Das Geisterschiff legt in Thum an

Konzert Spanischer Komponist dirigiert Deutschlandpremiere seines Werks.

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Der spanische Komponist José Alberto Pina dirigierte die Bläserphilharmonie Thum bei seinem Stück "The Ghost Ship". Der Applaus dafür fiel riesig aus. Foto: Dirk Trautmann

Thum. Mit zwei Weihnachtskonzerten haben die Bläserphilharmonie und die Bläserjugend Thum die Adventszeit eingeläutet. Am Freitag und am Samstag kamen insgesamt 600 Besucher ins Volkshaus Thum. Die Weihnachtskonzerte sind mittlerweile zum Selbstläufer geworden, die Karten gehen weg wie die Stollen und auch das Konzert im Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz am 23. Dezember ist ausverkauft.

Bläserphilharmonie und Bläserkids haben mit harmonischem Weihnachtskonzert geglänzt

Und die Vorschusslorbeeren sind mehr als gerechtfertigt, haben sich doch die Ensembles in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erspielt. Davon hörte auch der Komponist José Alberto Pina. Er klickte sich vielmehr durchs Internet und fand auf Youtube Interpretationen seiner Werke durch die Bläserphilharmonie, unter anderem "The Legend of Maracaibo". Der preisgekrönte und international renommierte Künstler suchte den Kontakt zu Thomas Conrad, den künstlerischen Leiter der Bläserphilharmonie Thum und machte diesem ein Angebot, das dieser einfach nicht abschlagen wollte und konnte.

Nichts weniger als die Deutschland-Premiere seines neuesten Werks stellte José Alberto Pina in Aussicht, behielt sich dafür aber das Dirigat vor. "Für mich war es nichts Neues, dass andere Dirigenten die Bläserphilharmonie leiten. Das haben wir schon bei Workshops so gemacht", sagte Thomas Conrad.

Die letzte Fahrt der "American Star"

Also setzte sich José Alberto Pina in den Flieger, probte mit den Thumern und legte Freitag und Samstag zwei fulminante Konzerte hin. In "The Ghost Ship" ließ er die Thumer Bläserphilharmonie die letzte Fahrt der "American Star" musikalisch schildern. Das Schiff hatte schon als Kreuzfahrer vor dem und als Truppentransporter im 2. Weltkrieg gedient, wurde mehrmals umbenannt und lief auf seiner letzten Fahrt, gezogen von Schleppern, bei einem Orkan vor Fuerteventura auf Grund. Viele Jahre lang lag das Wrack vor der Küste der spanischen Insel, bevor es für immer im Ozean versank.

Diese letzte Fahrt nun erlebten die Besucher im Volkshaus Thum mit, wie das Schiff durch die Wellen fährt, viele helle Töne ließen das Trippeln der Ratten erraten, die während des Orkans das sprichwörtlich sinkende Schiff verlassen wollten. Doch da kam der Sturm mit einer solchen musikalischen Wucht, mit bombastischen Klängen dargestellt, denen sich kein Premierengast entziehen konnte.

"Das war außergewöhnlich"

Das Publikum verharrte erst ganz kurz nach den letzten Klängen, dann brach ein Applausorkan los, wie er nur selten im Volkshaus zu vernehmen war. José Alberto Pina sprach nach dem Konzert von "einer unvergesslichen Premiere", lobte "die phantastischen Musiker für ein kraftvolles und aufregendes Konzert". Die Zuhörer waren ganz gefangen von dieser gewaltigen Szenerie, die der spanische Komponis und Dirigent mit der Bläserphilharmonie entwickelt hatte. "Das war außergewöhnlich schön, ein temperamentvolles Werk, ich konnte richtig mitempfinden, wie das Schiff im Sturm untergegangen ist", schilderte Antje Melzer aus Thum ihre Eindrücke.