoden kennenlernen

Die Besucher lernen faszinierende Forschungsmethoden kennen, die im Projekt eingesetzt wurden. Was etwa sehen Pollenforscher im Mikroskop? Und welche Aussagen lassen sich daraus für Umwelt, Klima und menschliche Einflüsse ableiten? Wie funktioniert die Datierung über Jahrringkurven alter Bäume und Hölzer? Hier stellen acht Filme das Methodennetzwerk rund um die Montanarchäologie vor.

Die Beziehung von Zinn und Mensch

Zinn und Mensch stehen im Fokus des größten Ausstellungsbereichs. Hier geht es um den Zinnbergbau und die aufwendige Weiterverarbeitung bis zum finalen Produkt. Beleuchtet werden sich entwickelnde soziale und wirtschaftlichen Macht- und Handelsstrukturen.

Wasser als Freund und Feind

Wasser ist gleichermaßen Freund und Feind der Bergleute. Durch künstlich angelegte Gräben herangeführt, unterstützte es seit der Bronzezeit die Abbau- und Aufbereitungsprozesse in den Zinnseifen. Von Georgius Agricola in seinem Werk „De re metallica“ 1556 beschrieben, revolutionierte das „Ehrenfriedersdorfer Kunstzeug“ den Bergbau weltweit. Nun war es möglich, Wasser auch aus großer Tiefe aus den Gruben zu pumpen.

3-D-Projektionen zeigen die prägenden Spuren des Bergbaus

Am Ende des Rundgangs zeigen zwei 3-D-Projektionen, wie der Bergbau Landschaften prägte und wie Wissenschaftler diese Spuren lesen. Die Schau schlägt den Bogen in die Zukunft und unterstreicht den Anspruch von ArchaeoTin, neben der grenzübergreifenden Zusammenarbeit und der Förderung des Tourismus auch das öffentliche Umwelt- und Rohstoffbewusstsein zu fördern.

Schau zieht im Frühjahr ‚26 nach Teplice um

Die Ausstellung „Zinn & Sein – eine archäologische Spurensuche im Erzgebirge“ eignet sich für die ganze Familie und ist noch bis 1. März 2026 in der Zinngrube Ehrenfriedersdorf zu sehen. Sie ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 9.30 bis 15 Uhr; in den sächsischen Schulferien bis 16 Uhr. Die Schau will überdies anregen, an Bergwerksführungen teilzunehmen. Im kommenden Frühjahr zieht sie ins tschechische Teplice um, wo sie vom 2. April bis 28. Juni 2026 im Regionalmuseum der Bäderstadt zu erleben ist. Auf der Website können weitere Informationen entnommen werden.

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